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Rekordstrafe für Mirror-Verlag : Teuerster Abhörskandal

  • -Aktualisiert am

10.000 Pfund pro Jahr pro Jahr für das Abhören ihrer Mailbox: Das Gericht hat genau festgelegt, wie Opfer wie Sadie Frost entschädigt werden müssen. Bild: dpa

Dreißigtausend Pfund für den anhaltenden Kummer: Ein Londoner Gericht hat den Zeitungsverlag Trinity Mirror zu Entschädigungszahlungen an die prominenten Opfer seiner Überwachung verurteilt. Und eine Bemessungsskala festgelegt.

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          Der Hohe Gerichtshof in London hat Trinity Mirror, den Verlag der Boulevardzeitungen „Daily Mirror“, „Sunday Mirror“ und „Sunday People“, zu Entschädigungszahlungen von 1,25 Millionen Pfund für die Verletzung der Privatsphäre in acht Fällen durch das Abhören der Mailboxen von Prominenten verurteilt. Zu den Opfern gehört der Fußballspieler Paul Gascoigne, der mit 188.250 Pfund entschädigt wird. Die Schauspielerin Sadie Frost erhält 260.250 Pfund. Das sind Rekordsummen, der bisherige Höchstbetrag lag bei 60.000 Pfund. Dieser wurde dem ehemaligen Formel-1-Präsidenten Max Mosley 2008 zugesprochen, als er gegen die inzwischen eingestellte Sonntagszeitung „News of the World“ vorging.

          Auch betroffen: der ehemalige Fußballspieler Paul Gascoigne
          Auch betroffen: der ehemalige Fußballspieler Paul Gascoigne : Bild: AP
          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Der Richter erklärte die Höhe der Beträge mit der Häufigkeit und der Dauer der Übergriffe. In dem dreiwöchigen Zivilverfahren haben die Opfer dargelegt, wie ihr Privatleben durch das Misstrauen zerstört worden sei, das die in die Presse durchgesickerten Einzelheiten erzeugt hätten. Der Richter hat eine an der Dauer, dem Ausmaß und der Wirkung orientierte Skala für die Bemessung der Entschädigungen festgelegt. Sie dürfte als Richtlinie für künftige Verfahren gelten. So schließt die Auszahlung an Sadie Frost neben der Entschädigung für die Veröffentlichung von dreißig Berichten im Laufe von vier Jahren auch 40.000 Pfund für das Abhören ihrer Mailbox (10.000 Pfund pro Jahr) ein sowie 30.000 Pfund für den anhaltenden Kummer und 10.000 Pfund für die Ausforschungen, die Privatdetektive im Auftrag der Zeitungen unternahmen.

          Einer der Opfer-Anwälte sagte, das industrielle Ausmaß, in dem die Mirror-Gruppe Prominente abgehört habe, lasse die Vorgänge bei Rupert Murdochs „News of the World“ wie eine kleine Heimindustrie wirken. Nach dem Urteil hat Trinity Mirror in Erwartung weiterer Klagen seine Kasse aufgestockt, aus der Entschädigungen gezahlt werden sollen. Zunächst wurden dafür zwölf Millionen Pfund zurückgelegt, nun kommen weitere sechzehn Millionen Pfund hinzu. Es stehen bereits rund siebzig weitere Fälle an, und es wird damit gerechnet, dass noch weitere Opfer auf der Bildfläche erscheinen. Beobachter meinen, die Kosten könnten sich für die Trinity-Mirror-Gruppe am Ende auf dreihundert Millionen Pfund summieren.

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