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Medien : Neu am Kiosk und im Netz: "vivi@n" von Burda

  • -Aktualisiert am

Seit heute ist "vivi@n" am Kiosk und im Netz. Die neue Medienmarke der Hubert Burda Media wird in Offenburg produziert und soll die weibliche Info-Elite ansprechen.

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          Burdas "Neue", genannt "vivi@n", ist seit diesem Montag auf Papier, unter vivi@n.com im Netz und bei n-tv auf Sendung. Mit einem Vorlauf von gut einem Jahr sind im Offenburger Medienpark drei neue Formate für die Frau von heute entstanden. Das Heft setzt auf einen Themenmix in der Art von Focus und Spiegel: Steffis Internet-Pläne, Zen und die Kunst der Ruhe, Moral in der Politik, Kopfschmerz-Therapien und Harry Potter. Auch die Website umarmt mit ihren zwölf Themenkanälen von Body & Soul über Fashion bis zu Wohnen die ganze Welt.

          Im Verlag gilt das neue Produkt als Tochter des Burda-Vorstandes Jürgen Todenhöfer, der einem eigenständigen Web-Auftritt ursprünglich nicht hatte beipflichten wollen. Nach seinen Vorstellungen und denen des jetzigen Geschäftsführers Reinhold G. Hubert sollte das "Frauenmagazin" lediglich ein redaktionell grundiertes E-Commerce-Beiboot für die im Heft genannten Produkte erhalten. Und Debatten und Fragen zu Themen des Heftes in Foren und Chats aufgreifen. Solche Synergieabsichten sind dem Produkt-Paar gottlob nicht anzumerken: das Heft geht seinen Weg, die Website ihren. Doch beide Angebote ähneln verblüffend ihresgleichen. Die Papier-Vivi@n dem Focus, die Online-Vivi@n amerikanischen und deutschen Frauen-Portalen.

          Web-Portale für Frauen - eine amerikanische Erfindung

          Die US-Site women.com zum Beispiel hilft der modernen Frau, sich gegen den Job und für die Familie zu entscheiden (!) - und dies, indem die zehn Irrtümer des "Ich-kann-aber-nicht-zu-Hause- bleiben" aufgezeigt werden. Die Anbieter setzen auf intelligenten Service. Interaktive Tools und Expertenrat haben Vorrang vor Lesegeschichten. Die Einnahmen erfolgen über Bannerwerbung und die Shop-Anbindungen diverser Hersteller. Vor einem Jahr hat die Münchner WomenWeb AG das amerikanische Modell adaptiert - im Online-Styler von women-web.de kann die Nutzerin am eigenen Porträt Frisuren, Hüte und Brillen ausprobieren.

          Die vivi@n.com, die von rund 20 Journalisten unter der Chefredaktion der Kunst-Managerin Judith Betzler produziert wird, hinkt diesen Vorbildern hinterher. Zum Start zeigt sie sich zu content-verliebt, ohne wirklich außergewöhnliche Themen zu bieten und zu wenig interaktiv. Maria von Welser, die frühere "Mona Lisa"-Moderatorin, bringt in ihrer ersten Kolumne gleich das Thema "Wir wollen alles - wie die Männer!" unter. Das ist seriös geschrieben und dauerhaft aktuell, aber sind nicht Prominente aus der Praxis spannender als solche aus der eigenen Journalisten-Branche? Und: Spricht von Welser auch noch jüngere Frauen an? Laut einer Umfrage der Firma w3b haben im ersten Halbjahr 2000 unter den 26,1 Prozent deutschsprachigen Nutzerinnen die unter 30-Jährigen stark aufgeholt.

          Nachrichten-Magazin für Frauen - eine deutsche Dummheit

          vivi@n, das Heft, das von rund 50 Mitarbeitern unter der Regie der Burda-Journalistin Susanne Walsleben ins Leben gerufen wurde, will mit 130 000 verkauften Exemplaren wöchentlich für 3,50 Mark "kaufkräftige, berufstätige und selbstbewusste" Frauen beeindrucken. Auch Frauen - so legt die erste Nummer nahe - interessieren sich für Politik. Gehen montags ins Büro. Schauen dabei in einem wenig originellen Gemischtwarenladen vorbei, der seine Auslagen genauso plump präsentiert wie die - überdies kaum gekennzeichnete - derzeitige Ikea-Werbung. Anscheinend glauben die Verlags-, Objekt- und Vertriebsleiter in Offenburg, dass ihre Klientel die schlecht fotografierten Bilder mit dem günstigen Preis in Kauf nehmen werden.

          Doch die moderne Frau, die sich über mehrere Jahre auf Montagsseiten und in Wochenendbeilagen regionaler Zeitungen wiederfinden sollte, wird sich nicht ohne weiteres auf dieses Heft einlassen. Nur wenige Themen sind so geschlechtsspezifisch, dass sie entweder nur von Mann oder Frau verstanden werden wollen. Und die Mode hat ihre Vertreter doch längst gefunden. Im Hause Burda sind das die Zeitschriften Lisa, Freundin, Anna, Burda Mode + Magazin und Elle.

          Die Moderne - sie könnte sich selbstverständlicher in einer durchlässigeren Themen-Mischung im Focus selbst dokumentieren. Dem Verlag ist zu wünschen, dass er seine Kräfte in einen pfiffigen Ausbau des Web-Portals steckt. Mehr und mehr Frauen gehen online. Die berufstätige Nutzerin wird es danken, wenn sie im Handumdrehen ihr Gehalt und das ihres Mannes zu einem Familienbudget zusammenrechnen kann. Und sich dann im Expertengespräch überlegen darf, ob ein Kind neben den vielen Reisen, dem teuren Essen und all den anderen guten Hobbies überhaupt noch drin sein könnte. Auf diesem Gebiet haben alle deutschen Online-Angebote für Frauen noch kräftig nachzuholen.

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