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Medien : Pressestimmen zum F.A.Z.-Walser-Streit

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In zahlreichen Kommentaren widmen sich die Zeitungen der Weigerung von Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", den neuen Roman von Martin Walser zu veröffentlichen.

          In zahlreichen Kommentaren widmen sich die Zeitungen der Weigerung von Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", den neuen Roman von Martin Walser zu veröffentlichen.

          „Financial Times Deutschland“ (Hamburg)

          „Es hätte so lautlos über die Bühne gehen können: Ein Autor schreibt einen Roman, schickt ihn zum Vorabdruck an die 'Frankfurter Allgemeine' und erhält wenige Wochen später eine Absage. Höflich, aber bestimmt hätte die Redaktion dem Autor mitgeteilt, sie sei nicht bereit, das Manuskript zu drucken. Ein Affront gegenüber Martin Walser, mehr nicht. Doch 'FAZ'-Herausgeber Frank Schirrmacher, Spezialist für mediale Inszenierungen, wählte eine spektakulärere Abfuhr. [...]
          Damit erreicht die Antisemitismus-Debatte, die sich bislang vor allem an den fragwürdigen Äußerungen des FDP-Vize abarbeitete, eine neue Qualität. Blamiert hat sich allerdings nicht Martin Walser, wie umstritten er auch sein mag; blamiert haben sich vor allem 'FAZ' und jene, die jetzt fast reflexartig mit dem Antisemitismusverdacht aufwarten: CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer etwa, der die deutschen Künstler aufforderte, 'auf Wortwahl und Formulierungen zu achten, sodass Missverständnisse gar nicht möglich sind'. Oder das Berliner Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus, das gestern 'eine beispiellose Verhöhnung der Holocaust-Überlebenden' anprangerte. Wie berechtigt die Angst vor einer Renaissance braunen Gedankenguts aus deren Sicht auch sein mag - solche allzu voreiligen Äußerungen sind eher dazu angetan, das Problem des Antisemitismus zu verschleiern, als es einzudämmen. Die Aufregung um das Buch, das noch gar nicht erschienen ist, demonstriert wie kaum ein anderes Ereignis, dass Deutschland mehr als fünfzig Jahre nach Kriegsende weiter einen pathologischen Umgang mit der Vergangenheit pflegt. Es wird Generationen dauern, bis sich das Verhältnis zu Israel normalisiert. [...]
          Selbst wenn der Starkritiker das Vorbild für eine literarische Figur im Roman geliefert hat, zeugt der Versuch, das Buch als reine Reproduktion bloßer Fakten zu lesen, von einem beschränkten Literaturverständnis. Fatalerweise erinnert er an einen der größten Literaturskandale der Bundesrepublik. 1966 wurde der Roman 'Mephisto', den Klaus Mann 1936 im Exil geschrieben hatte, wegen Ähnlichkeiten der Hauptfigur Hendrik Höfgen mit dem Schauspieler Gustaf Gründgens gerichtlich verboten - ein Verdikt, das das Bundesverfassungsgericht 1971 bestätigte. Gründgens hatte unter den Nazis Karriere gemacht. Die Figur Höfgen, so die Richter, stelle eine 'Beleidigung, Verächtlichmachung und Verunglimpfung von Gründgens' dar. Die Allgemeinheit sei nicht daran interessiert, 'ein falsches Bild über die Theaterverhältnisse nach 1933 aus der Sicht eines Emigranten zu erhalten'. Erst zehn Jahre später setzte sich Rowohlt über das Verbot hinweg. Klaus Mann hatte den Proteststurm wohl kommen sehen. Mit der Vorbemerkung, es hätte ihm nicht daran gelegen, 'die Geschichte eines bestimmten Menschen zu erzählen', wehrte er sich schon beim Erscheinen seines Romans gegen die Lesart, er betreibe eine private Auseinandersetzung mit seinem Schwager Gründgens. Vergebens. Martin Walser hat in seinem Roman auf ein derartiges Vorwort verzichtet. Doch selbst wenn der Autor ein solches geschrieben hätte - die einmalige Gelegenheit, sich in der Debatte zu profilieren, hätte sich Frank Schirrmacher wohl auch dann nicht entgehen lassen.“

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