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Geschäft mit Adblockern : Werbekiller im Internet

Die beliebte Software zum Filtern von Werbung: Adblock Plus beim Download. Bild: dpa

Es ist eine besonders perfide Art der Geldmacherei: Mit einer verschachtelten Konstruktion zerstören Firmen das Werbegeschäft aller anderen, um es für sich zu beanspruchen. Eyeo zeigt, wie man online dunkle Geschäfte macht.

          Zwei Möglichkeiten haben Online-Publikationen, für ihre Finanzierung zu sorgen - durch einen finanziellen Beitrag ihrer Leser oder durch Werbung. Letzteres ist seit jeher ein schwieriges Geschäft, Umsätze und Gewinne, die tatsächlich bei den Produzenten der Inhalte bleiben, sind schmal. Und das Geschäft wird immer schwieriger, zumal Wegelagerer wie Adblock Plus erkannt haben, wie man durch Erpressung und Eigengeschäfte die Sache ganz an sich reißt. Und jetzt verschärft auch noch der vor allem in Deutschland beliebte Browser Mozilla Firefox die Lage. Denn der bietet in seiner neuesten Version Nummer 42 fürs private Surfen eine erweiterte „Tracking Protection“, die einem Werbeblocker gleichkommt. Die Nutzer werden nicht nur davor bewahrt, dass ihre Daten beim Seitenaufruf ohne ihr Wissen an alle möglichen Dritten weitergegeben, sie also „getrackt“ werden; der Schutz blendet Werbung vollständig aus.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Wer bei Firefox mit seiner Werbung trotzdem durchkommen will, muss sich der „Do not Track“-Initiative anschließen. Nur dann landet man auf der „Whitelist“ von Firefox. Eine solche gibt es bekanntlich auch bei Adblock Plus von der Firma Eyeo, die daraus ein Geschäftsmodell in Türstehermanier entwickelt hat, dem die ihrer Werbeeinkünfte beraubten Firmen vor Gericht bislang erstaunlicherweise wenig beikommen konnten. Bei Adblock Plus gilt: Wer zahlt, kommt durch und darf sich zum Kreis derer zählen, die „acceptable adds“ schalten, also Werbung, die nach dem Gutdünken der Drückerkolonne von Eyeo unbedenklich ist. Und was für diesen Verein akzeptabel ist, hat der Journalist Bernd Rubel für das Portal „Mobilegeeks“ recherchiert: Porno-Seiten seien akzeptabel, Gewinnspiele und „Abzocker-Seiten“ auch.

          Wenn das nicht Mafia 4.0 ist

          Rubel hat schon vor einiger Zeit dargestellt, dass sich hinter Adblock Plus „finanzkräftige Investoren aus der Werbeindustrie verbergen, die mit dem Adblocker ein eigenes Werbenetzwerk aufziehen“. Dieses hat den Stein der Weisen gefunden: erst die Werbung blocken, dann gegen Kasse freischalten. Bei Adblock Plus funktioniert das, wie der Autor Rubel schreibt, auch in einer ganz besonderen Variante. Die Firma Sedo, die Domains, also Netzadressen, hortet, steht auf der Whitelist von Adblock Plus und leitet zu besagten Porno- oder Gewinnspieladressen weiter, schaltet sie über einen eigenen Generalschlüssel („Sitekey“) frei. Und nun der Clou des Ganzen: Der Mitgründer von Sedo, Tim Schumacher, ist einer der Hauptinvestoren von Eyeo. Damit schließt sich der Kreis: Wir blicken auf eine sehr clever verschachtelte Konstruktion, die darauf angelegt ist, das Werbegeschäft aller anderen zu zerstören und es allein für sich zu beanspruchen.

          Wie das mit dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb vereinbar sein soll, wäre wohl noch zu klären. Klar ist aber schon, wie der Hase hier läuft: Mit dem Wunsch mancher Nutzer, keiner Werbung ansichtig zu werden, wird auf besonders perfide Weise Geld gemacht von Leuten, die dann doch wieder Anzeigen aufscheinen lassen, aber eben nur solche, an denen sie verdienen. Wenn das nicht Mafia 4.0 ist. Und wir wissen jetzt auch, dass Pornowerbung „akzeptabel“ ist, wenn Adblock Plus das sagt. Die Moral von der Geschichte? Gibt es nicht. Sondern nur „Gier online“, die auch ganz nebenbei die Finanzierung von unabhängigem Journalismus im Netz auffrisst.

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