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Mediale Unabhängigkeit : Entschärfter Nürburgring?

  • -Aktualisiert am

Der Deutschlandfunk weist die Anschuldigung zurück, er habe eine Sendung zur Rennstrecke vorab entschärft. Die Kritiker zitieren den Mail-Verkehr eines PR-Beraters.

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          Wie unabhängig ist öffentlich-rechtlicher Journalismus? Die Affäre um eine Sendung des Deutschlandfunks (DLF) zum insolventen Nürburgring-Projekt scheint eher den Pessimisten recht zu geben. Der Sender soll sich vorab verpflichtet haben, keine allzu kritischen Fragen zu stellen und einen unliebsamen Gesprächspartner wieder auszuladen. Das zumindest geht aus einem Bericht des „Spiegels“ hervor.

          Die Gemengelage um die Pleite des Nürburgring-Projekts ist komplex. Verstrickt in das Netz gegenseitiger Schuldzuweisungen sind das Land Rheinland-Pfalz, die EU-Kommission, der Pächter NAG sowie die Insolvenzverwalter Lieser und Schmidt. Der „Spiegel“ zitiert aus dem E-Mail-Verkehr des PR-Beraters der Insolvenzverwalter, Pietro Nuvoloni. Darin versichert er seinen Auftraggebern, er habe mit den Machern der siebzigminütigen Radiosendung abgesprochen, alle Fragen könnten „gemäß unserer Sprachregelung“ beantwortet werden. Die Moderatoren würden das „akzeptieren und nicht weiter nachbohren“. Zudem werde der Radiosender weder die NAG noch die EU-Kommission einladen. Er sei damit auf Nuvolonis „Bedingungen“ eingegangen.

          Einladung nach redaktionellen Kriterien

          Der Deutschlandfunk wies diese Anschuldigungen jetzt in einer Pressemitteilung zurück. Absprachen zur Art und Weise, wie das Interview geführt werde, habe es „zu keinem Zeitpunkt gegeben“. Die Einladungen seien nach redaktionellen Kriterien erfolgt - im Falle der NAG, die im Rechtsstreit mit den Insolvenzverwaltern liegt, habe man sich dagegen entschieden, um die Sendung „nicht zu einer juristischen Auseinandersetzung“ zu machen, im Falle der EU-Kommission, da die komplizierte Beihilfeproblematik aus zeitlichen Gründen nicht „zu tief“ hätte dargestellt werden können.

          Doch die Geschichte dreht sich noch um eine weitere, angeblich für die Sendung eingeplante Personalie: Wilhelm Hahne. Der freie Journalist der „Eifelzeitung“ gilt als streitbarer Insider und unerbittlicher Kritiker. Über ihn schreibt Nuvoloni in einer E-Mail, er halte ihn für „kundig, aber befangen“. Kurze Zeit später teilt er mit, auch Hahne werde „nicht mehr teilnehmen“. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ bemühte sich Nuvoloni jetzt um Entschärfung: Es habe nie einen Versuch gegeben, Teilnehmer auszuladen, nur ein Zusammentreffen mit der NAG sei bei laufenden Verhandlungen nicht vorstellbar gewesen. Tatsächlich zirkuliert im Netz ein DLF-Papier, in dem unter der Überschrift „zugesagt haben als Gäste“ Hahnes Name auftaucht. Hahne selbst sagte dieser Zeitung, er habe über Dritte gewusst, dass er eingeladen werden solle - sei dann aber wieder von der Liste verschwunden.

          Kein direkter Kontakt

          Man kann die Rechtfertigungsstrategie des DLF durchaus nachvollziehen. Es habe sich um eine Sendung direkt vom Nürburgring gehandelt. Dort sei von Außenstehenden in der Vorbereitung immer wieder der Name Hahne ins Spiel gebracht worden, einen direkten Kontakt habe es nie gegeben, so der leitende Redakteur der Sendung, Michael Roehl. Man habe sich aber entschieden, andere kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen, etwa den Bürgermeister von Nürburg. Der einzige Fehler habe also darin bestanden, Wilhelm Hahne unter „zugesagt“ zu notieren.

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