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2013 im Fernsehen : Das ist spitze!, sagt der Moderator

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Adieu, es war schön mit euch! Bryan Cranston als Walter White und Aaron Paul als Jesse Pinkman in „Breaking Bad“ Bild: AP

Auch 2013 haben uns Fernsehen und Radio einiges geboten. Wir küren ein paar beste Stücke des Jahres. Und den größten Flop.

          Von einem Alzheimer-Drama zu sagen, es habe Stil, mag unsensibel und gefühllos anmuten. Denn die Krankheit kommt als sukzessive Persönlichkeitsauslöschung daher, Würdeverlust inklusive. Die Auslöschung heißt folgerichtig das Alzheimer-Drama des Regisseurs Nikolaus Leytner, das im ORF wie in der ARD erstgesendet und inzwischen auch als DVD veröffentlicht wurde. Es erspart uns kein einziges Detail beim physischen und psychischen Verfall des Ernst Lemden, der gerade noch zu den Koryphäen der Kunstgeschichte zählte, nun aber sein Lieblingsbild (Lukas Furtenagels „Der Maler Hans Burgkmair und seine Frau Anna“ von 1529) kaum mehr erkennt – all die Deutungen, die er dem Gemälde widmete, hat er so restlos vergessen wie die Namen seiner Frau und seiner Kinder. Aber selbst wenn er die finalen Stadien der Krankheit zeigt, besteht Leytners Film auf Stil, sei es im Verweilen der Kamera (Hermann Dunzendorfer) bei den Interieurs einer Wiener Altbauwohnung, sei es in den Dialogen der nächsten Angehörigen über den Patienten, sei es in dessen letzten infantilen Glücksemphasen beim Anblick von Hühnern, Kühen und Heu auf einem Bauernhof. Gerade in dieser Szene riskiert Leytner ungemein viel, sind doch die Reminiszenzen an das Alzheimer-Schicksal des im Juni verstorbenen Schriftstellers, Kritikers und Tübinger Rhetorik-Professors Walter Jens nicht zu übersehen.

          Das ist sehr gut so, denn just die scheinbukolische Land-Miniatur verankert Lemdens Geschichte ohne jeden Voyeurismus in einer Wirklichkeit, die weh tut, weil sie plötzlich keine Fiktions-Distanz mehr erlaubt. Stil, weil Noblesse, hat die späte Liebesgeschichte, die dem Verfall vorangeht und deren zentraler Ort das Kunsthistorische Museum Wien ist. Dort begegnen sich die Restauratorin Judith Fuhrmann und der Fast-Emeritus Lemden ein erstes Mal, dorthin führen im Fortgang der Handlung manch äußerer Anlass, manch innere Notwendigkeit. Um für diese Liebe noch angemessen Zeit zu gewinnen, verfällt der Regisseur auf das scheinbar banalste aller dramaturgischen Mittel: „ein Jahr später“, „fünf Jahre danach“ oder „nach diesem Sommer“ lässt er zwischen die längeren Passagen des Films einblenden. Auch diese simple Manier erweist sich als famoser Kunstgriff, wissen wir jeweils doch sofort, dass die ausgesparte Zeit eine gute gewesen sein muss, eine bessere jedenfalls als jene, die nun folgt. Und dann die Schauspieler. Martina Gedecks Judith, Klaus Maria Brandauers Ernst: Es ist der Triumph verhaltener, wahrhaftiger Leidenschaft, den sie zeigen, es ist die lustvolle Intelligenz, ja Intellektualität, die sie in ihre Gespräche legen, es ist ein ungefiltert zärtliches, aber auch heiter ironisierendes Paar-Ballett, das sie in graziöser Alltäglichkeit tanzen. Es ist das Liebesfest gegen den Tod und vor dem Sterben. Sehr groß ist schließlich Brandauers Spiel mit der Krankheit, mit dem Kampf gegen sie – und mit der Niederlage, in die sie ihn zwingt. „Die Auslöschung“ ist ohne Frage der Fernsehfilm dieses Jahres.

          Jochen Hieber

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