Euronews : Ägypter kauft europäischen Sender
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Wechselt den Besitz: die Zentrale von Euronews in Lyon Bild: Jean-Pierre Dalbéra/Flickr
Dreiundzwanzig öffentliche Stationen sind an dem Programm Euronews beteiligt. Auch die EU-Kommission gibt Geld. Die Mehrheit übernimmt nun ein ägyptischer Geschäftsmann.
Der Sender Euronews verändert sich radikaler Weise. Dreiundzwanzig öffentlich-rechtliche Stationen sind an dem Kanal beteiligt, doch jetzt wird die Mehrheit von dem ägyptischen Geschäftsmann Naguib Sawiris übernommen. 53 Prozent der Anteile wird Sawiris übernehmen, der Aufsichtsrat hat der Entscheidung am Dienstag schon zugestimmt. Euronews will sein Kapital um 35 Millionen Euro aufstocken.
Der Schritt sei „seit mehreren Monaten vorbereitet“ worden, sagte der Euronews-Vorstandsvorsitzende Michael Peters. „Er ist Teil des strategischen Plans, den ich im vergangenen Juni vorgelegt habe. Wir müssen in die Inhalte unseres Senders, in unsere Programme und in die Marke Euronews investieren. Doch angesichts der finanziellen Situation der öffentlich-rechtlichen Sender in Europa war die Hypothese, dass andere Investoren Geld in den Sender investieren, die wahrscheinlichste.“ Im Juni des vergangenen Jahres hatte Euronews die Lazard Bank beauftragt, einen Investor zu finden.
Neue Satzung „kein wirkliches Problem“
Unter den Gegebenheiten des deutschen Medienrechts wäre ein solcher Schritt, der bedeutet, dass öffentliche Gelder und private zusammenfließen, schwer vorstellbar. ARD und ZDF halten seit jeher Abstand zu Euronews, immer wieder hatte der Sender mit Sitz in Lyon versucht, ARD und ZDF ins Boot zu holen, war bei den Intendanten und in der Medienpolitik jedoch nicht durchgedrungen. Das hatte auch damit zu tun, dass den hiesigen Sendern die diffuse redaktionelle Linie von Euronews nicht einleuchtete. Euronews sendet in dreizehn Sprachen ein 24-Stunden-Nachrichtenprogramm, verfügt über einen Jahresetat von 72 Millionen Euro und beschäftigt nach eigenen Angaben vierhundert Journalisten.
Euronews habe auch schon in der Vergangenheit private Aktionäre gehabt, sagte der Vorstandsvorsitzende Michael Peters. Von 1997 bis 2002 habe der britische Privatsender ITN einen Anteil von 49 Prozent gehalten. Jetzt müsse zwar die Satzung des Senders geändert werden, doch sei das „kein wirkliches Problem“. Die Auflagen der EU-Kommission, die mehrere Euronews-Sprachen finanziere, verlangten nur, dass europäische Interessen gewahrt blieben.
Ägypten sei auch Mitglied der European Broadcasting Union (EBU), in der zahlreiche öffentlich-rechtliche Sender zusammengeschlossen sind. Euronews habe es sich „zur Aufgabe gemacht, eine Brücke zu sein zwischen Europa und dem Rest der Welt“, heißt es, und das stehe „genau in Einklang mit den Verhandlungen mit Naguib Sawiris“.