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Al-Aqsa-TV schürt Hass : „Wir werden alle töten“

  • -Aktualisiert am
Erinnert an Mickey Mouse: Plüsch-Hassprediger Farfour
          3 Min.

          Auf den ersten Blick wirkt alles wie in einer gewöhnlichen Kindersendung. Eine fröhliche Moderatorin, vielleicht zwölf Jahre alt, die in einem bunten Studio vor himmelblauem Hintergrund sitzt. Und ein fröhlicher Komoderator, der sich ein rosa Hasenkostüm aus Plüsch übergezogen hat, so dass er wie ein lebensgroßer Bugs Bunny aussieht. Gemeinsam gestalten sie die Kindersendung „Pioniere von morgen“ und beantworten Fragen von Kindern.

          Doch die Moderatorin Saraa trägt ein enges, rotes Kopftuch, das nicht den Ansatz einer Haarsträhne erkennen lässt, der Hase heißt nicht Bugs Bunny, sondern Assud, und die Sendung wird von Al-Aqsa-TV ausgestrahlt, dem Haussender der Hamas im Gazastreifen. „Boykottierst du israelische und dänische Produkte?“, fragt Assud eine Anruferin und spielt auf die in Dänemark abermals veröffentlichten Mohammed-Karikaturen an. „Ja, Assud, das tue ich“, antwortet das Kind brav. „Er ist ein Krimineller“, sagt eine andere Anruferin, sie meint den Karikaturisten. „Ich sage ihm und allen anderen, egal wie sehr sie versuchen, ihn zu verstecken, wir werden es schaffen, ihn zu ermorden, so Allah will.“

          Gezielt steuert Saraa die Hasstiraden auf den Höhepunkt: „Die Soldaten der ,Pioniere von morgen' werden den Propheten Mohammed mit allem, was sie besitzen, erlösen, sogar mit ihrem Blut. Sie werden ihnen nicht erlauben, das noch einmal zu tun.“ „Wenn sie es noch einmal tun“, sagt Assud und trommelt sich mit geballten Fäusten auf die Brust, „dann werden wir sie töten, richtig?“ Wie nicht anders zu erwarten, bejaht Saraa. „Ich werde sie beißen und auffressen“, sagt Assud.

          „Alle Kinder Palästinas sterben ohne Behandlung“

          Dieser Satz scheint sein Markenzeichen zu sein, Assud ist der neue Star der Sendung „Pioniere von morgen“; schon bei seinem ersten Auftritt hat er angekündigt, „alle Juden aufzufressen“. Der neue Plüsch-Hassprediger war nötig geworden, weil die Sendung solche Figuren verschleißt. Vor Assud gab es die Biene Nahoul und eine Maus namens Farfour. Beide sind inzwischen gestorben - natürlich den Märtyrertod, der grausam inszeniert wurde: So starb Nahoul, weil sie krank war und den Gazastreifen nicht verlassen durfte.

          „Alle Kinder Palästinas sterben ohne Behandlung“, sagte ihr Vater, Nahoul begann zu schreien, klagende Musik kündigte ihren Tod an. Auch bei Farfours Tod wurde kein Stereotyp ausgelassen: Ein israelischer Agent suchte an Farfours Dokumente zu gelangen, die zeigen, dass Palästina den Palästinensern gehört. Erst versucht der Israeli es mit Schmeicheleien, dann mit Geld. Da Farfour standhaft blieb, erschlug er ihn kurzerhand. Saraa verkündete mit gesenktem Blick: „Liebe Kinder, wir haben unseren liebsten Freund verloren. Farfour wurde Märtyrer, als er sein Land verteidigte.“

          Seit Januar 2006 ist Al-Aqsa-TV auf Sendung. Yotam Feldner weiß, dass die Hasstiraden keine Ausnahme sind. „Sie kennen keine Grenzen. Es geht fast immer um Israel, um den Konflikt, um das Märtyrertum.“ Feldner leitet die Fernsehabteilung des „Middle East Media Research Institute“ (Memri), einer Organisation, die arabische Medien beobachtet, übersetzt und analysiert. Er glaubt, dass die palästinensische Medienlandschaft ein ziemlich genaues Abbild der politischen Lage ist.

          „Diese Ehre fällt uns vorerst nicht zu

          „Seit Mahmud Abbas an der Macht ist, ist der offizielle Fernsehsender der palästinensischen Autonomiebehörde viel moderater als zu Arafats Zeiten. Gleichzeitig spiegelt Al-Aqsa-TV den Aufstieg und die Ideologie der Hamas wider.“ Ethische Maßstäbe kennt der Sender nicht einmal in Kindersendungen, manches ist so blutrünstig, dass Feldner es nicht auf der Memri-Internetseite veröffentlichen mag. Wie die letzte Folge der „Pioniere von morgen“: Statt vor himmelblauem Studiohintergrund steht Assud in seinem rosa Kostüm vor der meterhohen Fotoprojektion eines blutverschmierten Babykopfes - angeblich ein Kind, das in den letzten Tagen im Gazastreifen von der israelischen Armee getötet wurde.

          Unterdessen bereiten die Macher von Al-Aqsa-TV schon das Ableben ihrer neuen Figur vor. „So Allah will, wenn ich den Märtyrertod gestorben bin, wird ein Tiger meinen Platz einnehmen“, sagte Assud kichernd und fragte Saraa: „Wer wird die Sendung moderieren, wenn du als Märtyrerin stirbst? Werden 100.000 Saraas deinen Platz einnehmen?“ Saraa lächelte verlegen und gab vor, nachdenken zu müssen. Schließlich sagte sie schicksalsergeben: „So Allah will, Assud.“

          Über die Folgen der Hasspropaganda muss man sich keine Illusionen machen. Zwar dementierte der Intendant von Al Aqsa am vergangenen Freitag, dass die Hamas, wie auf seinem Sender zwischenzeitlich gemeldet, hinter dem blutigen Anschlag auf die Talmudschule in Jerusalem steckte, bei dem acht Jugendliche starben. Ein Hamas-Sprecher präzisierte das Dementi allerdings: „Diese Ehre fällt uns vorerst nicht zu.“

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