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Alfred Biolek : Meine Zeit ist jetzt zu Ende

  • Aktualisiert am

Bald erscheint Alfred Bioleks Biographie „Mein Leben“. Zudem startet im Oktober seine Bühnenshow. Im Interview spricht der 72 Jahre alte Moderator über Vergewaltigte bei Kerner, zwanzig Kochshows und den Zustand des Fernsehens im allgemeinen.

          5 Min.

          Am 28. September erscheint Alfred Bioleks Biograpghie „Mein Leben“. Zudem startet der 72jährige am 14. Oktober in Köln seine Bühnenshow „Mein Theater mit dem Fernsehen“. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht Biolek über Vergewaltigte bei Kerner, zwanzig Kochshows und überall dieselben Nasen.

          Am Donnerstag erscheint Ihre Biographie, „Mein Leben“. Machen Sie dafür die übliche Runde durch die Talkshows?

          Ich gehe zu Harald Schmidt, zu Giovanni di Lorenzo und zu Frank Elstner.

          2003 mit Harald Schmidt Bilderstrecke

          Nicht zu Kerner und Beckmann?

          Nein.

          Extra nicht?

          Nein.

          Weil das zu persönlich ist, was da abgefragt wird?

          Nein. Will ich nicht. Ohne Grund.

          Hätten Sie jemals ein dreizehnjähriges Vergewaltigungsopfer in Ihre Sendung eingeladen?

          Nein. Niemals. Niemals.

          Glauben Sie, daß man Menschen manchmal schützen muß vor ihrem eigenen Wunsch, an die Öffentlichkeit zu gehen?

          Bei mir war es sogar so, daß ich Gäste unterbrochen habe, wenn ich gemerkt habe, die vertrauen mir so, die fühlen sich so wohl, daß sie sich weiter geöffnet haben, als sie es im nachhinein hätten haben wollen. Wenn die an Grenzen gingen, wo ich dachte, oh oh, da werden die nachher sagen, mein Gott, das hätte ich mal besser nicht erzählt, habe ich zu einem anderen Thema übergelenkt.

          Weil die in dem Moment vergessen, daß ein Millionenpublikum zuhört?

          Ja, die mögen mich und sagen dann irgendwas, wo sie nachher sagen werden, oh Gott, was habe ich nur gemacht. Das wollte ich nicht. Ich wollte immer scharfe Grenzen ziehen. Das ist etwas, was mich heute an den Medien sehr irritiert: Es muß immer ein Hype sein. Ob das der Papst ist oder jemand, der acht Jahre gefangen war, ist eigentlich egal.

          Wenn man zu Kerner oder Beckmann geht, muß man wahrscheinlich etwas sehr Persönliches preisgeben, um sein Produkt zu verkaufen. Den Deal wollten Sie nicht eingehen?

          Weiß ich nicht, also darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Nein, ich gehe nur in Talkshows von Leuten, die ich sehr gut kenne.

          Sie haben immer davon profitiert, daß es Prominente gibt. Sind Sie da auf dem neuesten Stand, kennen Sie alle, die in den Talkshows sitzen?

          Nein. Ich gucke ja kein Fernsehen.

          Seit wann nicht mehr?

          Och, schon seit mehreren Jahren.

          Erinnern Sie sich an die letzte Sendung, die Sie gesehen haben, bei der Sie dann dachten, so, jetzt reicht's?

          Nein, nein, so war das nicht. Es liegt nicht nur an der Qualität des Fernsehens, daß ich nicht mehr gucke. Denn ich könnte ja Arte gucken, ich könnte 3Sat gucken, und manchmal, ganz selten, gucke ich morgens, wenn ich aufstehe, „Kulturzeit“ vom Abend vorher, das ist wirklich eine gute Sendung. Aber ich habe auch früher nicht viel geguckt, weil ich mich vor dem Fernseher schnell langweile, auch bei einer guten Sendung, weil ich nicht kommunizieren kann. Ich bin jemand, der nicht gerne allein ist und auch nicht gut alleine sein kann, und abends, genau in der Zeit, wo man eigentlich fernsieht, bin ich gerne unter Menschen. Ich brauche diese Kommunikation. Und wenn ich mal einen Abend alleine bin, lese ich lieber ein Buch. Aber ich bin natürlich kein Fernsehfeind, das wäre ja absurd, ich habe schließlich gelebt davon. Ich habe mich eben anders entwickelt.

          Sind Sie auf dem laufenden, was im Fernsehen passiert?

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