https://www.faz.net/-gqz-8e600

Video on demand : So lehrt Amazon Hollywood das Fürchten

  • -Aktualisiert am

Das alte Hollywood hat es schwer, mit den digitalen Konkurrenten Schritt zu halten. Ist das das Ende der großen Filmstudios? Bild: AFP

Woody Allen, Spike Lee, Adam Sandler: Amazon und Netflix legen viel Geld auf den Tisch, um große Namen zu ködern. Damit machen sie Kino-Verleihern und Fernsehsendern das Geschäft kaputt.

          2 Min.

          Fünfzehn Millionen Dollar will der Online-Händler für die Rechte an Woody Allens nächsten Kinofilm zahlen, in dem Kristen Stewart und Steve Carell auftreten. Allens langjähriger Verleihpartner Sony Pictures Classics hatte für die Komödie „Irrational Man“ fünf Millionen Dollar auf den Tisch gelegt. Der Fall zeigt exemplarisch, wie weit es Amazon und Netflix in kurzer Zeit im Unterhaltungsgeschäft gebracht haben – und mit welchen Mitteln.

          Seit 2010 leistet sich Amazon Filmstudios, Netflix startete 2007 sein Streaming-Angebot und nahm 2011 Eigenproduktionen auf. Die Konzerne versprechen Kreativen künstlerische Freiheit und locken mit finanziellen Anreizen, die jene der traditionellen Anbieter weit übertreffen. Woody Allen arbeitet für Amazon auch an seiner ersten Fernsehserie, und der Konzern produzierte Spike Lees Film „Chi-Raq“. Netflix nahm Adam Sandler und Judd Apatow unter Vertrag und präsentierte mit „Beasts of No Nation“ einen vielfach prämierten Kriegsfilm.

          Vom Ersatz-Fernsehen zum Kino-Konkurrenten

          Was Netflix und Amazon wollen und wie viel sie dafür zu zahlen bereit sind, zeigten sie im Januar beim Sundance-Filmfestival. Zwölf Filme erwarben die Netzkonzerne, die 2015 noch mit nur jeweils einem Film heimgefahren waren. Heute treiben sie die Preise. Mit einem Gebot von zehn Millionen Dollar stach Amazon alle anderen Interessenten an Kenneth Lonergans Drama „Manchester By The Sea“ aus, dem Publikumsfavoriten des Festivals. Netflix kaufte für sieben Millionen Dollar „The Fundamentals of Caring“. Gar zwanzig Millionen Dollar soll der Streaming-Dienst für das Sklaverei-Drama „Birth of a Nation“ geboten haben, das für 17,5 Millionen Dollar dann doch an den Verleih Fox Searchlight ging. Zwei Jahre zuvor lag das Höchstgebot in Sundance bei 3,5 Millionen Dollar; so viel zahlte der Verleih Roadside Attractions für „The Skeleton Twins“.

          War Sony Pictures fünf Millionen Dollar wert: Woody Allens „Irrational Man“. Damit kommt man heute nicht mehr weit. Bilderstrecke
          War Sony Pictures fünf Millionen Dollar wert: Woody Allens „Irrational Man“. Damit kommt man heute nicht mehr weit. :

          Dass Netflix bei „Birth of a Nation“ das Nachsehen hatte, mag noch damit zusammenhängen, dass die Netzkonzerne bislang vor allem einen Ruf als Ersatzfernsehen und nicht als Kino-Ersatz haben. Doch das könnte sich ändern. Mit ihren Sundance-Käufen könnten sie 2017 ins Rennen um die Oscars einsteigen. Und der klassische Kinovertrieb könnte bald ganz das Nachsehen haben.

          Auch klassische Studios bieten nun auf Streamingrechte

          Netflix sicherte sich in Sundance zwar nur die Streaming-Rechte und ließ den Produzenten die Option, die Kinorechte separat zu verkaufen – allerdings für einen Kinostart nach der Online-Ausstrahlung. Amazon dagegen sicherte sich auch die Kinorechte und will die Filme erst auf der Leinwand, dann online zeigen. Studios wie Universal und Paramount bieten nun ebenfalls auf Streamingrechte von Filmen, um nicht als Zweitverwerter dazustehen. Sie müssen sich auf einen harten Bieterwettstreit einstellen. Vor wenigen Wochen hat Netflix-Programmchef Ted Sarandos ein Investitionsvolumen von sechs Milliarden Dollar für 2016 angekündigt.

          Das fließt in Filme wie in Serien, von denen Netflix pro Quartal mehrere startet. Die jüngste Ankündigung lautet, dass mit „Perfect Bones“ die erste Anime-Serie des Dienstes entsteht. Der achtet dabei auch tunlichst darauf, dass nur die Kunden das Angebot zu sehen bekommen, die es auch sehen sollen. Wer das sogenannte „Geoblocking“ umgeht, sich also etwa von Europa aus auf das umfangreiche Programm von Netflix in den Vereinigten Staaten aufschaltet, schaut in die Röhre. Das allerdings hat ausnahmsweise mit Ausstrahlungsrechten zu tun, die Netflix in den betreffenden Ländern nicht hat.

          Weitere Themen

          Das Tabu berühren

          Suizid-Ausstellung in Kassel : Das Tabu berühren

          Das Kasseler Museum für Sepulkralkultur zeigt eine behutsame Kunstausstellung zum Suizid. Sie räumt mit Mythen auf und fragt nach dem Schicksal der Hinterbliebenen.

          Topmeldungen

          Olaf Scholz spricht vergangenen Samstag in München.

          Wahlkampf : Scholz nennt konkrete Zahl für Steuererhöhung

          Erstmals beziffert der SPD-Spitzenkandidat, wie hoch der Spitzensteuersatz unter ihm als Kanzler steigen könnte. Im Gegenzug macht er unter anderem einen Mindestlohn von 12 Euro zur Bedingung für jede Koalition.
          Zum Auftakt der Aktionswoche erhält eine Oberschülerin in Berlin vergangenen Montag eine Corona-Impfung.

          RKI-Zahlen : Inzidenz sinkt den sechsten Tag in Folge

          70,5 beträgt die Corona-Inzidenz aktuell – und ist weiter im Rückgang. Gesundheitsminister Spahn zieht eine positive Bilanz der Impf-Aktionswoche, und laut Umfrage stoßen 2G-Regeln bei den meisten Deutschen auf Zustimmung.
          Die Angeklagten im Terrorprozess in Paris

          Terrorprozess in Paris : Das Bataclan-Trauma

          Der Terrorprozess in Paris ist nicht nur eine französische Sache. Er betrifft ganz Europa. Denn es geht um die Verteidigung der europäischen Lebensweise.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.