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Folgen der Relotius-Affäre : Fichtner wird nicht „Spiegel“-Chefredakteur

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„Jaegers Grenze“ hieß die Reportage, zu der Claas Relotius und Juan Moreno jeweils einen eigenen Teil beitrugen. Moreno kam der Beitrag seines Kollegen verdächtig vor. Er recherchierte und brachte das Kartenhaus zum Einsturz. Bild: EPA

Die Affäre um den als Fälscher aufgeflogenen einstigen „Spiegel“-Redakteur Claas Relotius hat personelle Konsequenzen. Zwei leitende Redakteure treten die Posten, die für sie vorgesehen waren, nicht an.

          In der Pressemitteilung des Verlags klingt es nach einer Umgruppierung, der Konsequenz nach ist es eine Degradierung: „Ullrich Fichtner und Matthias Geyer“ heißt es da, werden „mit neuen strategischen Aufgaben beim ,Spiegel“ betraut“. Will heißen Fichtner tritt nicht in die Chefredaktion des Magazins ein, Geyer wird nicht Blattchef.

          „Die ihnen ursprünglich zugedachten Leitungsfunktionen, Chefredakteur und Blattmacher, treten sie in Einvernehmen mit der Chefredaktion nicht an“, so die Mitteilung. Geyer gebe auf eigenen Wunsch auch die Leitung des Ressorts Gesellschaft ab.

          Hintergrund der Entscheidung ist die Affäre um den früheren „Spiegel“-Redakteur Claas Relotius, der als Fälscher aufgeflogen war. Seine Geschichten erschienen vor allem im Ressort „Gesellschaft“ des „Spiegel“, das Geyer und vor ihm Fichtner leiteten. Fichtner hatte Relotius protegiert, dann aber, als der Skandal aufflog, bei „Spiegel Online“ und in der „Spiegel“-Ausgabe, in der das Magazin Relotius’ Fälschungen ausführlich darstellte, das verhängnisvolle Wirken des Redakteurs mit großem, negativen Aplomb dargestellt. Geyer hatte den „Spiegel“-Reporter Juan Moreno, dessen Gegenrecherche dazu führte, dass Relotius enttarnt wurde, mitgeteilt, dass die Sache Konsequenzen habe - für ihn oder für Relotius.

          „Die Untersuchung der Kommission, die sich mit der Aufarbeitung des Falls Relotius beschäftigt, hat ergeben, dass Ullrich Fichtner und Matthias Geyer keine persönliche Schuld an den Betrugsfällen trifft“. Gleichwohl übernähmen sie „Verantwortung, um den hohen Maßstäben gerecht zu werden, die wir auch an andere anlegen, und um jegliche Zweifel an der Integrität des ,Spiegel auszuräumen“, sagte der Chefredakteur Steffen Klusmann. „Dafür gebührt ihnen Respekt.“

          Fichtner werde nun „Reporter mit besonderen Aufgaben“ und direkt an die Chefredaktion angebunden sein, so die Mitteilung. Er werde „Titelgeschichten konzipieren und verfassen und im Auftrag der Chefredaktion große Projekte vorantreiben“. Geyer arbeite künftig als „Redakteur für besondere Aufgaben; ebenfalls in direkter Linie zur Chefredaktion“. Er werde sich „im Auftrag von Blattmachern und Chefredaktion insbesondere um die Textqualität kümmern“.

          „Ullrich Fichtner und Matthias Geyer sind hervorragende Journalisten, ich bin daher sehr froh, dass sie auf dem Weg zu einer gemeinsamen Redaktion weiter gestaltend mit dabei sind“, sagte Steffen Klusmann. Über die Besetzung der für Fichtner und Geyer ursprünglich vorgesehenen Posten wird der „Spiegel“ in den kommenden Wochen entschieden. Das Gesellschaftsressort führt einstweilen die stellvertretende Ressortleiterin Özlem Gezer.

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