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Dokumentation „Malala“ bei 3sat : Sie ist die frechste Schwester der Welt

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Starke Frau mit starkem Willen: die Pakistanerin Malala Yousafzai Bild: ZDF/ORF

Sie überlebte ein Attentat der Taliban und wurde zum Symbol für den Kampf um Frauenrechte: 3sat porträtiert die Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai.

          Für manche ist die Aktivistin und Friedensnobelpreisträgerin von 2014, Malala Yousafzai, eine Kunstfigur. Für andere ist sie ein feministisches Symbol der Hoffnung. Selbst eine „Hoffnung für die Menschheit“ wurde sie schon genannt. Wer, kaum sechzehnjährig, Bono und Hillary Clinton, die Queen und Barack Obama getroffen hat; wer als Teenager vor den Vereinten Nationen reden durfte und mit Menschenrechtspreisen ausgezeichnet wurde, muss wohl einen mächtigen Apparat im Hintergrund beschäftigen, sagen ihre Gegner.

          Demnach wäre Malala aus dem Swat-Tal, kaum hundert Kilometer von Islamabad gelegen, durch die Berge aber Welten von großstädtischem Leben entfernt; eine junge Frau, die als Jugendliche in Pakistan für das Recht auf Bildung eintrat, von den Taliban deshalb auf die Todesliste gesetzt wurde und mit schweren Kopfverletzungen das Attentat auf ihren Schulbus knapp überlebte, nichts als eine Marionette vor allem für die politischen Ambitionen ihres Vaters.

          An einer Stelle wird der Film wortkarg

          Der Film „Malala – Ihr Recht auf Bildung“, der durchaus eine Heldinnengeschichte erzählt, verschiebt mit Absicht die Akzente. Er porträtiert eine junge Frau, deren Wille genauso stark ist wie ihr persönlicher Zugang zum Koran, aus dem sie unbedingte Friedfertigkeit und Barmherzigkeit herausliest. Er zeigt ihre intellektuelle Biografie als beispielhaft, aber ohne hagiografischen Kniefall. Und er porträtiert ihren bemerkenswerten Vater Zia Yousafzai, liberaler Schulgründer, Feminist und Vorbild an Stärke für seine Tochter. Seelenverwandte, sagen beide.

          Für die Mutter und die beiden Brüder scheint die Hingabe beider ans politische Engagement zum Teil unverständlich. An dieser Stelle wird „Malala – ihr Recht auf Bildung“, ein Film, der aus einer Fülle an aktuellen und Archivaufnahmen, poetisch gezeichneten Animationen und Nachrichtenmaterial schöpft, wortkarg. Was sagt man über eine Schwester, die Eltern der von Boko Haram entführten Mädchen trifft und vom entgeisterten nigerianischen Staatspräsidenten in einer Pressekonferenz unerschrocken mehr Initiative einfordert? „Sie ist die frechste Schwester der Welt.“ Und spielt abends mit allen „Slapjack“-Kartenspiel am Küchentisch.

          Die afghanische Sage von Malala

          Wie lebt es sich als Ikone, für die sogar Alicia Keys eine Hommage geschrieben hat? 2013 in Birmingham: Hier wohnt Malala nach Notoperationen und Therapien nun mit ihrer Familie im Exil. Der amerikanische Dokumentarfilmer Davis Guggenheim begleitet sie in seinem 2015 uraufgeführten Film in ihrem Alltag zwischen Familienleben, Schule und Reisen für ihre Bildungsorganisation. Der Film beginnt mit einer afghanischen Sage, in der eine mythische Person namens Malala als muslimische Johanna von Orléans ihr Volk aus der Unterdrückung führt. Effektvoll schneidet er Szenen gegeneinander und inszeniert ihr Leben so als Doppelleben.

          Der Kinderrechtsaktivist Laureates Kailash Satyarthi (rechts) und Malala Yousafzai präsentieren ihre Friedensnobelpreise nach der Verleihung in Oslo im Dezember 2014.

          In der Schule fühlt sie sich fremd zwischen den Mitschülerinnen, deren Alltag sich um Boyfriends und Gruppenzugehörigkeit dreht. Sie, die immer Klassenprima war, wurmen schlechte Noten aufgrund ihrer Abwesenheiten mehr als der Zwang zur Schuluniform mit kurzem Rock. Sie ärgert, dass ihr sprachliches Differenzierungsvermögen, unüberhörbar eine der Grundlagen ihrer rhetorischen Begabung, im Englischen hinter ihren eigenen Erwartungen zurückbleibt. Eine Wand des Hauses bedecken gesammelte Post-its mit interessanten neuen Wörtern. Das Wort „Wissensdurst“ scheint für eine wie Malala erfunden zu sein.

          Für den Filmemacher Davis Guggenheim ist und bleibt Malala ein Faszinosum. Sie ist eln Symbol für den Kampf der Frauen um das Recht auf Befreiung aus der von Männern verordneten Unmündigkeit. Aber in ihrem Bücherregal steht der Bestseller „I Am Malala“ ganz hinten. Aufgeschlagen zeigt er eine Widmung von Malala an Malala: Sie macht sich selbst Mut. Den vermittelt auch diese Dokumentation.

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