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Lappland-Doku bei 3sat : Mit etwas Glück kommt ein Schneesturm

  • -Aktualisiert am

Auf den Huskie gekommen: Das Schlittenteam in der Weite Lapplands. Bild: ZDF und SRF/Jaakko Posti

Schlicht, aber schön: In der Reportage „Abenteuer Lappland“ fahren fünf Schweizer im Hundeschlitten durch eine dunkle Winterlandschaft. Ist das der endgültige Aussteigertraum?

          2 Min.

          Verlockende Vorstellung: fünf Tage im nordfinnischen Schnee, einfach nur bei sich selbst sein, während die Hunde den Schlitten voranziehen und die kargen Wälder vorbeiwehen. Die Hunde hecheln. Die Kufen knarzen. Der Wind schlägt kalt ins Gesicht. Am Abend ein Feuer. Die Huskies, satt vom Fleisch, das wir in einer Kiste für sie aufgetaut haben, singen neben den Zelten liegend ein Gutenachtlied.

          Sich auf die Ruhe einzulassen, die eine solche Reise in die dunkle Winterlandschaft Lapplands verspricht, braucht indes seine Zeit. Das gilt auch für die Doku „Abenteuer Lappland“, die das Schweizer Fernsehen über fünf Landsleute drehte, die im Dezember an einer solchen Tour teilnehmen durften. Ihre Bilder, teils vom Passagiersitz gleich hinter dem Hundegespann und teils von einer Drohnenkamera aufgenommen, mit der die bunten Schlitten noch verlorener in der Landschaft als ohnehin schon erscheinen, geraten erst ruhiger und malerisch schön wie erhofft, als die Reisegruppe bereits eine ganze Weile unterwegs ist.

          Eine Art „Flow TV“ wird trotzdem daraus – sogar trotz der Erklärstimme, die uns in den generösen 135 Minuten Sendezeit pausenlos zu erläutern versucht („Und da ist es: das Gefühl von Freiheit“, „Eine Stimmung: speziell, mystisch“), was in einer Reportage, die von einem eher stummen, weil einsam hinter fünf Schlittenhunden zu verbringenden Moment Seelenruhe handelt, doch eigentlich allein mit Bildern gezeigt werden kann.

          Hundekraulen im Dunkeln

          Der Trick von „Abenteuer Lappland“ besteht darin, dass sich Frank Senn, Jacqueline Schwerzmann und Denise Schweiter nicht einfach an die Fersen des Schlittenprofis Juho Ylipiessa heften, der in Kurtakko nördlich des Polarkreises mit 29 Alaskan Huskies lebt, mehrere Langstreckenrennen pro Winter bewältigt, sein Einkommen mit Touristentouren bestreitet und Dinge sagt wie: „Wenn wir Glück haben, gibt es vielleicht einen oder zwei Schneestürme.“

          Vielmehr gibt uns der Film mit den fünf Durchschnittsmenschen aus Mitteleuropa, denen Guide Ylipiessa erst einmal mit ernster Finnenmiene erklärt, wie die Hunde eingespannt, gelenkt und gepflegt werden müssen – die wichtigste Regel: Erst essen die Hunde, dann isst der Mensch –, die Möglichkeit zur Identifikation, wie es auch andere Doku-Soaps tun. Eine Managerin ist mit von der Partie, die dringend eine Abwechslung zum Alltag braucht. Eine junge Physiotherapeutin, die mal ihre „Komfortzone“ verlassen will. Eine Dozentin mit drei Kindern hofft auf Zeit für sich, ein Brunnenmeister, der die stärksten Huskies vor den Schlitten bekommt und prompt bei einer der ersten Abzweigungen die falsche Strecke erwischt, ist der Senior im Team.

          Und dann gibt es noch eine Software-Managerin, die Mitte vierzig ist, seit fünf Jahren weiß, dass sie Parkinson hat und sich darauf einstellen muss, trotz der Medikamente bald nicht mehr laufen zu können. Das ist recht emotional und wird es auch bleiben. Wobei „Musher“ Ylipiessa als erfahrener Guide selbstverständlich darauf zu achten versucht, dass die Gruppe die geplante Strecke von 200 Kilometern, zu der auch Übernachtungen bei starken Minusgraden und Abfahrten gehören, bei denen die frischgebackenen Schlittenhundeführer stets auf den Bremsen stehen müssen, gemeinsam abschließt.

          Am Ende – einziger Zwischenfall ist die leichte Verletzung eines Tiers, das per Schneemobil abgeholt wird – wird die Frau mit Parkinson ebenso glücklich über die bewältigte Herausforderung sein wie die Mitstreiterin, die in Tränen ausbricht, als sie in der Finsternis des finnischen Dezembernachmittags einen ihrer Hunde krault, an die nahende Rückreise denkt und von der Bindung spricht, die zwischen ihr und den Tieren innerhalb der kurzen Zeit aufgebaut wurde. Gäbe es einen Knopf für „jetzt beamen“: Wir würden ihn angesichts dieser schlichten Doku drücken und drücken. Bevor dann in drei Wochen in Sachen Arktis endlich die deutsch-finnische Krimireihe „Arctic Circle“ anläuft.

          Abenteuer Lappland läuft an diesem Montag um 20.15 Uhr auf 3sat.

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