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TV-Film über Alzheimer : Waren wir glücklich?

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Wie einst im Mai: Erika (Gisela Schneeberger) und Hartmut (Erwin Steinhauer) beim Tanz. Bild: ARD Degeto/Mona Film/Petro Domen

Erika erkennt ihren Mann Hartmut nicht mehr. Sie hält ihn für den Chauffeur, aber ins Heim geben würde er sie niemals. Die ARD erzählt in „Für Dich dreh ich die Zeit zurück“ eine zarte Liebesgeschichte.

          Filme, die von Krankheit handeln, sind immer ein Wagnis. Das ist auch bei der bei deutsch-österreichischen Produktion „Für Dich dreh ich die Zeit zurück“ so, die als kurzweiliger Film angelegt ist und doch von einer Alzheimer-Erkrankung erzählt – ein mit Ängsten verbundenes Thema, dem sich schon Kinostücke wie die Romanverfilmung „Wie ein einziger Tag“ mit Ryan Gosling, „Still Alice“ mit Julianne Moore, „Honig im Kopf“ mit Dieter Hallervorden oder auch der Emmy-gekrönte Fernsehfilm „Mein Vater“ mit Götz George gewidmet haben. Die alternde Gesellschaft lässt grüßen, die moderne Arbeitswelt und der überstrapazierte Sozialstaat winken dahinter.

          Die von Uli Brée und Klaus Pieber geschriebene Liebesgeschichte „Für Dich dreh ich die Zeit zurück“ kommt gleich auf den Punkt: Nicht nur in ihrer Küche, sondern auch in dem Auto, in dem Erika (Gisela Schneeberger) durch Wien kutschiert wird, hängen selbstklebende Zettel, die sie ans „Anschnallen“ oder das Fahrziel erinnern. Sie hält den Wagen trotzdem für ein Taxi und Hartmut (Erwin Steinhauer), den Mann am Steuer, für den Chauffeur: „Sie kommen mir bekannt vor“, sagt sie zu ihm, „auch wenn Sie mir nicht sympathisch sind.“

          Sohn Thomas (Simon Schwarz) sähe Erika (Gisela Schneeberger) lieber im Heim.

          Das ist eigentlich ein Schlag ins Gesicht. Denn Hartmut ist Erikas Gatte. Aber er versteht sich darauf, mit der rapide fortschreitenden Alzheimer-Erkrankung seiner Frau umzugehen. Er liebt sie, er pflegt sie. Er führt Erika in eine Musik-Bar, an der sie zu „Daddy Cool“ tanzen kann wie früher, hält sie auf dem Gehweg brav an der Hand. Wenn ihm die Ärzte sagen, dass die Frau, die er kannte, „nicht mehr existiert“, wenn sie ihm nüchtern empfehlen, Erika in professionelle Obhut zu geben und sich „in Würde“ von ihr zu verabschieden, schüttelt er knurrend den Kopf: „Was ist das? Ein Kalenderspruch von der Ärztekammer?“

          Der Umzug seiner Frau ins Heim, zu dem auch Sohn Thomas (Simon Schwarz) nachdrücklich rät, kommt für diesen Prachtkerl von Ehemann jedenfalls noch nicht in Frage. Das hier ist das Ende eines glücklichen Lebens, das gehört mit dazu. Und man muss nur zuhören, wie Hartmut beim Durchblättern vergilbender Alben die herrlichsten Zeiten beschwört, oder sehen, wie er Erikas Hände an sein Gesicht hält – dann versteht man, dass auch er die Vergangenheit ein wenig verklärt und die Nähe seiner Frau braucht. Egal wie. In den Szenen, in denen Gisela Schneeberger und Erwin Steinhauer ganz bei ihren Figuren sind, ist „Für Dich dreh ich die Zeit zurück“ ein sehr zarter Film.

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          Allerdings darf es in dieser Tragikomödie auf dem „Endlich Freitag“-Sendeplatz der ARD nicht allzu trübselig zugehen. Deshalb kreist sie um eine fixe Idee, auf die Hartmut nach der Lektüre eines Ratgeberbuchs verfällt: Weil Erika auf alte Lieder und Gegenstände mit jenem Lächeln reagiert, das ansonsten schwindet, richtet Hartmut das rosafarbene Häuschen im Stil der Vergangenheit ein; nach einer Weile streift er sich sogar eine Retro-Perücke über wie Peter Simonischek als Winfried Conradi in „Toni Erdmann“. Und deshalb ist, wie bei Freitagsfilmen üblich, ein gefälliger Soundtrack zu hören – „Dschingis Khan“, „Wish you were here“ und „Scarborough Fair“.

          Hier wird es beinahe zu grell, und der Familiengeheimnisse, die vor Erikas Eintauchen ins vollständige Vergessen zur Sprache kommen werden, sind es gleich zwei; bei der Auflösung schießt der Fernsehfilm mit Kanonen auf Spatzen.

          Aber der Regisseur Nils Willbrandt besitzt eine seltene Gabe: Er merkt, wenn er einen Regler zurückfahren muss. Die Story ist anrührend, aber selten rührselig. Sie ist manchmal komisch, gerät aber nicht zum Klamauk. Und in der Schlüsselszene am Ende, die hier nicht verraten werden soll, reichen seinen Hauptdarstellern einmal mehr kleine Gesten, um Befreiendes auszudrücken.

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