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Medien : Dieter Weirich, Intendant der Deutschen Welle, wirft das Handtuch

  • Aktualisiert am

Dieter Weirich Bild: dpa

Dieter Weirich, Intendant der Deutschen Welle, wird sein Amt vorzeitig niederlegen. Ein möglicher Grund: der harte Sparkurs, den die Bundesregierung dem in 31 Sprachen sendenden Auslands-Programm verordnet hat.

          Nach knapp zwölf Jahren an der Spitze des deutschen Auslandsrundfunks hat der Intendant der Deutschen Welle, Dieter Weirich, seinen vorzeitigen Rückzug bekanntgegeben. Er stehe für eine dritte Amtszeit nicht mehr zur Verfügung, teilte der 56-jährige am Dienstag in Köln mit.

          „Ich suche jetzt in der freien Wildbahn eine neue berufliche Aufgabe“, sagte Weirich. Der gelernte Journalist war 1989 zum Intendanten gewählt und 1995 einstimmig in seinem Amt bestätigt worden. Seine Amtszeit hätte am 30. November enden sollen. Weirich wirft schon zum 31.März das Handtuch.

          Weirich hat in seiner Amtszeit die Deutsche Welle von einem reinen Kurzwellensender in ein multimediales Programmunternehmen mit Radio, Fernsehen und Online-Angebot verwandelt. 1992 führte er aktuelles Auslandsfernsehen via Satellit ein. Heute bietet die DW auf allen Kontinenten ein aktuelles TV-Programm in drei Sprachen - Deutsch, Englisch und Spanisch - mit inzwischen rund zwölf Millionen regelmäßigen Zuschauern. In die Amtszeit Weirichs fiel auch die Integration von rund 600 Mitarbeitern von RIAS, Deutschlandfunk und dem ehemaligen DDR-Auslandssender Radio Berlin International nach der Wiedervereinigung Deutschlands.

          In einer Zeit abnehmender Bedeutung der Kurzwelle setzte der Auslandssender unter Weirichs Regie vor allem auf die Satellitentechnik und die Zusammenarbeit mit über 4.200 nationalen, regionalen oder lokalen Stationen, die Programme der Deutschen Welle ganz oder teilweise übernehmen und über terrestrische Frequenzen wieder ausstrahlen.

          Als erste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt in Deutschland startete die Deutsche Welle 1994 auch ein eigenes Internetangebot. Heute ist der Sender mit 31 Sprachen auf dem globalen Marktplatz präsent. Große Bedeutung hatte unter Weirich auch die Ausstrahlung von Radioprogrammen in Regionen ohne Presse- und Informationsfreiheit. Auf dem Balkan gehört die Deutsche Welle nach eigenen Angaben zu den Sendern mit der größten Resonanz.

          Gleichzeitig „verschlankte“ Weirich auch angesichts massiver Haushaltskürzungen des Bundes den Sender. So wurden alleine in den letzten drei Jahren über 700 Stellen abgebaut, rund vierzig Prozent des Personals. Heute hat die DW noch rund 1600 Planstellen in Köln und Berlin. Diese Kürzungen dürften mit ein Grund dafür sein, dass Weirich jetzt das Handtuch wirft.

          Weirich ist gelernter Journalist, gehörte von 1974 bis 1980 als Sprecher der hessischen CDU und der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag dem Wiesbadener Landesparlament sowie dem Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks an. Von 1980 bis 1989 war er als Bundestagsabgeordneter medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Vorsitzender des medienpolitischen Koordinierungsausschusses der Unionsparteien sowie Mitglied des ZDF-Fernsehrates.

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