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Trump in Amerikas Medien : Wer zuletzt schreit, schreit am besten

  • -Aktualisiert am

Sie funken auf einer Welle: Der Fox-News-Moderator Sean Hannity (links) und Trumps Sprecher Sean Spicer. Bild: AFP

Seit Donald Trump im Weißen Haus sitzt, tun sich konservative Medien schwer. Die Linke hat Zulauf, weil sie den aggressiven Stil von Fox News und „Breitbart“ kopiert. Die Kakophonie ist perfekt.

          Es ist wenige Monate her, da waren der Sender Fox News und die Website Breitbart die Könige der amerikanischen Nachrichten-Landschaft. Fox News, seit Jahrzehnten Sprachrohr der Republikaner, verzeichnete Quotenrekorde, Breitbart landete auf Rang 29 der meistbesuchten Seiten im Netz, vor der „Washington Post“ und der „Huffington Post“. Als der Breitbart-Chef Steve Bannon, der die amerikanischen Medien zum Feind erklärt hatte, zuerst zu Donald Trumps Wahlkampfberater und dann zum Chefstrategen des Präsidenten berufen wurde, deutete alles darauf hin, dass die Regierung Trump nicht nur in beiden Häusern des Kongresses über eine Mehrheit verfügte, sondern auch in den Medien den Ton angäbe.

          Doch es kam anders. Vier Monate nach Trumps Amtsantritt sind Breitbart und Fox News auf dem absteigenden Ast. Solange sie auf Angriff schalten konnten, also vor allem während des vergangenen Wahlkampfs, waren die konservativen Medien obenauf, jetzt tun sie sich mit der Verteidigung von Trumps fortwährenden Kapriolen schwer. Die Zuschauer wandern zur liberalen Konkurrenz ab, die besonders erfolgreich ist, wenn sie in exakt jenem Stil arbeitet, den Breitbart und Fox News etabliert haben: aggressiver Daueranklage.

          Anfang Mai war Breitbart auf Platz 281 der meistbesuchten Websites abgerutscht. Fox News fand sich in der Woche, in der Donald Trump den FBI-Chef James Comey entließ, erstmals seit siebzehn Jahren in der Gunst der fünfundzwanzig- bis vierundfünfzigjährigen Zuschauer auf dem dritten Platz der Nachrichtensender wieder, hinter CNN und MSNBC. Es war auch die Woche, in der sich der Fox-News-Talker Sean Hannity mit einer Verschwörungstheorie über den Tod eines Mitarbeiters der Demokratischen Partei derart unmöglich machte, dass mehrere Firmen Werbespots im Umfeld der Sendung zurückzogen und gemutmaßt wurde, Hannity habe sich um Kopf und Kragen und Job geredet.

          Sean Hannity ist freilich der letzte Moderator von einiger Prominenz, der Fox News geblieben ist. Die Moderatorin Megyn Kelly ist zu NBC abgewandert, Bill O’Reilly musste nach Vorwürfen sexueller Belästigung seinen Hut nehmen. Hannity ist ein ultrakonservativer Trump-Anhänger. Die Russland-Verbindungen des Präsidenten stellte er mit der Annahme in Frage, die Enthüllungsplattform Wikileaks sei nicht über die Russen an das Konvolut mit 44 000 E-Mails von Hillary Clinton und ihrem Stab gekommen, sondern über einen Mitarbeiter der Demokraten namens Seth Rich, des deshalb im vergangenen Juli von Handlangern der Clintons ermordet worden sei. Fox News hatte zuvor eine ähnliche, online veröffentlichte Geschichte zurückgezogen; Hannity aber insistiert, was auch bei Konservativen für Unmut sorgte.

          Hält gern emotionale Monologe: die Moderatorin Rachel Maddow in der Late-Night-Show von Seth Meyers.

          Der Radiotalker Steve Deace meinte, Hannity habe sich sein eigenes Grab geschaufelt. Doch so weit ist es noch nicht. Nach einem verlängerten Wochenende kehrte Sean Hannity jetzt auf den Bildschirm bei Fox News zurück und sagte, er mache bei der Aufklärung des Mordes an Seth Rich große Fortschritte und werde dazu berichten, wenn Ergebnisse vorlägen. Den Wikileaks-Chef Julien Assange hat Hannity dabei auf seiner Seite. Die Clinton-E-Mails seien nicht aus Russland gekommen, sondern von Seth Rich, sagte Assange.

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