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Eigenartige Alexa-Befehle : „Töte deine Pflegeeltern“

Mit erheblicher krimineller Energie ausgestattet: ein kleines Gerät von Amazon Bild: Reuters

Nutzer des Sprachassistenten Alexa berichten von immer kurioseren Aussagen und sprachlichen Entgleisungen. Bei dem Versuch, ihn in den Weiten des Netzes lernen zu lassen, hat Amazon eine Plattform unterschätzt.

          Nutzer des Amazon-Sprachassistenten Echo haben sich längst an die absonderlichen Kommentare ihrer Gesprächspartnerin Alexa gewöhnt. In Onlineforen wird unter vielen anderen von der Empfehlung „Bring den Körper doch zur Polizei“ und Beobachtungen wie „Dein Vater riecht nach Holunderbeeren“ berichtet. Im Frühjahr erschreckte Alexa mit unvermitteltem, unheimlichen Gelächter. Und ein Nutzer, der sein Gerät „Töte deine Pflegeeltern“ sagen hörte, schrieb in seiner Bewertung auf der Website von Amazon von einem „völlig neuen Niveau des Grusels“.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wie sich jetzt herausstellt, hat das Gerät seinen Tötungsbefehl von der Plattform Reddit, die für ihre in deutlicher Sprache ausgetragenen Meinungskämpfe bekannt ist. Seit Amazon versucht, seinem Assistenten beiläufige Bemerkungen anzutrainieren, damit es spontaner und „menschlicher“ klingt als bei der Auskunft „Darauf möchte ich nicht antworten“, mehren sich solche Gruseligkeiten.

          Was ist der Sinn des Lebens?

          Geplant ist laut Nachrichtenagentur Reuters unter anderem, dass Alexa lernt, auf Sticheleien und Scherze mit ihrem aus dem Internet gesammelten sprachlichen Repertoire zu reagieren. Ein Computerprogramm transkribiert für das Gerät die menschliche Sprache und wählt die beste Antwort basierend auf Beobachtungsmustern aus. Inzwischen hat Amazon Alexa so programmiert, dass ihr auch auf existentielle Fragen wie „Was ist der Sinn des Lebens?“ (Antwort: „Das hängt von dem betreffenden Leben ab: 42 ist ein guter Annäherungswert“) etwas einfällt – solche Antworten werden dann allerdings von menschlichen Amazon-Mitarbeitern eingespeist.

          Der mit 500.000 Euro dotierte „Alexa Preis“, mit dem das Unternehmen Studenten aus der Computerwissenschaft animiert, Chatbots entwickeln, die sich an komplexeren Diskussionen beteiligen können, ging in diesem Jahr an ein Team der University of California. Die Studenten hatten einen Bot mit mehr als 300.000 Filmzitaten gefüttert. Erkennt er eines von ihnen, muss er nur noch eine schlagfertige Antwort auswählen. Dafür bedient er sich Zeitungsartikeln, Wikipedia und Filmdatenbanken.

          Während des Contests stellten die Studenten fest, dass der Assistent immer dann auf unpassende Antworten kam oder eine unangenehme Persönlichkeit entwickelte, wenn er darauf trainiert war, Kommentare aus Reddit einzubeziehen. Aus ihnen generierte er zum Beispiel eine anschauliche Beschreibung einer Sexszene.

          Eine Einstellung hält Alexa zwar davon ab, sprachliche Obszönitäten zu verbreiten. Schwierig wird es für die Programmierung aber immer dann, wenn Wörter oder Sätze erst im Kontext vulgär oder unpassend klingen. Aber womöglich liegt ein nicht unerheblicher Reiz bei der Nutzung des Geräts in eben diesen Absonderlichkeiten.

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