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Geschichte im Fernsehen : Der Papst hat gerade ein Problem

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Privat sei er ganz nett, sagt er: John Doman spielt Rodrigo Borgia, der Papst Alexander VI. wurde Bild: dapd

Der Aufwand ist gigantisch: Für „Borgia“ wurde in Prag der Vatikan nachgebaut. Sie ist die teuerste Fernsehserie Europas - aber billiger als ihr amerikanisches Pendant, das ebenfalls die Geschichte der gleichnamigen Familie erzählt.

          Der Papst kann einem leidtun. Er hat heute schon fünf Stunden gearbeitet, und nun sitzt er matt auf einem Klappstuhl und beantwortet Journalistenfragen, zum Beispiel danach, ob er sich mit dem Gegenpapst messen könne. Seine Kardinäle stehen schon fürs Mittagessen an oder noch in der Schlange vor dem Dixiklo, ihre roten Umhänge wehen im Wind, während sie plaudern. Auf die Frage, was er so für ein Typ sei, sagt der Papst auf dem Klappstuhl, er sei doch eigentlich ein ganz netter Kerl, Morde hin, Mätressen her, und schaut aus schmalen Augen die Journalisten an, die sich über das Zitat freuen und ihm wenig später die Hand zum Abschied reichen.

          Dann hat auch der Papst Mittagspause. Im Catering-Zelt auf dem Gelände der Barrandov-Studios in Prag heißt er nicht mehr Papst Alexander VI., sondern John Doman, und wer großartige Fernsehserien mag, kennt ihn als Deputy Police Commissioner William Rawls aus „The Wire“. Nun steht er wieder für eine Serie vor der Kamera, und nicht für irgendeine, sondern für die teuerste Fernsehserie Europas: „Borgia“. Es ist der Name einer Familie, die vielleicht als die „Sopranos“ der Renaissance gelten kann, zumindest insofern, als die Sippe sehr mächtig war, nicht gerade zimperlich und trotz aller Gewalt und Tricks irgendwie menschlich, manchmal sogar sympathisch. So jedenfalls wird es die Serie zeigen, die dieser Tage in Tschechien abgedreht wird und im Herbst im ZDF zu sehen sein soll. So oder so ähnlich wird es aber, und das ist ein kleines Problem, auch eine andere Serie zeigen, die schon fast fertig ist. Ihr Thema: ebenfalls die Borgias.

          Der Papst trinkt Cola aus Plastikbechern

          Es ist eben eine gute Geschichte, und dazu eine, die wirklich passiert ist: Ein Mann, Rodrigo Borgia, wird Papst, er hat illegitime Kinder und diverse Geliebte, und er will Macht und Geld. Dass der amerikanische Bezahlsender Showtime eine Fernsehserie über diese Familie in Auftrag gegeben hat und dass sich fast zeitgleich die Münchner Produktionsfirma Eos Entertainment gemeinsam mit Canal+ und Atlantique Productions aus Frankreich den Stoff vornahm, ist – ja, was eigentlich? Ein großer Zufall, ein kleines Problem für beide Teams, für den Zuschauer aber vor allem eines: gut. Denn er kann vergleichen, welches die bessere Serie ist – und ob sich John Doman mit dem Papst der Konkurrenz, dem Oscar- und Golden-Globe-Gewinner Jeremy Irons, messen kann.

          Die „Sopranos” der Renaissance? Die Borgias waren nicht gerade zimperlich

          Doman ist davon überzeugt, wie auch die Produzenten der europäischen „Borgia“-Folgen sicher sind, dass ihr 25-Millionen-Euro-Werk sich nicht hinter dem wesentlich teureren amerikanischen verstecken muss, wie Produzent Ferdinand Dohna selbstbewusst sagt. Nach mehr als hundert Drehtagen, mehr als einem halben Jahr sind nun fast alle Aufnahmen im Kasten, in der letzten Woche werden alle Szenen, die noch fehlen, wild durcheinander gedreht. Auf dem Tisch im Catering-Zelt stehen, als ob es das Ende des Drehs schon zu feiern gäbe, zwei Torten mit „Borgia“-Schriftzug, und der Papst kann hier Cola aus Plastikbechern trinken, auf Bierzeltbänken die Beine von sich strecken und andere Dinge tun, die Filmschauspieler gern, echte Päpste vermutlich eher selten tun.

          Wiederentdeckung einer kleinen Kapelle

          Genau weiß man das ja leider nicht, denn der Heilige Vater stand für Homestorys noch nie zur Verfügung. Neugierig sind die Menschen trotzdem, und wenn sie wüssten, dass dieser Alexander VI., wenn er ein Facebookprofil hätte, als Beziehungsstatus „Es ist kompliziert“ wählen müsste, wären sie es erst recht. Frauen, Geld, Macht, Bling-Bling – was heute jeder Rapper will, hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche schon vor fünfhundert Jahren.

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