https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/afghanistan-journalistinnen-muessen-ihr-gesicht-bedecken-18046307.html

Journalistinnen in Afghanistan : Das neue Gebot der Taliban

  • -Aktualisiert am

Tolo-News-Nachrichtensprecherin Yalda Ali demonstriert die neuen Kleidervorschriften der Taliban Bild: Twitter/Yalda__Ali

In Afghanistan müssen jetzt auch die Mitarbeiterinnen aller Fernsehsender vor der Kamera ihr Gesicht bedecken. Was kommt als nächstes?

          1 Min.

          Vor zwei Wochen sind die Taliban einen weiteren Schritt gegangen, um der Welt zu beweisen, dass sie sich nicht geändert haben, und haben neue Kleidervorschriften für Frauen erlassen. Gemäß einem Erlass des Anführers Haibatullah Akhundzada sollen Frauen in der Öffentlichkeit nun auch wieder ihr Gesicht verhüllen. Zwar war sein Dekret keine eindeutige Anordnung zum Tragen der notorischen Burka, sondern nur ein offizieller „Ratschlag“ zum Tragen eines Hidschab, betonte aber, dass die Ganzkörperbedeckung „die beste“ Form der Kleidung sei, weil sie „traditionell und respektvoll“ sei.

          Die neuen Regeln, so verkündeten die Machthaber, sollten in zwei Schritten durch „Ermutigung“ und „Bestrafung“ durchgesetzt werden. Wenn man diversen Berichten der vergangenen Tage glaubt, besteht die Ermutigung zum Beispiel darin, Studentinnen mit bunten Kopftüchern den Zugang zu ihrer Uni zu verweigern (obwohl der Erlass die Farbe der Kopfbedeckung gar nicht erwähnt).

          Angst vor gebildeten Frauen

          Damit keine weiteren Missverständnisse auftreten, haben die Taliban ihren guten Rat nun auch explizit auf die Frauen in der medialen Öffentlichkeit ausgeweitet: Am Donnerstag befahl das Emirat den Mitarbeiterinnen aller Fernsehsender, vor der Kamera ihr Gesicht zu bedecken. Die Anweisung sei „endgültig und stehe nicht zur Diskussion“, berichtete der Sender Tolo News auf Twitter. Die Verzweiflung bei Tolo News ist groß: In einem Interview mit CNN sagte Redaktionsleiter Khpolwak Sapai, man habe zunächst erwogen, den Sender ganz zu schließen, sich dann aber dagegen entschieden. Moderatorin Khatera Arfa sagte, sie sei so gestresst gewesen, dass sie ihre Sendung nicht ordentlich habe präsentieren können. „Sogar wenn wir in einer Burka erscheinen, werden sie vielleicht sagen, dass die Stimmen von Frauen verboten sind. Sie wollen die Frauen vom Bildschirm entfernen. Sie haben Angst vor gebildeten Frauen.“

          Ihre Kollegin Yalda Ali zeigte auf Twitter, wie sie die neue Kleiderordnung auslegt, und veröffentlichte ein Video, in dem sie ihr strenges Kopftuch anlegt – und eine Atemschutzmaske. Und machte anschaulich, was es bedeutet, wenn eine Maskenpflicht tatsächlich das Zeichen einer Diktatur ist. Noch. Womöglich gilt es bald als viel zu moderate Auslegung des neuen Gebots. Dann wird womöglich das Tragen einer Atemschutzmaske (statt der Burka) zum mutigen Akt des zivilen Ungehorsams.

          Harald Staun
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Weitere Themen

          Den Krieg im Rücken

          Krisenreporterin Antonia Rados : Den Krieg im Rücken

          Abschied nach mehr als 25 Jahren: Bekannt geworden ist die Journalistin Antonia Rados vor allem durch ihre Kriegs- und Krisenberichterstattung. Nun hört sie bei RTL offiziell auf.

          Topmeldungen

          Eine Frau dreht am Thermostat einer Heizung.

          F.A.Z. exklusiv : Deutlich höhere Heizkosten für Millionen Haushalte

          Millionen Fernwärmekunden müssen sich auf heftige Preiserhöhungen einstellen. Laut einem Regierungsentwurf sollen Stadtwerke und Betreiber die gestiegenen Beschaffungskosten weitergeben können – und das schon bald.
          Im Jahr 2000 wurde die EEG-Umlage zur Finanzierung von Wind- und Solaranlagen eingeführt.

          Ende der EEG-Umlage : Wer zahlt jetzt für den Ökostrom?

          Am heutigen Freitag fällt die Abgabe für den Ausbau von Ökostrom weg. Der Strompreis wird dennoch kaum sinken. Hier kommen die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Wendepunkt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.