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Amazon-Serie „Pennyworth“ : Nur die Queen hat ihm etwas zu sagen

  • -Aktualisiert am

Eigentlich wünscht er sich ein bürgerliches Familienleben: Alfred Pennyworth (Jack Bannon) Bild: Liam Daniel/Epix

Noch nicht im Dienste seiner Fledermaus: Die Serie „Pennyworth“ zeigt die Vorgeschichte von Batmans Butler, als er noch sein eigener Herr war.

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          Die Bemühungen von Produzenten, Geschichten zu entwickeln, zu denen der Zuschauer schon ein emotionales Verhältnis hat, bevor er die ersten Bilder sieht, nehmen kein Ende. Läuft etwas gut, lassen Ableger nicht lange auf sich warten. Praktisch, wenn man aus einem schier endlosen Pool an Figuren schöpfen kann, wie ihn die Comic-Universen von Marvel und DC Comics bieten.

          Um ein paar aktuelle Beispiele aus dem direkten Dunstkreis des wohl beliebtesten DC-Helden, Bruce Wayne alias Batman, zu nennen: Im Kino treibt gerade sein größter Feind, der Joker, sein Unwesen. Dessen Geliebte, Harley Quinn, folgt in „Birds of Prey“ im kommenden Februar. Im Fernsehen ist in den Vereinigten Staaten eine Batwoman-Serie gestartet, „Gotham“ ging im Frühjahr nach fünf Staffeln zu Ende. Die Entscheidung, James Gordon, Batmans Verbündeten bei der Polizei, zum Helden einer eigenen Serie zu machen, war so unorthodox wie erfolgreich.

          Ein Draufgänger Mitte zwanzig

          Jetzt lehnt sich das Drehbuch-Regie-Duo Bruno Heller und Danny Cannon noch weiter aus dem Fenster und ernennt Alfred Pennyworth zum Titelhelden. Wer nun Bilder von Michael Caine oder Michael Gough im Kopf hat, die Batmans Butler in bisherigen Verfilmungen gespielt haben, muss allerdings umdenken. Denn in „Pennyworth“ ist Alfred noch lange nicht der weise alte Diener, der seinem Fledermaus-Schützling stets die haarsträubendsten Pläne auszureden versucht. Ganz im Gegenteil: „Alfie“ (Jack Bannon) ist hier selbst noch ein Draufgänger Mitte zwanzig, der sich von niemandem außer der Queen persönlich etwas sagen lässt.

          Zehn Jahre als Soldat haben ihm gereicht und in Form von ständigen Albträumen ihre Spuren hinterlassen. Jetzt will Alfred keine Befehle mehr annehmen und plant, mit seinen ehemaligen Kameraden Bazza (Hainsley Lloyd Bennett) und Dave Boy (Ryan Fletcher) ein Sicherheitsunternehmen aufzuziehen. Bis das anläuft, verdingt er sich als Türsteher in einem Nachtclub, wo ihm Thomas Wayne, der später mal Batmans Vater werden wird, seine Karte zusteckt. Viel interessanter findet Alfred an diesem Abend aber die Tänzerin Esme (Emma Corrin), eine junge Frau aus gutem Hause, die Geld braucht, weil ihr Vater ihre Schauspiel-Aspirationen nicht unterstützen will. Gänzlich unverlegen bittet Alfred um einen Spaziergang im Park, und bald wünscht sich der junge Veteran nichts sehnlicher als ein bürgerliches Familienleben mit Esme an seiner Seite.

          Hinrichtungen vor jubelndem Publikum

          Seine Berufswahl passt dazu eher weniger, wird er doch schon bei seinem ersten Engagement (wider Willen) in die Machenschaften der sogenannten Raven Society verwickelt, einer faschistischen Untergrund-Organisation, die den „weichherzigen, liberalen Idealisten“ im Land den Kampf angesagt hat.

          Wo diese Idealisten zu finden sind, bleibt allerdings schleierhaft, schaut man sich um in diesem fiktiven, mit Steampunk-Elementen gespickten London der sechziger Jahre, wo Hinrichtungen vor jubelndem Publikum vollstreckt und im Fernsehen übertragen werden. Überall in der Stadt hängen Verbrecher am Pranger, den (meist üblen) Launen des Volkes ausgesetzt, im Staatsapparat wütet Korruption. Politik ist Alfreds Sache allerdings nicht, nach Jahren im Dienste seiner Majestät will er sich jetzt vor allem um sein Privatleben kümmern. Von dieser Hoffnung muss er sich endgültig verabschieden, als Martha Kane in sein Leben tritt, Gegnerin der Faschisten und Batmans zukünftige Mutter, die sich um Alfreds Anti-Waffen-Klausel wenig schert.

          Tanzt, will aber eigentlich Schauspielerin sein: Esme (Emma Corrin)

          Es sind vor allem Bruce Waynes Eltern, die immer wieder daran erinnern, um wen es sich bei diesem gutaussehenden, in jeder Hinsicht schlagfertigen Helden tatsächlich handelt, und doch bleibt der geistige Transfer zum alten Butler nie lange präsent. Das ist zu begrüßen, sparen sich die Macher doch übermäßige Anspielungen auf Hintergründe aus anderen Medien, die in so vielen Ableger-Serien und -Filmen verhindern, dass eine Geschichte zu sich selbst findet.

          Ähnlich wie in der „Breaking Bad“-Vorgeschichte „Better Call Saul“ gelingt es hier, eine ganz eigene Erzählung zu entwickeln, die mit ihrer Mutter-Marke nicht viel mehr zu tun hat, als dass deren Fans ihretwegen einschalten. Das ist im aktuellen Serienwust viel wert, gleichwohl kann man sich als Zuschauer davon durchaus gegängelt fühlen. „Pennyworth“ versöhnt aber schnell wieder, mit einem charismatischen Protagonisten, der das Zeug zur britischen Kult-Figur mitbringt, großartigen Nebenfiguren, über die man dringend mehr erfahren möchte, und einem originellen Erzählstil zwischen der neuen Sherlock-Holmes-Serie, älteren James-Bond-Filmen und der Kingsman-Reihe. Um sein Publikum zu finden, mag dieser Alfred Pennyworth noch im Dienste der Fledermaus stehen. Abgesehen davon, ist er ganz und gar sein eigener Herr.

          Pennyworth ist von heute an bei Starzplay auf Amazon Prime verfügbar.

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