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Champions League bei Amazon : Schöne Bescherung

  • -Aktualisiert am

Die Übertragung von Fußballspielen spült viel Geld in die Kassen der großen Vereine. Bild: AP

Amazon hat die Rechte an der Champions League gekauft. Der Deutschlandchef Ralf Kleber glaubt, das sei nur im Sinne der Fans. Und er meint auch zu wissen, warum.

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          Die Nachricht schlug vor wenigen Tagen ein wie eine Bombe: Von der Saison 2021/2022 an wird Amazon sechzehn Champions-League-Spiele am Dienstag bis zum Finale zeigen. Dazn zeigt die Spiele am Mittwoch, und das ZDF darf als Trittbrettfahrer die Zusammenfassungen senden. Beim Weihnachtsstammtisch in München begründete der Deutschland-Chef vom Amazon, Ralf Kleber, die aus seiner Sicht naheliegende neue Spielfläche seines Unternehmens: Dank der Daten über Buch-, Ernährungs- und Kleidungsverkäufe wisse man, dass Sport ein wichtiges Thema sei. „In das Sport-Highlight Fußball haben wir uns mit dem Audiostream reingewagt, und nun wollen wir Stück für Stück herausfinden, was unsere Kunden wünschen.“ Der Champions-League-Vertrag, sagt Kleber, sei „optimal, weil wir nun drei Jahre Zeit haben, unseren Frieden zu machen.“

          Kritik an der Form des Streamens, das vielen Fans zuwider sei, lässt Kleber nicht gelten: „Echte Fußballfans haben schon immer im Netz geschaut, wo sie kostenlos ein Spiel streamen können oder bei Dazn geschaut.“ Ob die Champions League für Kunden von Amazon Prime kostenfrei sei oder ob dafür ein Extra-Betrag erhoben wird, mochte Kleber noch nicht sagen. „Dafür müssen wir noch ein paar Themen mit der Uefa klären, bevor wir uns aus dem Fenster lehnen.“ Für die Zuschauer, schwärmt Kleber, sei es „supereinfach und supergut“: „Der Mix aus Prime am Dienstag, Dazn am Mittwoch und ZDF im Free TV“ sei „so geil und so viel besser“ als das teure Angebot von Sky. Auch das könne den Fußballverband Uefa dazu bewogen haben, die Rechte an die drei Anbieter zu verkaufen: „Ich glaube, das war auch der Trigger für die Uefa, weil das jetzt einfacher und billiger ist als vorher.“

          Was Amazon allen anderen Sportrechtenutzern voraushabe, sei die Unabhängigkeit vom direkten Ertrag: „Wir müssen nicht mit dem Champions-League-Angebot selbst unser Geld verdienen, wir können es auch mit Popcorn, Bier oder wenn einer danach Schuhe kauft. Wir müssen nicht unser ganzes Gewicht auf dieses Asset legen. Die Champions League gibt uns mehr Engagement und mehr Manövrierfläche auf anderen Feldern.“ Vehement wehrt sich Kleber gegen den Vorwurf, Amazon sei ein Monopolist. Man verfechte die Vielfalt. „Ich glaube nicht an die Welt der alleinigen Gewinner, sondern die Vielfalt, die auch die Menschen heranführt, Dinge anders, einfacher, zu konsumieren.“

          Außerdem sei Amazon ja immer noch ein kleiner Fisch im großen Internet: „Wir pflegen unsere neuen Mitarbeiter damit zu schocken, dass wir sagen: Ihr glaubt, Amazon ist groß mit 300 Millionen Kunden? Im Internet sind fünf Milliarden Menschen unterwegs. 4,7 Milliarden davon nutzten uns nicht. Was machen wir also falsch? Die haben doch auch Kinder und Bedürfnisse.“ Um die akuten Bedürfnisse der deutschen Kunden kurz vor Weihnachten zu befriedigen, habe man überdies zusätzlich zu den 13 000 festen Mitarbeitern „leicht das Doppelte an Hilfen in den dreizehn Zentren eingestellt. Und die zwingt keiner, rote Mützen zu tragen oder wie ein Elf bei der Auslieferung zu lächeln.“

          Wo weitere Betätigungsfelder von Amazon liegen könnten, deutete Kleber auch an. So stelle man Rechner- und Speicherleistung für Interessenten zur Verfügung: „Der Deutsche Sportbund will mit einem Badmintonprogramm in zehn Jahren Weltmeister sein. In einer Sportart, in der wir bis jetzt noch nie etwas gerissen haben.“ Gemeinsam mit dem Textilhändler Zalando arbeite man an einem Algorithmus, „der genau vorhersagt wie viel Kleidungsstücke in welcher Größe du in der kommenden Saison vorrätig haben solltest“. Zudem beschäftige Amazon zunehmend Wissenschaftler in Deutschland, die zum Beispiel in Aachen dafür sorgten, „dass Alexa noch besser reden lernt“.

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