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Absage : Wallraff darf nicht in Moschee lesen

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Will um seine Lesung kämpfen: Wallraff Bild: ddp

Günter Wallraff darf in der Kölner Moschee nicht wie geplant aus dem umstrittenen Roman „Die Satanischen Verse“ von Salman Rushdie lesen. Die Türkisch-Islamische Union (Ditib) lehnte am Montag entsprechende Pläne ab.

          Der Autor Günter Wallraff wird seine in der Kölner Moschee geplante Lesung aus dem umstrittenen Roman „Die Satanischen Verse“ von Salman Rushdie nicht durchführen können. Die Türkisch-Islamische Union (Ditib) lehnte am Montag entsprechende Pläne Wallraffs ab. Eine Lesung auf dem Moscheegelände komme aus Sicht der Ditib „sicherlich nicht in Frage“, teilte die Organisation mit.

          Unterdessen sagte Wallraff, dass er wegen seines Vorhabens von islamistischen Extremisten mit dem Tod bedroht werde. Diese Drohungen würden bereits seit einiger Zeit auf einer einschlägigen islamistischen Webseite verbreitet. Wallraff betonte, Experten aus Sicherheitskreisen hätten ihm geraten, die Morddrohungen ernst zu nehmen. Weder die Kölner Polizei noch die Staatsschutzbehörde wollten sich auf Anfrage am Montag dazu äußern.

          „Provokanter Beitrag“

          Die Ditib verurteilte die Drohungen, machte aber zugleich klar, dass sie der Idee einer gemeinsamen Veranstaltung zu den „Satanischen Versen“ zurückhaltend gegenüberstehe. Bei dem letzten gemeinsamen Treffen vor knapp zwei Wochen habe man sich mit Wallraff über den Charakter einer solchen Veranstaltung nicht einigen können. Wallraffs Vorschlag sei ein „provokanter Beitrag im Rahmen einer Debatte“ gewesen. Selbstverständlich würde eine solche Lesung die religiösen Gefühle der Muslime verletzen.

          Bei einer öffentlichen Diskussion mit Vertretern der Ditib hatte der Autor im Sommer eine Lesung aus Salman Rushdies umstrittenem Werk in der Kölner Moschee vorgeschlagen. Einige Funktionäre der Ditib hatten damals aufgeschlossen auf die Idee reagiert. Wegen der Darstellung des Propheten Mohammeds in dem Buch war Rushdie im Jahr 1989 vom iranischen Staatschef und Religionsgelehrten Ayatollah Chomeini mit einer sogenannten Fatwa belegt worden. Damit wurden Muslime auf aller Welt zur Tötung des Schriftstellers aufgefordert. Rushdie lebte daraufhin mehrere Jahre unter Polizeischutz und an ständig wechselnden Wohnorten. Nach eigenen Angaben hatte Wallraff dem verfolgten Autor einige Zeit Unterschlupf gewährt.

          Wallraff will kämpfen

          In einer ersten Reaktion zeigte sich Wallraff am Montag überrascht von der Haltung der Ditib. Er werde weiter um die Veranstaltung kämpfen: „Bei diesem Thema bin ich Zweckoptimist“, sagte er. Es sei ohnehin nicht vorgesehen gewesen, die Lesung im „Allerheiligsten“ der Moschee abzuhalten. Er könne sich auch eine Veranstaltung in einem Zelt auf dem Parkplatz der Moschee vorstellen. Eventuelle Kosten dafür wolle er übernehmen.

          „Ich sehe mich in der Pflicht, einen Beitrag zur Integration zu leisten“, so Wallraff. So stelle er derzeit ein Buchpaket mit Klassikern der Weltliteratur zusammen, das er der Bibliothek der Moschee spenden wolle. Wallraff will nun in die Türkei reisen und dort direkt mit der staatlichen Religionsbehörde verhandeln, deren deutscher Ableger die Ditib ist. Schon jetzt sei seine Idee ein Erfolg: „Die Kölner Moscheegemeinde hat sich als erste in Deutschland öffentlich von dem Mordaufruf gegen Rushdie distanziert“, sagte der Autor.

          Nach eigenen Angaben wird Wallraff im Internet von Islamisten bedroht. Die Organisation „Islam News Center“ habe ihn im Internet als „Islamfeind Nummer eins“ bezeichnet, sagte Wallraff am Montag in Köln. Die Ditib verurteile die Drohungen „auf das Schärfste“.

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