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Serie „Deutschland 83“ : Der Kalte Krieg wechselt zu Amazon

Gehen neue Wege: Martin Rauch (Jonas Nay, links) und seine Kollegen von „Deutschland 83“ werden das amerikanische Publikum per Streamingdienst kennenlernen. Bild: UFA

Für den Sender RTL war die Serie „Deutschland 83“ ein Flop. Dennoch wird sie fortgesetzt – dank Amazon. So eröffnen sich Produzenten neue Chancen. Erleben wir eine Wachablösung im Fernsehen?

          4 Min.

          Die Serie „Deutschland 83“ wird fortgesetzt. Das ist schon einmal erstaunlich. Sie kam international gut an, bei der heimischen Kritik leidlich, bescherte dem Sender RTL aber schwache Einschaltquoten. Trotzdem kehrt sie wieder. Sie heißt jetzt „Deutschland 86“, und wird, womit wir beim noch Erstaunlicheren wären, produziert von der Ufa für – Amazon und RTL. Im kommenden Jahr wird gedreht, 2018 folgt die Ausstrahlung bei Amazon in der Weise, die Nutzer kennen: Es gibt alles auf einmal zu sehen. Als Vorgeschmack bekommen die Amazon-Kunden von sofort an die erste Staffel von „Deutschland 83“ präsentiert, die bei RTL lief. Bei RTL läuft im übernächsten Jahr „Deutschland 86“ ebenfalls, aber erst nachdem Amazon Prime seine Kunden damit versorgt hat: So trifft sich das Plattform-Fernsehen mit dem linearen Fernsehen. Die bestehenden Verhältnisse werden umgekehrt: erst online, dann im Fernsehen, mittendrin der Produzent. Kein Wunder, dass der Ufa-Chef Nico Hofmann von einem „Game Changer“ spricht.

          Amazon möchte nicht nur amerikanische Serien

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Er hatte nach dem Ende der ersten Staffel von „Deutschland 83“ gewärtigen müssen, dass man bei RTL von der Serie zwar angetan war, aber mit dem Publikumszuspruch von weniger als zwei Millionen Zuschauern nicht zufrieden sein konnte. Auf diesem Niveau kann ein Privatsender ein solches Programm nicht durch Werbung refinanzieren. Es dauerte mit der Entscheidung, ob es weiterginge oder nicht, da tauchte ein Dritter im Bunde auf: Amazon. Der Online-Versandhändler produziert schon seit einiger Zeit Serien und ist auf der Suche nach Programm, das nicht allein aus den Vereinigten Staaten kommt, sondern von dort, wo Amazon um Kunden buhlt. Oder wie es Christoph Schneider, Geschäftsführer von Amazon Video Deutschland sagt: „Deutsche Serien und Filme haben für unsere Kunden einen hohen Stellenwert. Wir freuen uns, unser Engagement in der deutschen Produktionslandschaft weiter auszubauen“ und den „Kunden großartige neue Inhalte bieten zu können.“

          Arbeiten an der Zukunft: Cécile Frot-Coutaz und Nico Hofmann.
          Arbeiten an der Zukunft: Cécile Frot-Coutaz und Nico Hofmann. : Bild: UFA

          Großartig ist das selbstverständlich für den Produzenten Nico Hofmann, der in der Zusammenarbeit zwischen Amazon, RTL, der Fremantle Media, in der die Produktionstöchter des Bertelsmann-Konzerns gebündelt sind, und seiner Ufa einen „Meilenstein in der Geschichte der Koproduktionen“, sieht, „der auf Jahre hinaus die Standards neu definiert“. Man habe nun neue Finanzierungspartner und das sei nicht nur für seine Firma, die Ufa, sondern für den europäischen Markt entscheidend: „Wir haben unsere Inhalte in der Hand und sind nicht bloß ausführende Produzenten. Wir können von Deutschland aus die Finanzierung für eine europäische Produktion stemmen, die auf dem Weltmarkt konkurriert. Wenn so etwas Schule macht, müssen wir nicht mehr bei Hollywood anklopfen. Die Amerikaner suchen vielmehr Partner für Koproduktionen und – überlassen uns das Zepter.“

          Darauf hat sich auch die in London ansässige Fremantle Media eingestellt, wie deren Vorstandsvorsitzende Cécile Frot-Coutaz sagt. In den vergangenen fünfzehn Jahren habe man vor allem internationale Shows und Unterhaltungsfernsehen produziert, sei seien der „Motor des Erfolgs“, doch habe man das Portfolio erweitert. Jetzt liege ein zusätzlicher Schwerpunkt auf digitale Plattformen und Nischenkanälen und auf „premium scripted shows“, auf fiktionalen Stoffen für ein „breites, internationales Publikum“. Dabei ändere sich in der Finanzierung einiges: „Früher ging es darum, mit einem Programm bei einem Sender ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Das bestimmte auch den Inhalt und die Erzählweise. Heute reicht es, ein kleineres Publikum zu erreichen, das von dem Programm durch und durch überzeugt ist und ihm mit Hingabe folgt. Das ist für Produzenten sehr erfreulich, da es ihnen erlaubt, andere Inhalte als bisher zu kreieren.“ Insofern könne man von einem „Game Change“ sprechen, auf der bevorstehenden Fernsehmesse MIP in Cannes werde sich das auch zeigen. Die Plattformen eröffneten Produzenten Möglichkeiten, „Event-Programme“ zu schaffen – in der Fiktion und bei den großen Shows. Die Amerikaner zeigten seit langem, wie man Serien und Filme für den Weltmarkt produziert. „Solche Geschichten werden vermehrt auch aus Europa kommen, vorausgesetzt, sie haben internationale Bedeutung.“

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