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Betrugsfall Claas Relotius : Amerika will Auskunft zu Fälschungen beim „Spiegel“

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Der amerikanische Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, während eines Interviews im August in Berllin Bild: AP

Im Fall des „Spiegel“-Fälschers Claas Relotius hat sich der amerikanische Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, mit der Forderung nach einer Untersuchung zu Wort gemeldet. Der „Spiegel“ reagiert mit einem offenen Brief.

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          Der amerikanische Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat sich wegen des Betrugsfalls beim „Spiegel“ besorgt gezeigt und eine unabhängige Untersuchung gefordert. Die Enthüllungen „bereiten der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika große Sorgen“, teilte der Vertreter des amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Deutschland in einer am Freitagabend verbreiteten Erklärung mit, die Sie hier abrufen können. Dies sei vor allem deshalb der Fall, weil es in einigen dieser gefälschten Berichte um amerikanische Politik und bestimmte Teile der amerikanischen Bevölkerung gegangen sei.

          „US-Botschafter Richard Grenell hat diese Bedenken heute in einem Brief an die „Spiegel“-Chefredaktion dargelegt und eine unabhängige und transparente Untersuchung der Angelegenheit erbeten“, heißt es in der Mitteilung der Botschaft weiter. Ein Sprecher bestätigte auf Anfrage die Authentizität der Erklärung. Der stellvertretende Chefredakteur des „Spiegel“, Dirk Kubjuweit, reagierte bereits auf das Schreiben und entschuldigte sich darin explizit bei allen amerikanischen Bürgern, die durch Claas Relotius' Reportagen „beleidigt und verunglimpft wurden“. Sicherheits- und Kontrollsysteme hätten versagt.

          Gleichzeitig distanzierte er sich vom Vorwurf eines institutionalisierten Anti-Amerikanismus beim Nachrichtenmagazin. Kritik an der Politik „des Mannes im Weißen Haus“ sei nicht mit institutioneller Voreingenommenheit gegenüber den Vereinigten Staaten zu verwechseln.

          Der „Spiegel“-Redakteur Relotius hatte, wie das Magazin selbst offenlegte, in großem Umfang Geschichten gefälscht und Protagonisten erfunden. Sechzig Texte sollen betroffen sein, das Magazin macht die Enthüllung in eigener Sache zur Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe. Als freier Journalist hatte Relotius zuvor für viele verschiedene Zeitungen geschrieben (drei Texte von ihm erschienen in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, sie werden jetzt noch einmal überprüft).

          Grenell ist ein Vertrauter Trumps und gilt als wichtigster Botschafter des Präsidenten in Europa. Trump unterstellt Medien immer wieder die Verbreitung von „Fake News“. Ihm selbst wird von Kritikern freilich ebenfalls vorgeworfen, es nicht so genau mit der Wahrheit zu nehmen: Nach einer Statistik der „Washington Post“ hat er in den ersten 649 Tagen seiner Amtszeit 6420 falsche oder irreführende Behauptungen aufgestellt – im Schnitt fast zehn pro Tag.

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