https://www.faz.net/-gqz-nldl

Medien : Faktor X

  • -Aktualisiert am

Amerikas große Sender haben den Krieg verloren. Während Murdochs Fox News Quotenerfolge feierten, fanden die Abendnachrichten von ABC und CBS wenig Zuspruch. Ihr Hauptproblem war die Zeitverschiebung.

          In Zeiten nationaler Krisen, so heißt es, gibt es im Fernsehland Amerika nur eine mehrheitsfähige sinnstiftende Instanz: den Anchorman, der Punkt halb sieben für eine halbe Stunde abzüglich Werbung die Welt zwar nicht ins Lot, aber immerhin in ein deutliches Koordinatensystem bringt.

          Sechzig Millionen Zuschauer versammelte der legendäre, inzwischen hochbetagte Walter Cronkite regelmäßig bei CBS in den "Evening News" und wurde noch Jahre nach seinem Abschied vom Schirm zum "Most Trusted Man" der Vereinigten Staaten gewählt. Dann kamen die Kabelsender. Immer wieder wurde der Niedergang der klassischen Abendnachrichten beschworen - zu früh. Dan Rather (CBS), Tom Brokaw (NBC) und Peter Jennings (ABC) durften nach dem 11. September nicht etwa ihre Marginalisierung, sondern die Rückkehr der abtrünnigen Zuschauerscharen erleben.

          Ähnliches erwarteten die Medienbeobachter, als der Irak-Krieg begann. Doch statt satte Quotenzuwächse zu verzeichnen, haben CBS und ABC in den ersten sechzehn Kriegstagen allabendlich zwei Millionen - oder zehn Prozent - ihrer Zuschauer verloren. Einzig NBC konnte seine Einschaltquote - minimal - steigern. Im selben Zeitraum freuten sich CNN, Fox News und MSNBC über Zuwächse von mehreren hundert Prozent.

          Platz 1 bis 10 für Fox News

          In der Auswertung der meistgesehenen Kabelsendungen belegt Fox News in der Woche vom 31. März bis zum 6. April alle zehn vorderen Plätze. Bei den großen Sendern finden sich in den Top ten dagegen ausschließlich Unterhaltungssendungen. CBS, dessen "Evening News" im Schnitt nur noch 7,48 Millionen sehen wollten, lag zuletzt nicht mehr weit vor Fox News' abendlicher Dauerwerbesendung für die Bush-Regierung, "The O'Reilly Factor" (knapp sieben Millionen).

          Der Zuschauerschwund, den ABC und CBS nach Kräften herunterspielen, hat wohl zuallererst einen durchaus profanen Grund: die Zeitverschiebung. Live konnten die Abendnachrichten aus dem Irak nur grüne Bilder in tiefster Nacht präsentieren. Schlecht für die Anchors, zumal auch der heimische Konflikt zwischen Kriegsgegnern und -befürwortern nicht zur veritablen Krise eskalierte. Die vielstimmigen Berichte der "eingebetteten" Reporter waren meist schon morgens im Frühstücksfernsehen gelaufen und auf den Kabelsendern den ganzen Tag lang hin und her gedeutet worden.

          Andrew Heyward, Nachrichtenchef bei CBS, macht vor allem das Einbettungskonzept des Pentagon für den Zuschauerschwund verantwortlich: "Das war ein Krieg für Reporter, keiner für Anchors." Doch ob es reicht, einfach abzuwarten, bis sich die Verhältnisse friedensbedingt wieder normalisieren? Der "War on Terror" jedenfalls geht bei Fox News umstandslos weiter.

          Weitere Themen

          Ja, aber

          Rundfunkrat zu HR-Umbau : Ja, aber

          Der Rundfunkrat verhält sich abwartend zu den Umbauplänen des Hessischen Rundfunks. Die angepeilte jüngere Zielgruppe wird begrüßt, die aktuellen Umsetzungspläne stoßen auf Skepsis.

          Topmeldungen

          Reformen der Koalition : Immer auf die Besserverdiener

          Egal ob Baukindergeld, Pflegereform oder Soli – die große Koalition schließt Einkommensstarke konsequent von finanziellen Entlastungen aus. Die Grenzen setzt sie dabei willkürlich und der Papierkrieg ist immens.

          Brandenburg : Ist das schlimmer als Diktatur?

          Angegriffen und abgehängt: Vor den Landtagswahlen kocht im Osten die Stimmung. Davon profitiert vor allem die AfD. Eine Reise durch die Dörfer Brandenburgs.
          „Er ist ein Kind“: Der frühere Kongressabgeordnete Walsh tritt über Trump an

          „Er ist ein Kind“ : Republikaner Walsh fordert Trump heraus

          Donald Trump sei dem Präsidentenamt nicht gewachsen, sagt der frühere Kongressabgeordnete Joe Walsh über Donald Trump. Bei den Vorwahlen der Republikaner will der Radio-Moderator ihn herausfordern.

          AfD in Sachsen : Die DDR ist ein Wahlkampfschlager

          In Sachsen will die AfD die Landtagswahl gewinnen – dafür bedient sie gezielt ein Zerrbild der Wirklichkeit. Ihre Wähler stört das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.