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Dating-Apps und Liebe : Das ist alles harte Arbeit

Kommt sie noch? „Ghosting“ ist ein Phänomen des Onlinedatings. Bild: Clem Onojeghuo

In Deutschland gibt es 20,5 Millionen Singles. Zehn Prozent von ihnen verabreden sich per Smartphone. Eine 3sat-Dokumentation ergründet, wie nah wir dem Ende der Romantik sind.

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          Dass Dating Teil der Konsumkultur geworden ist, war bekannt, lange bevor an jeder Bushaltestelle ein porenloser Single vor rotem Hintergrund darauf wartete, sich zu verlieben. Was mit Erich Fromm begann, führte die Soziologin Eva Illouz fort, jetzt geht es daran, mit den gewonnenen Freiheiten umzugehen und zu beobachten, wie sie das Zusammenleben verändern. Wohin mit der Angst vor der Austauschbarkeit? Welchen sozialen Rahmen braucht es, um Gefühle zu entwickeln? Sind Datingplattformen wirklich soziale Orte, an denen Menschen wie beim Barabend interagieren? Und: Überbrücken sie Unterschiede oder vertiefen sie die soziale Spaltung?

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          20,5 Millionen Menschen in Deutschland sind Singles, auf über 2500 Plattformen können sie sich nach Partnern umsehen. In Deutschland nutzen momentan 9,6 Prozent der Bevölkerung Datingapps. Warum es in Österreich nur 6,3 Prozent sind, böte Stoff für einen anderen Film. Constanze Grießler und Franziska Mayr-Keber haben für ihre Dokumentation „Liken, Daten, Löschen“ zahllose Gespräche geführt, mit Date-Doktoren, Benimmpäpsten und Dating-Queens, mit Sarah aus Wien, 37, die seit sechs Jahren Single ist und sehr hübsche, stereotype Erwartungen an ihre Dating-App hat, vom Gefühl beim Anblick eines Fotos bis zur Interpretation der Angabe eines Mannes, nichts mit One-Night-Stands anfangen zu können.

          „Kühle Berechnungen auf Basis der Liebe“: Tinder hat im vergangenen Jahr mehr als eine Million zahlende Kunden gewonnen.

          Es geht also um die gesamte Bandbreite des digitalen Sich-Verliebens und seine Auswirkungen. Und weil es Zuschauer gibt, die Tinder noch mit Twitter verwechseln, holt die Dokumentation sie ab, verrät „Die Auswahl erfolgt per Foto“ und „Bei Gefallen wird nach rechts gewischt“ und blickt zurück in die Geschichte des Datings, bevor der selbsternannte Datedoktor Emmanuel Albert zu Wort kommt. Für seine Dienste erhält er zwei bis fünf Euro pro Minute (die einzig zulässige Zeiteinheit der Branche). Viel schwieriger, sagt er, sei es heute, die passende Beziehung zu finden, und dass sich Frauen der etablierten Jäger-Beute-Rollenverteilung widersetzten, mache es nicht einfacher. Mit hilfsbedürftigen Frauen und zupackenden Männern habe er „wunderbare Ergebnisse“ erzielt. Sarah, 37, stellt fest, dass sie vom Datedoktor nichts Neues gelernt hat.

          Der Fokus der Experten ist kritisch: Die Historikerin Moira Weigel spricht von einer „Sprache der Erschöpfung“, Dating werde zunehmend als Arbeit wahrgenommen. Die Sexualtherapeutin Heike Melzer warnt vor einer übersexualisierten Gesellschaft, in der Voyeurismus und Fetischismus Normalität würden. Die Filmemacherinnen halten sich mit Wertungen zurück, sammeln Bekanntes und Entlarvendes und präsentieren es mit erkennbarem Vergnügen. Am Ende braucht es einen Komiker und Whitney Wolfe, Chefin der Dating-App Bumble, um all dem Misstrauen etwas Zuversicht entgegenzusetzen: Das Alltagsleben, sagt sie, sei voller Anpassungsdruck. In der Dating-App könne man ihm entfliehen.

          Liken, daten, löschen – Liebe und Sex im Zeitalter des Internets, heute, um 20.15 Uhr, auf 3Sat.

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