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Fridtjof Küchemann, Redakteur im Feuilleton

Werbung in Alexas Antworten : Guter Tipp, schlechter Tipp

Wie wäre es mit einem zweiten Übertopf aus meinem Sortiment? Wer über Echo-Lautsprecher mit Amazons Alexa kommuniziert, bekommt demnächst in Amerika Werbebotschaften zu hören. Bild: picture alliance/dpa/dpa-tmn

Eine neue Funktion soll Alexa-Nutzern auf allgemeine Fragen mit Produktempfehlungen antworten, die direkt vom Produzenten kommen. Die Vorstellung Amazons hat mehr als eine Schwachstelle.

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          Amazon meint es nur gut. Selbst wenn der Konzern verkündet, von Mitte kommenden Jahres an Werbebotschaften als Antworten auf Fragen anzubieten, die Alexa-Nutzer ihren digitalen Sprachassistenten stellen, geht es ihm um nichts weniger als Anerkennung. „Amazon“, sagte Rajiv Mehta, Hauptgeschäftsführer von Alexa Shopping, vergangene Woche bei Amazons „Accelerate“-Konferenz in Seattle, „Amazon erkennt Marken als Experten für ihre Produkte an.“ Wer wollte Marken das auch absprechen? Wer wollte ernstlich behaupten, Produzenten kennten sich nicht aus mit dem, was sie anbieten?

          Wenn sich also – dieses Beispiel stammt aus der Präsentation des Managers – jemand auf „amazon.com“ nach Reinigungsmitteln umgesehen hat und danach seine Alexa fragt, wie er verdammt noch mal Tierhaare von seinem Teppich entfernen kann, ist doch eigentlich nichts dabei, wenn die Antwort von einem Markenproduzenten für Reinigungsmittel kommt. Selbstverständlich nur von einem, der in Amazons Markenregister eingetragen ist und dessen Antwort die Inhaltemoderation und Qualitätssicherung von Alexa durchlaufen hat. Dann aber gern auch mit direktem Verweis auf das Produkt, dessen Gebrauch der Hersteller emp­fiehlt.

          „Mit dieser neuen Funktion“, so Rajiv Mehta, „haben wir es Marken einfacher gemacht, mit Kunden in Kontakt zu treten, um häufige Fragen zu beantworten und sie bei ihren Kaufentscheidungen besser zu informieren.“ Amazon beeilt sich klarzustellen, dass die beteiligten Marken für ihre Antworten weder bezahlt noch gesponsert werden. Diese Be­teuerung geht am Kern dessen vorbei, was man gegen diese neue Funktion einwenden könnte: Dass die be­teiligten Firmen leer ausgehen oder ausgenutzt werden, steht wohl nicht zu befürchten.

          Wann wird ein Problem zu einer Verkaufsentscheidung?

          Ob und wie diese Werbeeinspielung – oder genauer gesagt: die Werbebotschaft, mit derselben Stimme, die der Nutzer für seinen gesamten Alexa-Betrieb ausgewählt hat – als Werbung kenntlich gemacht wird, hat Amazon noch nicht verkündet. Auch die Frage, welcher Botschaft der Vorzug gegeben wird, sollten gleich mehrere Unternehmen eine Lösung für das Problem mit den haarenden Haustieren im Angebot haben, harrt noch der Beantwortung. Aber das sind Verfahrensfragen, um die sich Verbraucherschützer und Wettbewerbsrechtler kümmern sollen.

          Wann allerdings wird ein Problem oder ein Anliegen zu einer Verkaufsentscheidung? Wann ist es zulässig oder vielleicht sogar geboten, in einem Internetnutzer, der sich um seinen Teppich sorgt, nicht allein jemanden zu sehen, der einen guten Rat für ein lästiges Problem sucht, sondern ei­nen potentiellen Kunden? Im vorliegenden Fall: Wann erlaubt sich Alexa, der Werbebotschaft eines Reinigungsmittelherstellers den Vorrang zu geben vor einem hilfreichen Hinweis, der aller Wahrscheinlichkeit keine Konsumkonsequenzen nach sich zieht, auch wenn besagter Nutzer zuvor noch so verzweifelt nach Putzmitteln gesucht hat? Tierhaare auf Teppichen entfernt man am besten – mit einem Staubsauger.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

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