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Adblock-Entwickler Eyeo : Der Türsteher mit der Sammelbüchse

Eine milde Gabe! Um 1630 malte Jan van Bylert „Die Insassen des Hiobshospitals in Utrecht“. Bild: Picture-Alliance

Eyeo, der Entwickler von Adblock Plus, will seine Werbungsbesessenheit überwinden und stellt ein gemeinsames Produkt mit Flattr vor. Jetzt sollen auch die Nutzer zahlen.

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          Nach dem Werbeblocker kommt die Sammelbüchse: Die in Köln ansässige Firma Eyeo ist findig – wenn es darum geht, sich selbst als Förderer und Fürsprecher einer guten Sache darzustellen, und wenn es darum geht, aus dieser vermeintlich guten Sache ein Geschäft zu machen. Wer ihr Produkt Adblock Plus, ein Zusatzprogramm für den Browser, installiert hat, sieht die aufgerufenen Internet-Seiten ohne Werbung. Es sei denn, der Werbetreibende zahlt Eyeo Geld, dann lässt Eyeo ihn gnädig gewähren. Die dritte Möglichkeit ist, dass die Seite Nutzern mit aktiviertem Ad-Blocker den Zugriff verwehrt.

          So macht Eyeo Verlagen, Sendern und anderen Seitenbetreibern im Internet das Leben schwer. Das Unternehmen beteuert zwar, es trete nur für bessere, weniger aufdringliche Werbung ein und wolle helfen, das Netz zu einem besseren Ort zu machen. Doch auch Porno- und Abzocker-Seiten zählen zu den Anbietern, die Eyeo durchwinkt.

          Maschinell verteilte Spenden

          Das Unternehmen hat ein Image-Problem. Anders lässt sich die Produktion eines PR-Pixi-Buchs mit dem Titel „Lina und Anton entdecken die Internet-Werbung“ im vergangenen Jahr nicht erklären – überreicht von Eyeo und mit dem Hinweis versehen, wie sich der in der Geschichte beschriebene Werbeblocker installieren lässt. Und anders lässt sich auch eine Kooperation des Unternehmens nicht verstehen, die Eyeo, als Partner der re:publica in diesem Jahr zahlender Kunde für Präsentationsgelegenheiten auf der Netzkonferenz, gerade in Berlin vorgestellt hat: Mit Flattr, einem Dienst, über den Internetnutzer Inhalteanbieter nach Gutdünken bezahlen können, hat Eyeo das Angebot Flattr Plus entwickelt, das im Sommer Testnutzern und Ende des Jahres dann allen zugänglich gemacht wird. Ganz einfach und völlig automatisch sollen sie dann die Künstler, Blogger und Musiker bezahlen können, die sie lieben, verspricht Eyeo im Unternehmensblog.

          Niemand soll der Firma nachsagen können, sie torpediere das Geschäftsmodell von Inhalteanbietern im Netz und lasse sich dafür bezahlen, die eigenen Kunden von diesem Angriff auszulassen. Oder, in den Worten von Eyeo: „Wir hatten das Gefühl, es sei das richtige.“ Flattr-Nutzer legen ein monatliches Budget fest und markieren durch Klicks auf den jeweiligen Seiten, an wen die Summe aufgeteilt werden soll. Bei Flattr Plus hingegen verteilt ein Algorithmus das Geld selbständig unter den meistbesuchten Seiten des Nutzers – und behält für diese Dienste eine Kleinigkeit für sich.

          Das soll eine halbe Milliarde Dollar bringen

          Die Nutzer sollen helfen, die Werbungsbesessenheit von Eyeo zu überwinden, heißt es im Blog: Eine halbe Milliarde Dollar will das Unternehmen auf diese Weise im nächsten Jahr aufbringen – für Inhalteanbieter natürlich.

          Gegen deren Option, sich von Eyeo nicht das Geschäft vermiesen zu lassen, indem sie lediglich Nutzern ohne aktiven Werbeblocker Zugriff auf ihre Seiten gewähren, hat sich unlängst die EU-Kommission gewandt – aus Gründen des Datenschutzes, schließlich müssten Anti-Werbeblocker auf die Browser-Einstellungen und Plug-Ins der Nutzer zugreifen. Flattr Plus hingegen protokolliert alle Seitenaufrufe der Nutzer im Netz. Was wohl die EU-Kommission von diesem Vorgehen hält?

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