https://www.faz.net/-gqz-8a5u8

TV-Serie „The Fall“ : Wir schauen auf den Täter und er sieht uns

  • -Aktualisiert am

Die Londoner Ermittlerin Stella Gibson (Gillian Anderson) fängt in Belfast bei null an. Es wird dauern, bis sie den Mann, der Frauen in Serie ermordet, gefunden hat. Bild: ZDF

Die Serie „The Fall – Tod in Belfast“ wurde in England gefeiert und war hoch umstritten. Ist sie frauenfeindlich? Verherrlicht sie Gewalt? Im ZDF können sich die Zuschauer jetzt ein Bild davon machen.

          Diese Serie wurde in Großbritannien als beste Serie in Dekaden gefeiert. Und sie wurde zugleich verdammt: sie sei frauenfeindlich und stelle sexuelle Gewalt aus. Auf dem Höhepunkt der Kontroverse sah sich ihr Autor, Allan Cubitt, der in einigen Folgen auch Regie führt, genötigt, im „Guardian“ Stellung zu beziehen: „The Fall“, das bei uns mit dem Zusatz „Tod in Belfast“ läuft, sei ein feministisches Stück. Muss eine Kriminalserie, die von männlichem Voyeurismus und brutaler sexueller Erniedrigung handelt, dieses nicht auch zeigen dürfen? Jetzt können die deutschen Zuschauer sich ein Bild davon machen, was britische Kommentatoren eine „Übung in Unvorhersehbarkeit“ nannten und was zu gigantischen Einschaltquoten führte. Es treten auf: Detective Superintendent Stella Gibson und der Serienmörder Paul Spector.

          In sechsmal neunzig Minuten ist im ZDF zu sehen, wie die Abgesandte der Londoner Polizei in Belfast dem Täter allmählich auf die Spur kommt, ohne weitere Frauenmorde verhindern zu können. Wie die nordirische Polizei sich im Geflecht von historisch bedingten Konflikten, Korruption und Gewalt schwertut mit der Vorstellung eines „ganz normalen“ Psychopathen, der im Alltag perfekt unauffällig funktioniert. Jägerin und Gejagtem wird gleich viel Aufmerksamkeit zuteil. Und auch die weiblichen Opfer werden mit ihren Geschichten vorgestellt.

          Täter, Opfer, Ermittlerin

          „The Fall“ beginnt mit einer programmatischen Festlegung. Drei gleichwertige Expositionen. Eine Frau putzt das Bad gründlich, offenbar bereitet sie sich auf eine längere Dienstreise vor. Warum reinigen, was man erst einmal nicht wieder benutzt? Es wirkt rituell. Ob der Gedanke an selbsthergestellte Makellosigkeit beruhigt? Wenn ja, dann gilt dies auch für die Ermittlerin Stella Gibson (Gillian Anderson) und den Frauenmörder Paul Spector (Jamie Dornan), der gleich darauf beim Einbruch in das Haus der attraktiven Junganwältin Sarah Kay (Laura Donnelly) zu sehen ist. Er prüft ihre Wäsche, schneidet kleine Schleifen als Trophäen ab, arrangiert ein bizarres Tableau aus Kleidungsstücken und Sexspielzeug auf dem Bett, isst eine Orange und hinterlässt die Schale. Er nimmt sich Zeit mit seinen Botschaften. Er will die Frau wissen lassen von der Kontrolle, die er über ihr Leben und Sterben zu übernehmen gedenkt.

          Daheim ist Paul Spector (Jamie Dornan) ein fürsorglicher Vater und liebevoller Ehemann. Doch das ist nur die eine Seite seines Wesens.

          Die dritte Eröffnung zeigt das spätere Opfer mit einem Kollegen in einer Bar. Während er sie anflirtet, erzählt sie von einem Volk, bei dem das Matriarchat funktioniert. Männer werden zu „süßen Nächten“ eingeladen – stets geht die Initiative für Sex von Frauen aus. Dieses Volk habe nicht einmal Wörter für Vergewaltigung und Mord. Zu Hause alarmiert sie tief verstört die Polizei. Es ist dasselbe Team, das später als erstes am Tatort eintrifft, wenn Sarah Kay tot sein wird. Ums Leben gebracht von Paul Spector, dessen Identität von Beginn an klar ist, der tagsüber als Trauertherapeut einfühlsame Gespräche mit Hinterbliebenen führt, ein aufmerksamer Ehemann von Sally Ann (Bronagh Waugh) ist und seine Kinder zu lieben scheint.

          Weitere Themen

          Amerikaner gesteht 90 Morde

          Schlimmster Serienmörder : Amerikaner gesteht 90 Morde

          Er war wegen Dreifachmords angeklagt – inzwischen hat Samuel Little 90 Morde gestanden. Little könnte einer der schlimmsten Serienmörder der amerikanischen Geschichte sein. Sein Motiv wollen die Ermittler nun herausfinden.

          „Herbstsonate“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Herbstsonate“

          „Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

          Topmeldungen

          FAZ Plus Artikel: Darts-WM : Ritter mit Pfeilen

          Der Niederländer Michael van Gerwen hat in den vergangenen Jahren die Dartsszene dominiert. Nun scheint er aber mit dem Denken angefangen zu haben. Das ist ein Problem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.