https://www.faz.net/-gqz-7m0zk

Ägypten verhaftet Journalisten : Kairo im Kampf gegen die Presse

  • -Aktualisiert am

Selbst vor der ägyptischen Botschaft in Nairobi protestieren dieser Tage Journalisten für die Freilassung des in Kairo inhaftierten Reporters Peter Greste Bild: AFP

Die ägyptische Regierung macht immer mehr Druck auf Journalisten: Wer nicht so berichtet wie die Behörden wollen, läuft Gefahr, ohne Anklage als Verräter verhaftet oder attackiert zu werden.

          4 Min.

          Die Welle der Verhaftungen reißt nicht ab. Am Wochenende stürmten Mitarbeiter des ägyptischen Heimatschutzes die Redaktionen der unabhängigen Nachrichtenagenturen Yaqin und Hasry in Kairo. Dreizehn Mitarbeiter wurden mitgenommen. Sie hätten „falsche Nachrichten ausgestrahlt“, lautete der Vorwurf. Die vage Anschuldigung trug nicht lange: Am Montag kamen die Männer wieder auf freien Fuß - nur wenige Stunden nachdem auch ein seit Juli vergangenen Jahres inhaftierter Kameramann des qatarischen Nachrichtensenders Al Dschazira aus der Haft entlassen worden war. Als „unverhohlene Verletzung“ der Pressefreiheit kritisierte Yaqin das Vorgehen der Behörden.

          Die gewaltsame Stürmung der beiden Redaktionen ist kein Einzelfall. Seit Monaten geht die übereifrige ägyptische Staatsanwaltschaft mit aller Härte gegen einheimische und ausländische Journalisten vor. So viel Glück im Unglück wie die nach nur zwei Tagen freigelassenen Medienschaffenden haben längst nicht alle: Mindestens fünf Al-Dschazira-Mitarbeiter sitzen seit fünf Wochen in Kairo im Gefängnis. Unmittelbar nachdem die Muslimbruderschaft im Dezember zur terroristischen Organisation erklärt worden war, nahmen Sicherheitskräfte sie fest. Den insgesamt zwanzig Angeklagten, darunter Kanadier, Australier, Briten und Niederländer, drohen fünfzehn bis 25 Jahre Haft, weil sie ein „terroristisches Mediennetzwerk“ aufgebaut haben sollen.

          Angriff auf die Pressefreiheit

          Wegen seiner oft einseitigen Berichterstattung für die Anhänger der Muslimbruderschaft haben die Behörden Al Dschazira ganz besonders im Visier. Nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Muhammad Mursi im vergangenen Juli musste der Sender sein Kairoer Büro schließen; mehrere Mitarbeiter wurden verhaftet. Der Live-Kanal Al Dschazira Mubaschr wurde von Sicherheitskräften gestürmt. Die Regierung Präsident Adli Mansurs wirft dem Herrschaftshaus Emir Tamim Bin Hamad Al Thanis vor, sich über den Sender unzulässig in die inneren Angelegenheiten Ägyptens einzumischen und die Wiedereinsetzung Mursis zu betreiben. Dessen Regierung war von Qatar massiv finanziell unterstützt worden.

          Mit den Verhaftungen Ende Dezember hat die Kriminalisierung von Journalisten eine neue Dimension erreicht: Der Australier Peter Greste, der früher für Reuters, BBC und CNN arbeitete, schrieb kurz nach Neujahr in einem Brief aus dem Gefängnis, dass seine Inhaftierung einen „Angriff auf die ägyptische Pressefreiheit insgesamt“ darstelle. Nach Veröffentlichung der Anklageschrift gegen die sogenannte „Marriott-Zelle“ - mehrere Al-Dschazira-Mitarbeiter wurden in dem Kairoer Luxushotel festgenommen - kritisierte Amnesty International Ende Januar: „Dieser Schritt sendet die gruselige Botschaft, dass in Ägypten heute nur eine Sichtweise akzeptabel ist: die von den ägyptischen Behörden gewünschte.“

          Weitere Themen

          Freiheit ist kein Privileg

          TV-Kritik: Anne Will : Freiheit ist kein Privileg

          Kaum sinken die Inzidenz-Zahlen, werden die Bürger ermahnt, nicht leichtsinnig zu werden. Muss das wirklich sein? Die Talkrunde bei Anne Will lotet das Verhältnis zwischen Vernunft und Bevormundung aus – zumindest hatte sie das eigentlich vor.

          Topmeldungen

          Laschet bei seiner Rede zum virtuellen politischen Aschermittwoch der CSU im Februar

          Armin Laschet : Kanzlerkandidat mit Imageproblem

          CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet kämpft um seine Wirkung in der Öffentlichkeit. Die besondere Herausforderung dabei: sein unterlegener Konkurrent Markus Söder.
          Talkrunde bei Anne Will

          TV-Kritik: Anne Will : Freiheit ist kein Privileg

          Kaum sinken die Inzidenz-Zahlen, werden die Bürger ermahnt, nicht leichtsinnig zu werden. Muss das wirklich sein? Die Talkrunde bei Anne Will lotet das Verhältnis zwischen Vernunft und Bevormundung aus – zumindest hatte sie das eigentlich vor.
          Udo Lindenberg während seiner Tournee 2019 in Hamburg

          Panikrocker wird 75 : „Udo Lindenberg ist wie eine Kunstfigur“

          Wer ist der Mann, der die Bühnen seit Jahrzehnten prägt und die deutsche Sprache in der Popmusik salonfähig gemacht hat? Udo Lindenberg im Gespräch über Alkoholabstürze, einsame Corona-Stunden im Hotel Atlantic und die Aktion #allesdichtmachen.
          Coronavirus-Test in Niedersachsen

          Corona in Deutschland : RKI registriert 5412 Neuinfektionen

          Das Infektionsgeschehen in Deutschland flaut weiter ab. Wegen des Feiertags vergangene Woche müssen die Werte aber mit Vorsicht interpretiert werden. In einigen Bundesländern endet die Priorisierung beim Impfen in Arztpraxen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.