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Alfred Biolek : Meine Zeit ist jetzt zu Ende

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Und jetzt? Was machen Sie jetzt?

Jetzt mache ich etwas, was es bislang noch nicht gab: Ich bringe das Fernsehen auf die Bühne. Die Leute kaufen sich eine Eintrittskarte, ziehen sich schick an, gehen ins Theater und gucken fern.

Sie stehen auf der Bühne und erzählen von Ihren vierzig Jahren beim Fernsehen.

Ja, und auf Stichwort wird dann die jeweilige Szene eingespielt. Das geht los mit mir in „Tips für Autofahrer“, 1963.

Sie haben vor vier Jahren in einem Interview erzählt, Sie wollten für den WDR ein Journal über Berlin machen.

Ich wollte zeigen, wie interessant diese Stadt ist. Aber es bestand kein Interesse.

Von Seiten des Senders nicht? Kam so etwas öfter vor?

Nein, alle anderen Sachen wurden gemacht.

Sie haben spät Karriere gemacht: Mit 44 haben Sie „Bios Bahnhof“ angefangen, mit 60 die Kochsendung.

Wenn ich jetzt mit 72 aufhöre, gibt es, glaube ich, niemanden mehr, der so alt ist und eine regelmäßige Sendung hat.

War Quote in Ihrer Fernsehlaufbahn sehr wichtig?

Nein. Sie war immer auch ein Thema. Und wenn eine Sendung extrem schlechte Quoten gehabt hätte, hätte ich auch aufgehört. Ich war mir immer darüber im klaren, daß ich in einem Massenmedium arbeite, und das bedeutet, daß ich einen ziemlich großen Kreis ansprechen muß. Das einzige, was ich nicht gut finde und weswegen ich auch froh bin, daß ich meine Fernsehkarriere beende, ist, wenn die Quote zum allerwichtigsten Maßstab wird. Wissen Sie, es gibt diese schöne Geschichte: Früher, vor zwanzig Jahren, treffen sich beim WDR zwei Redakteure um elf Uhr: „Oh, Herr Kollege, hallo, wie hat Ihnen denn gestern diese neue Sendung gefallen?“ „Ja, also der Anfang war ein bißchen schleppend, aber es waren gute Ideen drin, doch, hat mir gut gefallen.“ Und heute? Treffen sich zwei Redakteure im Flur des WDR: „Hallo, Herr Kollege, wie hat Ihnen die neue Sendung gestern gefallen?“ „Ich hab' keine Ahnung, die Quoten kommen erst um zwölf.“

Sie sehen nicht aus, als meinten Sie das als Witz.

Nein.

Wenn Sie dem heutigen Fernsehen etwas raten sollten, was wäre das?

Wissen Sie, jetzt dem Fernsehen etwas zu raten ist schwer. Man hätte dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen vor zehn oder vor fünfzehn Jahren raten sollen, sich nicht in diesen Konkurrenzkampf mit den Privaten zu begeben. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Sie haben sich so in diesen Quotenkampf hineinbegeben, daß - besonders in der Unterhaltung - die Quote das allerwichtigste ist. Ich mache nicht den Leuten, die heute Fernsehen machen, Vorwürfe. Ich finde nur so schade, daß die ganze Gesellschaft sich so entwickelt hat, daß sie nur noch das Seichte gut findet. Das Fernsehen kann gar nicht anders heute, als sich auf die flachste, unterste Ebene zu begeben, weil das Publikum dort ist. Daß das Fernsehen selbst dazu beigetragen hat, ja, gut, soll man da rückblickend noch mal jammern oder was?

In einer perfekten Welt: Was sollte Fernsehen leisten?

Das klingt jetzt auch wieder nicht sehr positiv: Ich finde, es kann nichts leisten. Das konnte es mal. Heute kann es die Menschen höchstens informieren, mehr nicht. Es erzieht nicht mehr. Man ist ja froh, wenn es nicht das Gegenteil macht, zum Verflachen animiert, nicht?

Alfred Biolek mit Veit Schmidinger: „Mein Leben“. Ab 28. September. Kiepenheuer & Witsch. 336 Seiten, 19,90 Euro.

Die Bühnenshow „Mein Theater mit dem Fernsehen“ hat am 14. Oktober in Köln Premiere, weitere Termine unter anderem 23. Oktober Berlin; 13. November Hamburg; 3. Dezember München.

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