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Abhöraffären bei SZ und taz : Der Spion, der sie siebte

Zentrale der taz an der Berliner Kochstraße Bild: Picture-Alliance

Die „Süddeutsche Zeitung“ und die „taz“ haben dieser Tage eines gemein: einen Whistleblower (oder Spion) in den eigenen Reihen. Bei dem handelt es sich möglicherweise sogar um ein und dieselbe Person.

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          Es begann damit, dass der „taz“-Redakteur Sebastian Heiser am 16. Februar in seinem persönlichen Blog von seiner Zeit in der Beilagen-Redaktion der „Süddeutschen“ berichtete. Das waren ganze zehn Wochen im Frühjahr 2007 und für Heiser offenbar eine apokalyptische Erfahrung in seinem Traumjob, dem Journalismus.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Bei den Verlagsbeilagen, an denen er mitarbeitete, sei es nämlich nicht um aufklärende, gar investigative Informationsarbeit gegangen, sondern darum, die Leser vom Kauf der in den Artikeln angepriesenen Dinge zu überzeugen - jeweils nach der Maßgabe der Anzeigenkunden, die man für die Beilage zu gewinnen suchte. Eine Win-Win-Situation für Verlag und Anzeigenkunden, eine Loose-Loose-Situation für die Leser.

          Machte die SZ Werbung für Steuerhinterziehung?

          Denn denen, so behauptet Heiser, seien Finanzanlagen im Ausland ans Herz gelegt worden, durch die man in Deutschland fälligen Steuern ausgewichen wäre. Dies sei „unverhohlene Werbung für Steuerhinterziehung“ gewesen. Heiser beschreibt seinen Arbeitsalltag bis ins Detail, gibt sogar Einzelheiten und Zitate aus Gesprächen an. Doch was hat ihn bewogen, erst jetzt, acht Jahre später, damit rauszurücken? Sein Motiv beschreibt er wie folgt: „Offshore-Leaks, Lux-Leaks und jetzt Swiss-Leaks: Die Süddeutsche Zeitung ist das Sturmgeschütz des Finanzamts. Die Redaktion veröffentlicht regelmäßig Informationen aus internen Bankunterlagen, an die sie durch Whistleblower kommt. Was die Zeitung nie erwähnt: Dass sie selbst ihre Leser auf die Steuerhinterziehung im Ausland hingewiesen hat und sich dafür von den Banken bezahlen ließ.“

          Das aber wird von der Zeitung heftig bestritten. Der stellvertretende Chefredakteur Wolfgang Krach sagte dem Fachdienst „Meedia“, dass auf der betreffenden Sonderseite zum Thema „Geldanlage im Ausland“ vom 30. Mai 2007 nicht Werbung für Steuerhinterziehung betrieben worden sei. Es sei vielmehr darüber informiert worden, dass deutsche Anleger nach Schätzungen der Deutschen Steuer-Gewerkschaft im Ausland zirka 350 Milliarden Euro unversteuertes Geld angelegt hätten. Des weiteren sei es in einem Artikel auf der Sonderseite darum gegangen, auf legale Geldanlagen im Ausland zu verweisen, auf die Steuern zu zahlen seien, womöglich aber weniger als in Deutschland.

          Heimlich mitgeschnittene Gespräche

          Frappierend war nicht nur der Vorwurf des „taz“-Redakteurs Heiser selbst, sondern auch die Art und Weise, in der er ihn untermauerte - unter anderem mit Audio-Mitschnitten von Gesprächen, die darlegen sollen, welcher Geist in der Beilagen-Redaktion der SZ wehte. Er hatte also heimlich Gespräche mitgeschnitten und hat sie jetzt veröffentlicht. Das brachte ihm nicht wenig Kritik an. Rechtfertigen seine Vorwürfe dieses Vorgehen? Heiser stößt hier an die Frage von der Verhältnismäßigkeit der Mittel, mit denen sich investigativer Journalismus stets beschäftigen muss. Schließlich gilt in diesem Land auch die Vertraulichkeit des Wortes.

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