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Weihnachtsshow im ZDF : Wie Elton die Frisur von Helene Fischer zerzauste

  • -Aktualisiert am

Es wäre eine perfekte Inszenierung, wenn es nicht so eine perfekte Inszenierung wäre: Helene Fischer in der „Helene-Fischer-Show“ Bild: Sandra Ludewig / ZDF

Die Sendung ist ein Anachronismus und zugleich absurd zeitgemäß: In ihrer Weihnachtsshow im ZDF zeigt sich Helene Fischer gewohnt makellos. Abgesehen von ein paar kostbaren Sekunden.

          Peter Maffay war wieder da. Er war schon zu Gast in Helene Fischers erster Weihnachtsshow vor drei Jahren gewesen, und weil er ein ganz besonderer Mensch und Kollege ist, hat er sich anscheinend sogar zwischendurch bei ihr gemeldet. „Du hast den Kontakt nie abbrechen lassen“, sagt sie voller Dankbarkeit nach seinem Auftritt und fügt hinzu: „Schön, dass es dich gibt.“ Und er steht überwältigt da, mit einem Gesicht, das möglicherweise Verliebtheit und Rührung ausdrückt, vielleicht aber auch nur Verlegenheit und Ratlosigkeit.

          Es ist alles mehr, in der „Helene-Fischer-Show“: größer, bunter, intensiver, emotionaler und behaupteter. Passend zu den Exzessen der Weihnachts-Rituale ist es eine einzige Völlerei, süß, klebrig und überwältigend, eine dreistündige Absage an jede Form des Understatement und der Zurückhaltung. Es wäre eine perfekte Inszenierung, wenn es nicht so eine perfekte Inszenierung wäre. Die Fernsehshow wird zweimal aufgezeichnet, vor allem wohl, um jede Spur von Spontaneität herausschneiden zu können. Nach dem Zusammenschnitt des vielstündigen Ausgangsmaterials sitzt jeder Glücks-Kiekser von Helene Fischer akkurat, jeder Ausdruck von Überraschung angesichts irgendeiner „Überraschung“ wirkt aufs Überzeugendste einstudiert.

          Viel vielfältiger

          Die Show ist eine Leistungsschau. Sie wird mit einem Aufwand in Szene gesetzt, der im deutschen Fernsehen seinesgleichen sucht. Die Bühne ist so groß, dass Fischer in Musical-Duetten ihre Partner über gefühlte mehrere hundert Meter ansingen kann, das Publikum so imposant, dass die ungemeine Popularität dieser Frau in Deutschland in jeder Sekunde spürbar ist. Sie hat nicht ein, sondern zwei Orchester, sie fliegt purzelbaumschlagend durch die Luft (vermutlich einfach, weil sie es kann), sie hat goldene Haut und ein goldenes Mikrofon, und ihr Publikum schafft es zwar nicht, passend zum Take-That-Auftritt auf zwei und vier zu klatschen, gerät aber zuverlässig an all den richtigen Stellen (also immer) in Ekstase, springt von den Stühlen auf, singt mit und feiert fassungslos vor Glück seinen Star.

          Und sie ist: makellos.

          Bis auf den einen Moment, als Elton, der Kinderfernsehmoderator des ZDF, es in einer überaus rätselhaften Einlage mit einem Barbershop-Chor nicht mehr aushält, sie stürmisch umarmt und dabei demonstrativ ihre Haare verwuschelt. Für mehrere Sekunden danach hat Helene Fischer tatsächlich zerzaustes Haar. Unglaublich.

          Sie singt mit fast allen Gästen Duette, provoziert mit 14 von ihnen neue Mini-Versionen von „Atemlos“, schlüpft in verschiedene Kleider und Gastrollen. Wie immer betont sie, dass sie viel vielfältiger sei, als man ihr so zutraue, erzählt - „man mag es kaum glauben“ -, dass sie als Teenager ein Fan der Band Evanescence war, und macht am Ende doch aus allem, was sie singt, ob Schlager oder Nu Metal, etwas Musicalhaftes.

          Prallvoll

          Später treten fünf Wetteransager auf und singen zu schlechtem Playback vermeintliche Wetter-Lieder - „Walking On Sunshine“, „When The Rain Begins To Fall“, „She’s Like The Wind“ -, und das ist auf so vielen Ebenen misslungen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Es ist aber auch ein Echo aus einer fernen Zeit, als solche Auftritte zu einem bunten Fernsehabend gehörten, zum „Wunschkonzert“, zum „Blauen Bock“ und natürlich zur „Peter-Alexander-Show“, in deren Tradition die „Helene-Fischer-Show“ steht - nur dass Peter Alexander mit der Hälfte der Sendezeit auskam und sich den Rest des Jahres rarmachte.

          Das ist das Merkwürdige an dieser Show: Es gibt solche Sendungen eigentlich gar nicht mehr. Sie ist ein Anachronismus, und gleichzeitig in einem absurden Maße zeitgemäß, und diese Kombination verstärkt noch das Gefühl ihrer Einzigartigkeit. Dabei stehen Aufwand und Inszenierung in einem erstaunlichen Verhältnis zur Schlichtheit vieler Melodien und Texte, die das In-zerrissenen-Jeans-um-die-Häuser-Ziehen romantisieren - höchstens der Eurovision Song Contest bringt es auf ein ähnlich bizarres Missverhältnis. Udo Jürgens aber war, keine Frage, verzaubert. Die Sendung war wenige Tage vor seinem plötzlichen Tod aufgezeichnet worden, und so war das „Merci, Chérie“, das Fischer ihm sang, nun ein Abschiedsgruß. Im Nachhinein schienen sogar all die Floskeln, die er und sie in der Sendung sagten, prallvoll mit Bedeutung.

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