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Medien : Henri-Nannen-Preis erstmals verliehen

  • Aktualisiert am

Peter Scholl-Latour, Irina Chalip, Carl Bernstein (v.l.) Bild: dpa/dpaweb

Zum „Adelsprädikat im deutschsprachigen Printjournalismus“ soll er werden, der am Freitag abend erstmals verliehene Henri-Nannen-Preis. Zu den Preisträgern zählten Peter Scholl-Latour und Irina Chalip aus Weißrußland.

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          Diesmal standen diejenigen im Mittelpunkt, die sonst eher verborgen bleiben. Journalisten, deren Reportagen, Dokumentationen und Fotos deutschlandweit wahrgenommen werden, deren Gesichter aber kaum jemand kennt.

          Und davon gibt es viele. Der Henri-Nannen-Preis des Verlagshauses Gruner + Jahr und des Magazins „Stern“ für besondere Leistungen im Qualitätsjournalismus in Zeitungen und Zeitschriften rücke die „Arbeiter“ und nicht die „glänzenden Promis“ in den Fokus, hatte „Stern“-Chefredakteur Andreas Petzold betont. Wenngleich auch ihnen im Hamburger Schauspielhaus am Freitagabend der rote Teppich ausgerollt wurde.

          Sieben Kategorien

          Rund 1.000 Gäste kamen im Blitzlichtgewitter zur Verleihung des ersten Henri-Nannen-Preises in die Hansestadt, unter ihnen Chefredakteure führender Zeitungen, Agenturen und Magazine, Politiker und Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft. In ein Glamour-Programm mit Musik, Kunst, Kultur und Unterhaltung gebettet, wurde die Auszeichnung in sieben Kategorien vergeben.

          Und auch der Henri-Nannen-Preis schmückte sich mit einigen Stars der Branche, etwa Pulitzer-Preisträgern und Ikonen des Journalismus wie dem amerikanischen Reporter Carl Bernstein, der die Watergate-Affäre enthüllte, die zum Rücktritt des damaligen Präsidenten Nixon führte. Selbst Außenminister Joschka Fischer machte extra einen Abstecher vom Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen nach Hamburg, um in seiner Laudatio auf die Preisträgerin Irina Chalip aus Weißrußsland, die für ihr Eintreten für die Pressefreiheit geehrt wurde, die Notwendigkeit einer unabhängigen Presse zu betonen.

          Scholl-Latours Lebenswerk

          Heiser geworden vom Kampf an der „demokratischen Basis“ betonte der wegen der Visa-Affäre selbst unter Beschuß geratene Grünen-Politiker unbeirrt, daß Medien für einen funktionierenden Staat wichtig seien. Das gilt wohl auch für die führenden Köpfe der Branche. Einen Preis nahm Peter Scholl-Latour mit nach Hause, der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde und diese Ehre etwas ironisch als „Letzte Ölung“ bezeichnete. Dabei hatte Laudator Ulrich Wickert doch betont, Scholl-Latour habe sein Lebenswerk ja noch gar nicht vollbracht und von ihm sei wohl noch einiges zu erwarten.

          In der Kategorie „beste investigative Leistung“ zeichnete die Jury um Autorin Elke Heidenreich, F.A.Z.-Herausgeber Frank Schirrmacher und „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo die Journalisten Freddie Röckenhaus („Süddeutsche Zeitung“) und Thomas Hennecke („Kicker“) für ihre Beiträge zur Finanzmisere beim Fußballklub Borussia Dortmund aus. Den Preis im Fotobereich erhielt der Chinese Yang Yankang für eine Bilderserie in „Geo“. Weiter geehrt wurden sechs Journalisten des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ für die Dokumentation „Putins Ground Zero - Die Kinder von Beslan“ in der Kategorie „verständliche Berichterstattung“. Den Preis für die humorvollste Leistung erhielt das „Streiflicht“ der „Süddeutschen Zeitung“.

          Kisch-Preis an Willeke

          Herzstück des Henri-Nannen-Preises, der nach dem 1996 gestorbenen Gründer sowie langjährigen Herausgeber und Chefredakteur des „Stern“ benannt ist, ist jedoch der Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste Reportage. Ihn hat der „Stern“ bereits zum 28. Mal vergeben. In diesem Jahr ging er an Stefan Willeke für seinen Beitrag „Herr Mo holt die Fabrik“ in der Wochenzeitung „Die Zeit“.

          Moderatorin Maybrit Illner hatte schon in ihrer Eröffnungsansprache die wohl wichtigste Frage aufgeworfen, wie ein solcher neuer Preis wohl aufgenommen werde und ob es da wohl auch kritische Stimmen geben könnte. Für den Literatur-Experten Hellmuth Karasek jedenfalls hätte die etablierte Kisch-Auszeichnung „ausgereicht“. Der Henri-Nannen-Preis sei jedoch eine gute Steigerung. Jetzt müsse sich zeigen, wie er sich entwickeln werde. Die vom Gruner + Jahr-Vorstandsvorsitzenden Bernd Kundrun gelegte Latte jedenfalls hängt hoch: Die Auszeichnung soll zum „Adelsprädikat im deutschsprachigen Printjournalismus“ werden.

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