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Amazon macht Fernsehen : Mister Bezos geht einkaufen

Jeff Bezos, Gründer und Präsident von Amazon, setzt auf Wachstum. Und wo Amazon wächst, geht die Saat von Konkurrenten bald nicht mehr auf Bild: AFP

Den Buchmarkt hat der Online-Händler Amazon längst überrollt. Jetzt ist das Fernsehen dran. Es weiß nur noch nicht, wie ihm geschieht. Derweil glauben alle, von diesem Vorstoß zu profitieren.

          5 Min.

          Für einen Onlinekonzern ist die Handlung der Serie „Betas“ naheliegend: Vier Computer-„Geeks“ suchen die ultimative Applikation. Sie werden wohl, wie man bei einer Komödie dieser Art annehmen und der Ankündigung mutmaßend entnehmen darf, vor allem über Frauen und Bier reden. Doch ihr Ziel ist klar. Berühmt und reich wollen sie werden wie Apples Steve Jobs, wie Bill Gates mit Microsoft und Mark Zuckerberg mit Facebook. Oder wie Jeff Bezos von Amazon. Die „Betas“ wollen Alphas werden.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Online-Handelsfirma Amazon, die „Betas“ produziert, ist eine Alpha-Veranstaltung. Sie hat bekanntlich in allen Märkten, auf denen sie auftritt, die Spielregeln zu ihren Gunsten verändert, von A wie Alpha-Vermarktung bis O wie Omega-ohne-Buchpreisbindung. Sie drückt Gehälter und Preise, reduziert Liefertermine auf ein Minimum und schaltet alle aus, die auf dem Weg zum Kunden bislang eine Rolle spielten.

          Ausweitung auf Fernsehen

          Die Konsumenten werden derweil als Rezensenten produktive Mitarbeiter und tragen durch ihre permanente Notengebung für alles und jeden zur Wertsteigerung des Unternehmens bei. Einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar hat Amazon im ersten Quartal dieses Jahres gemacht, im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung von zweiundzwanzig Prozent. Der Gewinn lag bei 82 Millionen Dollar. Das zeigt: Amazon setzt auf Wachstum und investiert auf Teufel komm raus.

          Den Buchmarkt sowie den Musik- und Videohandel hat das Unternehmen schon untergepflügt. Jetzt ist das Fernsehen dran. Das eine blieb nicht unbemerkt, vor allem ob seines monopolistischen Ausmaßes, das andere vollzog sich bislang eher im Stillen, geht aber in seiner Zielsetzung noch weiter: Amazon produziert jetzt auch selbst. Den Vertrieb macht der Konzern selbstverständlich auch.

          Einschaltquote als einziger Maßstab

          Seit 2009 arbeiten die Amazon Studios an Serien fürs Online-Fernsehen, vierzehn Pilotstücke sollen bald fertig sein und in den Online-Videotheken Amazon Prime und Lovefilm vorgestellt werden. Von den vierzehn Pilotfilmen im Halbstundenformat fallen acht unter die Kategorie Comedy, sechs sind für Kinder gedacht - Brot und Spiele für alle, vor allem für den Nachwuchs. Aus der Untotenkomödie „Zombieland“ will Amazon zum Beispiel eine Serie machen. Die beteiligten Produzenten und Autoren sind voll des Lobes über die Freiheit, die Amazon ihnen lasse.

          Die allerdings endet, wenn die Zuschauer ihr Urteil fällen. Von deren Reaktion ganz allein will Amazon abhängig machen, ob ein Stück wirklich in Serie geht. Der das herkömmliche Fernsehen dominierende Blick auf die Einschaltquote wird verabsolutiert: Trifft das Faible des Einzelnen nicht den Geschmack der Masse, ist Schluss mit lustig. So läuft das Geschäft.

          Keine Kritik erwünscht

          Die Branche müsste das eigentlich in Wallung bringen. Denn wo Amazon einsteigt, ist über kurz oder lang nur noch Amazon drin. Tonnenweise Geld, kurze Entscheidungswege, kommerzielle Gewinnverabsolutierung - damit tritt der Handelskonzern an. Und damit kommt er an, zumindest bei den Produzenten. Das hat seinen Grund: Die Lage der Produzenten hierzulande ist mies. Es herrscht eine Auftragsflaute bei den privaten und eine schwergängige Projektverhinderungsbürokratie bei den öffentlich-rechtlichen Sendern - ein starres System.

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