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Neue Netflix-Serie : Botschaften eines verzweifelten Mädchens

  • -Aktualisiert am

Unbekannter Tonträger: Clay (Dylan Minnette) hat Hannahs Tonbotschaften erhalten. Bild: Beth Dubber/Netflix

Die Serie„13 Reasons Why“ handelt vom Suizid einer Schülerin. Sie hat ihre Geschichte auf Tonbändern hinterlassen und lässt so ihren Mitschülern keine Ruhe: Wäre ihr Tod zu verhindern gewesen?

          2 Min.

          Hannah Baker hat sich das Leben genommen. Nichts schien darauf hinzudeuten. Die Highschool-Schülerin war klug, sie war hübsch, und sie träumte von New York. Es schien, als stünde sie über all den Ränkespielen an ihrer Schule. Doch dieser Eindruck täuscht. In Wahrheit ertrug Hannah die Schmähungen und Gemeinheiten ihrer Mitschüler nicht mehr. Davon erzählt die Serie „13 Reasons Why“ – von enttäuschten Hoffnungen, Verrat und der Macht sozialer Medien.

          Hannah bleibt in dieser Adaption des gleichnamigen Jugendromans von Jay Asher („Tote Mädchen lügen nicht“) durch Rückblenden omnipräsent. Sie ist die Erzählerin. Vor ihrem Tod hat sie dreizehn Kassetten bespielt. Auf den altertümlichen Tonträgern erzählt Hannah in dreizehn Folgen, wie es ihr ergangen ist, seit sie als „Neue“ an ihre Schule kam. Die ersten Rückblenden zeigen, dass es bergab ging, als sie Justin (Brandon Flynn) kennenlernte. Justin war genau ihr Typ. Ein gutaussehender, selbstbewusster Basketballer der Highschool-Mannschaft, auf dem Feld kein Haudrauf, sondern eher ein filigraner Typ. Nach einer Party telefonieren die beiden, treffen sich, auf einem Spielplatz kommt es zum ersten, unschuldigen Kuss – mehr nicht.

          Hannah ist beschwingt, Justin aber prahlt gegenüber den Kumpels mit seiner Eroberung und zeigt ein anzügliches Foto, das er von Hannah gemacht hat. Bryce, grobschlächtiger Footballer und auf der schulinternen Machtskala ganz oben angesiedelt, entreißt ihm das Handy und verschickt das Bild an die Mitschüler. Nun beginnt für Hannah (Katherine Langford) ein Spießrutenlauf. Das Foto hat die Runde gemacht, ihr vermeintlicher Freund würdigt sie keines Blickes mehr.

          Nicht einfach Schwarz und Weiß

          Über das Mädchen wird fortan getuschelt, das Rendezvous mit Justin wird in immer abenteuerlicheren Farben ausgemalt, die üble Nachrede wird größer und größer und zieht Kreise. Auf den Kassetten erzählt Hannah davon – nicht nur von Justin, sondern auch von zwölf anderen, die sie ebenfalls auf dem Gewissen haben. Dreizehn Angehörige der Highschool bekommen die Bänder nach einem nicht durchschaubaren Plan und in einer bestimmten Reihenfolge zugeschickt.

          Verzweifelt: Hannah Baker (Katherine Langford) ist die Hauptfigur in „13 Reasons Why“.

          „Ich habe so viele Geschichten über mich gehört, dass ich nicht weiß, welche die beliebteste ist. Ich weiß aber, welche am unbeliebtesten ist: die Wahrheit“, sagt Hannah. Mit der macht sie postum nun jene bekannt, die zuvor über sie, aber nicht mit ihr geredet haben. Bedrückend ist das insbesondere für Clay (Dylan Minnette), der eher ein Mitläufer ist, nachdenklich, freundlich, ziemlich schüchtern. Während die coolen Jungs mit dem Cabrio durch die Kleinstadt kreuzen, fährt Clay Fahrrad. Ihm fehlte die Courage, um bei Hannah zu landen, und ihm fehlte der Mut, den Wortführern der Schule entgegenzutreten. Ihn treffen Hannahs Schilderungen am härtesten, denn er weiß: Er hat zu oft weggeschaut. Er hat, wie die anderen, wie Hannahs vermeintlich beste Freundin, wie der Lehrer, die Signale der Verzweiflung ignoriert. Ihr hättet es sehen können, teilt Hannah ihnen allen mit.

          Schlüsselmoment: Gleich wird sich Bryce (Justin Prentice, Mitte) Justins (Brandon Flynn, 2. von rechts) Handy schnappen und ein anzügliches Bild von Hannah in Umlauf bringen.

          Jay Ashers Roman wurde, ohne dass der Verlag groß Werbung gemacht hätte, zum Bestseller und inzwischen in vierzehn Sprachen übersetzt. Sein Porträt eines verzweifelten Mädchens, das an der Aggression und Ignoranz seiner Mitmenschen zerbricht, setzen die Macher der Serie, die von der Schauspielerin Selena Gomez produziert wurde, mit all den Ambivalenzen um, die Ashers Figuren auszeichnen. Da gibt es kein Schwarz und Weiß, keine Überzeichnung, vielmehr die Schilderung eines fatalen Geschehens, zu dem jeder der dreizehn, die Hannahs Bänder erhalten, seinen Teil beigetragen hat, bewusst oder unbewusst. Auch Hannah erscheint nicht nur als unschuldiges Opfer, ihre eigenen Unzulänglichkeiten verschweigt „13 Reasons Why“ nicht. Buch und Serie machen es sich auch nicht zu einfach, indem sie die moderne Technik als Wurzel allen Übels ausgeben. Es sind noch immer die Menschen, die Nacktbilder weiterleiten und Gerüchte in die Welt setzen.

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