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Andy und Lana Wachowski : Nerds mit zwölfstöckigen Gehirnen

  • -Aktualisiert am

„The Matrix“ war ein großer Erfolg, die beiden folgenden Filme der Wachowskis waren es nicht. „Speedracer“ konnte seine Produktionskosten nicht annähernd einspielen, und „Cloud Atlas“ kam erst fast nicht zustande, wurde dann einer der teuersten unabhängig finanzierten Filme der Geschichte und - floppte. Es sei total frustrierend, sagte Andy Wachowski einmal zu einem Reporter des „New Yorker“, dass manche Leute glaubten, die Filmwelt sei wie die Börse. „Man setzt auf einen Film, weil man Geschmack hat. Man ist im Filmgeschäft, weil man Filme mag, nicht, weil man Geld mag.“

Jetzt lehnt Andy schweigend in seinem Sessel und hört Lana zu, die Hollywoods Aversion gegen komplexe, originelle Stoffe beklagt. Vielleicht hänge das mit dem Schock von 9/11 zusammen, sagt sie. Seit den Fünfzigern habe es nicht mehr so viele Hurra-Filme über das amerikanische Militär gegeben. „Damals war das Musical groß, und es gibt eine Verbindung zwischen dem Musical und dem Superheldenfilm - im Grunde sind sie identisch.“

Film ist die Kurzgeschichte, Fernsehen der Roman

Ob sich das Fernsehen nicht längst besser zum Erzählen komplizierter Geschichten eigne, frage ich mit Blick auf„Sense8“, die Serie für Netflix. „Ja“, sagt Andy, „das Zweistundenformat ist ein bisschen eine Zwangsjacke.“ Lana fügt hinzu: „Film ist die Kurzgeschichte, Fernsehen der Roman.“ Aber das Spektakel, nach dem die große Leinwand verlange und dem die Wachowskis verpflichtet sind, wirke auf dem kleinen Schirm nicht.

Es überrascht nicht, dass auch „Sense8“ sehr ambitioniert ist. Die Serie dreht sich um acht Hauptfiguren in unterschiedlichen Teilen der Welt, die plötzlich eine psychische Verbindung zueinander entdecken und daraufhin vor mysteriösen Häschern flüchten müssen. Die Wachowskis bestanden darauf, sämtliche Szenen an den jeweiligen Originalschauplätzen in den Vereinigten Staaten, England, Island, Südkorea, Deutschland, Mexiko, Kenia und Indien zu drehen. „Das ist ja der Clou“, sagt Lana. Man wolle schließlich Kulturen kennenlernen, um auszumachen, was Menschen trennt und was sie verbindet. Zahlreiche potentielle Finanziers hätten die Augen verdreht, erzählt Lana. Netflix ließ sich darauf ein. Die Video-Plattform nickte sogar die Erweiterung von ursprünglich zehn auf zwölf Episoden während der Dreharbeiten ab, erzählt Andy. „Die unterstützen uns, wo sie nur können. Vielleicht sind sie einfach noch unschuldig, weil sie so neu im Geschäft sind“, sagt Lana, als könne sie ihr Glück kaum fassen. Trotzdem, das Kino will sie nicht abschreiben. „Das ist eine wunderbare Kunstform. Schauen Sie sich nur den großartigen ,Birdman‘ an oder ,Ida‘ mit seiner ästhetischen Eigenwilligkeit“, sagt Lana. „Es gibt sie immer noch, die interessanten, originellen, coolen Stoffe im Kino.“

Die Presseagentin tippt auf ihr Handgelenk: Die Zeit ist um. Küsschen rechts, Küsschen links, Namasté. Auf demnächst in Berlin? Vielleicht, sagen die Wachowskis. Sie haben sich für die nächsten zwölf Monate eine Auszeit verschrieben.

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