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TNT-Serie „4 Blocks“ : Mein Clan, mein Block, mein Gesetz

Misstrauen am Steuer: Kida Khodr Ramadan als Ali „Toni“ Hamady, Frederick Lau als Vince und Veysel Gelin als Abbas Hamady (von links). Bild: TNT Serie

Nah dran: Die Serie „4Blocks“ bannt die kriminellen Machenschaften einer arabischen Großfamilie in starke Bilder. Und das ohne pädagogische Beschwichtigung.

          4 Min.

          Drecks-Multikulti“, spuckt der Gangster Ali Hamady (Kida Khodr Ramadan) verbal aus, als er auf einem Kontrollgang durch sein Hoheitsgebiet in Neukölln orientalische Straßenmusiker sieht. „Ich hasse diese Dreckshipster, haben den ganzen Bezirk auseinandergenommen“, sagt einer seiner Getreuen, nachdem er einen gewaltfreie Ernährung feilbietenden Bio-Neuankömmling beinahe in seinem Spülbecken ertränkt hat. Wie hätte der bärtige Amerikaner auch ahnen können, dass die Herren vom Hamady-Clan nicht gekommen sind, um vegane Snacks zu kosten. Sie belehren – Muster der Integration – den englischsprachigen Imbissbesitzer: „This is Germany, you must speak German“, dann tauchen sie ihn unter Wasser. Nur eine kleine Warnung. Er stellt jetzt Spielautomaten auf, das Geld geht an den Clan.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Bloß eine Fingerübung für die Familie arabischer Schwerverbrecher, die mit Kokainhandel, Schutzgelderpressung und Prostitution in „4 Blocks“ ein Vermögen gemacht und das Gewaltmonopol an sich gerissen hat. Wer sich ihnen in den Weg stellt, dem brechen sie die Beine, dessen Existenz vernichten sie, auch vor Mord schrecken sie nicht zurück. Die Polizei muss die Täter, um die sich ein Kartell des Schweigens legt, immer wieder laufenlassen. Im Blick des Ermittlers Kutscha (Oliver Masucci) gefriert ohnmächtiger Hass.

          Höllentrip durch den Kiez

          Kein anderer Sender als ein kleiner Bezahlkanal, der sich um maximalen Konsens, wie ihn das öffentlich-rechtliche Behaglichkeitsfernsehen allzu oft auszeichnet, nicht scheren muss, wäre wohl dieses Wagnis eingegangen: eine deutsche Krimiserie aufzulegen, die nach realen Vorbildern konsequent aus der Perspektive krimineller Ausländer erzählt. Und das mit einer Schonungslosigkeit, wie man sie hierzulande auf dem Schirm noch nicht gesehen hat.

          Drei Jahre haben die Drehbuchautoren Hanno Hackfort, Bob Konrad und Richard Kropf für den Sechsteiler von TNT auf Recherchen über die Machenschaften arabischer Großfamilien in Berlin verwandt. Marvin Kren, der sich als Regisseur mit Horrorfilmen und dem historischen Mafia-Fernsehkrimi „Mordkommission Berlin 1“ einen Namen gemacht hat, schrieb am Buch mit und setzte es in Szene. Gleich die erste Sequenz schickt den Zuschauer auf einen Trip ins Milieu: Mit dem Mofa der Drogenkuriere Issam und Zeki (Emilio Sakraya und Rauand Taleb), zwei armen Unterteufeln, von denen einer ein altes Deutschlandtrikot und Palästina-Anhänger trägt, geht es zu Deutsch-Rap in den Park. Die satten Bilder sind so schnell montiert wie die Reime; Moritz Schultheiß’ Kameraführung schafft distanzlose Unübersichtlichkeit – auf der Straße, in den Clubs, wo Pole-Tänzerinnen sich in blitzendem Licht an Stangen winden, im Auto mit den Gangstern und wann immer die Gewalt explodiert.

          Jederzeit kann es zum Äußersten kommen

          Wir sind ganz nah dran, wenn Männer einander mit Fäusten und Eisenstangen halbtot prügeln, das Blut spritzt, als ein Polizist erschossen wird und ein Junkie verreckt. Vor allem aber hat Kren seine Lektionen in Sachen Suspense gelernt. Jederzeit kann es zum Äußersten kommen. Die Mafiamethode, mit Drohungen zu terrorisieren und Macht auszuüben, nur um dann und wann ohne Vorwarnung mit voller Härte zuzuschlagen, ist auch das dramaturgische Prinzip der Miniserie.

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