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Abschied von Evelyn Hamann : Ein Lachen, das wir nie wieder hören werden

Ein Paar für die Ewigkeit: Evelyn Hamann und Loriot Bild: dpa

Das Fernsehen hat Abschied von Evelyn Hamann genommen. Bei Kerner erinnerte eine Gesprächsrunde an die Verstorbene, vor Beckmanns Kamera trat Loriot auf. Es war ein Abend, der Sehnsucht nach früheren Zeiten weckte. Von Jörg Thomann.

          Mit dem Tod von Evelyn Hamann hat Deutschland nicht nur eine seiner großen Schauspielerinnen verloren. Der Tag, an dem die traurige Nachricht bekannt wurde, hat uns auch schlagartig in Erinnerung gerufen, welch Verluste unser Land erlitten hat seit jenen Tagen, als Hamann an der Seite Loriots ihren Aufstieg im Fernsehen erlebte. Nicht nur in ihren alten Sketchen wirken diese beiden wie Botschafter aus einer anderen Zeit. Der Abend, an dem das Fernsehen Abschied nahm von Evelyn Hamann, führte uns vor Augen, wie konsequent sich sowohl die Schauspielerin als auch ihr Ziehvater Loriot - er stand bei „Beckmann“ Rede und Antwort - den Gesetzen, die die Medienwelt ihren prominenten Bürgern vorschreibt, stets verweigert haben.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Evelyn Hamann war eine Volksschauspielerin, die sich dem Volke mit Leib und Seele hingab - in ihren Rollen. Mit ihrem Witz und ihrer Gabe, auch verschrobenste Charaktere zu Sympathieträgern aufzubauen, wurde sie zu einem Publikumsliebling, der - und darin war sie heutzutage fast ein Solitär - seine Popularität ausschließlich seiner Arbeit verdankte. Hamann war „eher öffentlichkeitsscheu“, sagte Johannes B. Kerner in seiner ZDF-Sondersendung nach den „heute“-Nachrichten, was eine klare Untertreibung war. Homestories ließ sie nicht zu, von Fernsehshows und roten Teppichen hielt sie sich fern. Nur einmal hat sich Hamann, wie Ausschnitte in den Gedenksendungen belegten, auf die „Wetten, dass...?“-Sitzgruppe verirrt, wo sie wie stets Haltung bewahrte und doch deplaziert wirkte.

          Keine Skandale und Skandälchen

          Evelyn Hamann war von einer Diskretion, die von einer Gesellschaft, die ihre Stars als Gemeingut betrachtet, als schiere Zumutung empfunden werden musste. So traf ihr Tod alle, die nicht zum engsten Freundeskreis zählten, überraschend, und so griffen die Medien zur Floskel der „kurzen, schweren Krankheit“, obgleich jene, was jedoch nur die wenigsten wussten, so kurz beileibe nicht war. Mit der ihr eigenen Disziplin und Zurückhaltung war es ihr gelungen, auch diesen Teil ihres Lebens verborgen zu halten. Der Produzent Markus Trebitsch, einer ihrer Vertrauten, erstickte bei Kerner vorsorglich den Keim jeglichen Verdachtes, der aufzukommen pflegt, wenn die Öffentlichkeit sich ausgeschlossen fühlt: „Skandale und Skandälchen“, so Trebitsch, die habe es nicht gegeben bei Evelyn Hamann.

          Zwiegespräch mit Mops: Loriot bei Beckmann

          Auch wenn, gewiss zum Bedauern von Kerner, seine Gesprächsrunde mit privaten Details nicht dienen konnte, schärfte sie doch die Konturen des Bildes, das wir von der Schauspielerin haben. Präzise und perfektionistisch war Evelyn Hamann, die beim Drehbeginn einer Serie den Text nicht nur einer, sondern gleich sämtlicher Folgen parat hatte und daher die Bücher einer Serie schon Monate vorher anforderte - und „Gnade mir Gott, wenn sie nicht fertig waren“, erinnerte sich Trebitsch. „Als Freund war's eine große Freude mit ihr, aber als Produzent war's schwierig.“ Rudolf Kowalski, der an ihrer Seite bei Loriot und später in ihren Fernseh-Specials auftrat, sagte: „Sie hat's sich nicht leicht gemacht, auch nicht dem Team.“ Dass das Ergebnis die Anstrengung, die man ihm nicht ansah, wert war, zeigten die unverwüstlichen Sketche mit Hamanns Fräulein Hildegard und Frau Hoppenstedt, die inhaltlich nach wie vor aktuell und vom Rhythmus doch ein wenig aus der heutigen Fernsehzeit gefallen sind. „Manchmal braucht's einen ganzen Sketch und in voller Länge“, sagte Kerner, wie um sich beim Publikum zu entschuldigen, dass die Schnittfolge eben nicht rasanter war.

          Falsche Reihenfolge

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