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Andrea Kiewel : Schleichwerbe-Verdacht gegen ZDF-Moderatorin

Als Gast bei Johannes B. Kerner schwärmte die Fernsehmoderatorin Andrea Kiewel von einer Diätfirma. Nun stellt sich heraus, dass sie - was sie damals dementierte - einen Werbevertrag mit dem Unternehmen hatte.

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          Die Geschichte war vor einem halben Jahr ein Thema, doch schien es dann keines zu sein. Denn die Dementis schienen eindeutig. Bis jetzt, da der Auftritt der Fernsehmoderatorin Andrea Kiewel in der ZDF-Talkshow von Johannes B. Kerner vom 23. Januar dieses Jahres in einem neuen Licht erscheint. Es ist ein ungünstiges Licht.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Bei Kerner ging es um das Thema Diäten und als Nutznießerin einer solchen, und zwar der Firma Weight Watchers, trat Andrea Kiewel auf. Dass sie den Firmennamen binnen kurzem mehrmals nannte, machte den Moderator stutzig, so dass er ostentativ nachfragte: Man könne ja jetzt auf den Gedanken kommen - „Moment, die hat doch einen Werbevertrag, die ist von denen bezahlt. Nur, dass wir das einmal geklärt haben: Du bist normales Mitglied, Du zahlst alles selbst, keine Vergünstigungen?“ Kiewels Antwort: „Keine Werbeverträge.“ Jetzt aber stellt sich heraus: Es gab einen Werbevertrag, was die Firma Kick Management, die Andrea Kiewel vertritt, auf Nachfrage bestätigt. Beim ZDF fühlt man sich hinters Licht geführt. Der Programmdirektor Thomas Bellut hat die Moderatorin, die auch für den Sender arbeitet - sie präsentiert etwa den „Fernsehgarten“ -, zu einer Stellungnahme aufgefordert.

          Für alle PR-Zwecke zur Verfügung stehen

          Der Werbevertrag, datiert auf den 21. November 2006, definiert genau, was Andrea Kiewel für Weight Watchers tun sollte. Sie dürfe, heißt es in dem zweiseitigen Papier, im Zeitraum vom 1. November 2006 bis zum 28. Februar 2007 „für keinen Mitbewerber tätig werden“, sie sollte regelmäßig an den Gruppenstunden der Weight Watchers teilnehmen, pro Woche „wenigstens fünfhundert Gramm bis achthundert Gramm abnehmen“ und „für alle PR-Zwecke zur Verfügung“ stehen - maximal zwei Fotoshootings, Interviews, Statements und einen Hörfunkbeitrag. Als Honorar wurden 30.000 Euro plus 5000 Euro für den „redaktionellen Hörfunkbeitrag“ vereinbart.

          Punkt sechs des Papiers hat eine besondere Qualität: „Gelingt es Andrea Kiewel, das Thema ,Power Start' und ihre Abnahme mit dem Weight Watchers Konzept ausführlich in einem besonders erwünschten Format zu platzieren, wird ein Sonderhonorar vereinbart.“ Als Beispiele für ein „besonders erwünschtes Format“ nennt das Papier: „Wetten, dass . .?“, „Stern TV“, „Beckmann“ und - „Kerner.“

          „Eine absolute Ausnahme“

          Die Agentur Kick teilte auf Anfrage mit, dass es „eine Vereinbarung zwischen Frau Kiewel und Weight Watchers über diverse PR-Maßnahmen“ gegeben habe. „Für diese Leistungen wurde ein Honorar verhandelt und gezahlt. Darüber hinaus wurde der Auftritt von Frau Kiewel in der Sendung von Johannes B. Kerner nicht gesondert vergütet.“ Andrea Kiewel sei „überzeugte und normal zahlende Kundin von Weight Watchers“. Aus diesem Verhältnis habe sich „eine PR-Zusammenarbeit ergeben. Dass es nun nur noch schwer möglich war, ,private Überzeugung' und ,bezahlte PR-Leistung' konsequent voneinander zu trennen, bedauern wir zutiefst und aus diesem Grund gab es auch keine Verlängerung der Zusammenarbeit mit Weight Watchers. Wir haben nach diesem Fehler das Gespräch mit dem ZDF gesucht; als Konsequenz sind solche Fälle für die Zukunft grundsätzlich ausgeschlossen.“ Für Kick stelle „dieser Fall eine absolute Ausnahme dar. Weitere Vorgänge dieser Art gab es nicht und wird es auch in Zukunft nicht geben.“

          Beim ZDF ist man über den Vorgang alles andere als amüsiert. Schließlich hat der Sender seinen frei arbeitenden Moderatoren vor einiger Zeit aufgegeben, sich Werbeverträge genehmigen zu lassen - damit sie nicht mit den Auftritten im ZDF kollidieren. Auslöser war seinerzeit die Werbung, die Johannes B. Kerner für Air Berlin betrieb. In diesem Fall aber hakte Kerner mehrmals nach, seine Redaktion prüfte, wie zu hören ist, vor und nach der Sendung, ob Kiewel nicht doch eine Werbevereinbarung hatte. „Die Sache ist sehr bedauerlich für das ZDF“, sagte Kerner im Gespräch mit dieser Zeitung. „Sollten die Vorwürfe wirklich stimmen, wäre das nicht sehr freundlich und nicht sehr kollegial gewesen.“

          „Sehr ernste Angelegenheit“

          Der Sprecher des ZDF, Alexander Stock, bekräftigte, dass weder die Verantwortlichen im Sender noch die in Kerners Redaktion von Kiewels Vertrag wussten. Man habe erst später durch sie erfahren, dass es doch eine Vereinbarung mit Weight Watchers gab. Das nahm der Sender dann „missbilligend“ zur Kenntnis. „Wir betrachten das als eine sehr ernste Angelegenheit“, sagte der Programmdirektor Bellut im Gespräch mit dieser Zeitung. Wovon das ZDF bis heute keine Kenntnis hatte, ist die in dem zweiseitigen Papier angesprochene Sondervergütung für eine Plazierung des Themas in einer „erwünschten“ Sendung. Das wäre ein sogenanntes Themenplacement - waschechte Schleichwerbung.

          Die Affäre steht in einem Punkt im Konjunktiv, ist doch die Information im Umlauf, der Vertrag trage zwar den Namen Kiewels, doch sei es nicht ihre Unterschrift. Dazu wollte die Firma Kick nicht Stellung nehmen. Das ZDF wartet auf Andrea Kiewels Antwort, sie weilt im Augenblick in Amerika.

          „Die Methode macht den Unterschied“ heißt es auf der Homepage der Weight Watchers. Die hier in Rede stehende Methode könnte ein fataler Unterschied sein.

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