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Witze über Schwangere : Der Gag des Fleischlichen

  • -Aktualisiert am

Zeigt, was sie hat: Ali Wong Bild: Netflix

Darf man über wachsende Bäuche Witze machen? Die schwangeren Comedians Amy Schumer und Ali Wong tun es auf der Bühne. Es geht natürlich um mehr.

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          Es gibt eine Szene in „The Marvellous Mrs. Maisel“, einer Serie über eine Komikerin im New York der fünfziger Jahre, da betritt die Titelheldin selbstsicher die Bühne eines Clubs in Mid-Town-Manhattan, um zu improvisieren. Sie hat gerade ihrer Freundin bei der Geburt des zweiten Kindes beigestanden, und so fängt Midget Maisel an, über die Absurdität der weiblichen Anatomie zu fabulieren: Warum, bitte, entwarf Gott die Vagina als kleines Handtäschchen? Wenn sie doch ab einem gewissen Punkt eine Bowlingkugel tragen solle? Noch bevor Midget Maisel ihren Witz aber ganz erzählen kann, zerrt der Clubbesitzer sie schon von der Bühne: Witze über Schwangerschaft und Geburt? Darüber wolle nun wirklich niemand etwas hören, schon gar nicht mit bildlichen Details! Und was gebe es da überhaupt zu lachen?

          „The Marvellous Mrs. Maisel“, geschrieben für Amazon von Amy Sherman-Palladino (die auch die „Gilmore Girls“ erfunden hat), geht diese Fragen ganz direkt an, immer wieder: Was ist das eigentlich, „weiblicher“ Humor? Und was „darf“ dieser? Amy Schumer, in den Vereinigten Staaten inzwischen ein Superstar unter den Komödiantinnen, gibt darauf in ihrem neuen Netflix-Special „Growing“ eine klare Antwort: Auf jeden Fall derbe Witze über Schwangerschaft machen!

          Sexgelüste und Erbrechen

          Ob es um Alkohol- und Sexgelüste oder ständiges Erbrechen (Schumer leidet an Hypermemis gravidarum) bis zum Krankenhausaufenthalt geht, um schlechte Ratschläge von zweifelhaften Freunden oder Körperdeformationen: Schumer lässt alles anbrennen. Der weibliche Körper – ihr weiblicher Körper – mit all seinen Eigenschaften steht im Mittelpunkt des einstündigen Bühnenprogramms. Die erste Begegnung mit dem „Busch“ ihrer Mutter mimt Schumer als Dschungelexpedition – und macht den Millennials im Publikum damit klar, dass sie gar nicht erst von ihnen erwartet, zu wissen, was das sei: Schambehaarung.

          Superstar unter den Komödiantinnen: Amy Schumer

          Dann wieder fragt sich Schumer, wie es wohl aussehen würde, wenn Frauen mit ihrer Menstruation ähnlich explizit umgehen würden wie Männer mit ihrem Penis (wenn sie diese, Stichwort „Dick Pics“, etwa fotografieren). Wegen solcher Zoten – die Schumer unverhohlen abliefert – bescheinigt der britische „Guardian“ ihr, noch immer der „Daddy of Carnal Humour“ zu sein: der Vater des fleischlichen Humors.

          Ein Humor, der sich auf die körperlichen oder sexuellen, immer aber privaten Erlebnisse derjenigen verlässt, die darüber lachen sollen und die in erster Linie eines wollen: einmal ungeniert über ihre eigene moralische Fehlbarkeit lachen. Bislang scheint dieser Humor tatsächlich eher „Daddys“ als „Mommys“ gehabt zu haben, seit Beginn ihrer Karriere hat sich Schumer nämlich in eine bestimmte Tradition männlicher Comedians eingereiht: Ob Richard Pryor, Bill Hicks, Dave Chappelle, George Carlin oder Ricky Gervais, sie alle spielen als Stand-up-Comedians mit dem, was zwar viele erleben, aber nie aussprechen würden.

          Mit Tabuthemen zum Lacher

          Einer der Wegbereiter dieser Tradition – und des modernen Stand-ups überhaupt – taucht auch immer wieder in „The Marvellous Mrs. Maisel“ auf: Lenny Bruce. Der machte sich damit einen Namen, „obszön“ zu sein, indem er das Publikum mit Tabuthemen zum Lachen brachte – in gar schüchterner Körpersprache, aber dafür mit umso schockierenderen Ausdrücken, jedenfalls für die damalige Zeit. Ein zweischneidiges Schwert, das da geschmiedet wurde: Damals zerschlug es, im Sinne der Redefreiheit, viele Konventionen. Bis heute aber wirkt das darin eingefaltete männliche Anrecht auf eine derbe Ausdrucksweise und die eigene Lüsternheit nach.

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