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Fridtjof Küchemann, Redakteur im Feuilleton

Sponsoring in Amerika : Amazon schult

Proteste von Beschäftigten vor einem Amazon-Logistikzentrum in San Bernardino Anfang Dezember 2019 Bild: Picture Alliance / Zumapress.com / Will Lester

Bei Los Angeles finanziert Amazon einen High-School-Kurs zum Thema Logistik. Eine Aufgabe für die Schüler: Wie, wenn nicht durch hohe Gehälter, Mitarbeiter zu motivieren wären. Wir hätten einen Vorschlag.

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          Vor dreißig Jahren waren es Zitrusfruchtplantagen, heute ist es der größte Versandhändler der Welt, der die als Inland Empire bekannten Landkreise östlich von Los Angeles prägt: Nicht weniger als vierzehn Logistikzentren hat Amazon in den vergangenen zehn Jahren in der Region eröffnet, dazu zwei Flughäfen. Mit mehr als vierzigtausend Beschäftigten – doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren – ist das Unternehmen der größte Arbeitgeber in der Region.

          Seit knapp drei Jahren prägt das Unternehmen auch einen Unterrichtsraum in einer High School in San Bernardino. Fünfzigtausend Dollar hatte Amazon gegeben, damit die Cajon High für ihre Schüler ein spezielles Ausbildungsprogramm einrichte kann, das sie auf eine Stelle in der Logistikbranche vorbereiten soll. Kein Einzel-, aber ein Sonderfall: Tausende Schulen in den Vereinigten Staaten nutzen das Programm Amazon Future Engineers, bei dem Logistikzentren des Unternehmens besucht werden und Firmenangehörige zu Gesprächen in die Klassen kommen. In der Cajon High dürften sie sich wie zu Hause fühlen: Die Schulleiterin trug bei der Eröffnung ein Polo-Shirt mit dem Amazon-Logo, der Unterrichtsraum ist in Gelb, der Signalfarbe des Unternehmens, gehalten, und seine Führungsprinzipien zieren die Wände: „Bias for Action“, „Learn and Be Curious“, „Deliver Results“.

          Amazon nehme keinerlei Einfluss auf den Unterricht, die Kurse seien von Lehrkräften entwickelt, betont eine Sprecherin des San Bernardino Unified School Districts auf Fragen des zum amerikanischen Online-Magazin Vice gehörenden Technik-Journals Motherboard. Die Themen, mit denen sich derzeit knapp hundert Schüler der Cajon High beschäftigen, erinnern dennoch stark an das, was Amazon umtreibt. „Managing Human Resources and Labor Relations“ heißt eine Einheit des Curriculums. Das Unternehmen ist berüchtigt für den Kampf gegen die gewerkschaftliche Organisation seiner Mitarbeiter.

          Eine der Schulaufgaben ist zu diskutieren, wie Mitarbeiter – abgesehen von großen Bonuszahlungen und hohen Löhnen – noch motiviert werden könnten. Gute Frage, immerhin sind einem Bericht aus dem Jahr 2019 zufolge 62 Prozent der bei Amazon Beschäftigten im Großraum Los Angeles in der einen oder anderen Form auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Vielleicht ja, indem ihnen endlich die Angst genommen wird, von der firmeninternen Überwachung gemeldet zu werden, wenn sie einmal überdurchschnittlich lang auf der Toilette sind?

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

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