https://www.faz.net/-gqz-rx0o

Maya-Astronomie : Da hört sich doch alles auf

Maya-Observatorium im Zentrum der Tempelanlage Chichén Itzá Bild: picture-alliance / dpa

Der Kalender der Mayas endet in sechs Jahren, am 22. Dezember 2012. Eine astronomisch-esoterische Lehre, die immer mehr Zulauf hat und im Internet hybride Blüten treibt, sagt für dieses Datum den Weltuntergang voraus.

          Wer vom einundzwanzigsten Jahrhundert noch etwas haben möchte, muß sich beeilen: Es ist schon halb vorbei und wird überhaupt das letzte sein, das wir nach altgewohnter Weise abzählen dürfen. Warum das so ist, wissen in allen Einzelheiten ein paar seltsame Sterndeuter, Ikonographen, Ethnologen und Rauschgiftpilzesser; die populäre Digest-Fassung aber ist vor ein paar Jahren sogar im Massenfernsehen gesendet worden.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          In der am 19. Mai 2003 erstmals ausgestrahlten letzten Folge der Serie „Akte X“ findet FBI-Spezialagent Fox Mulder (David Duchovny) in der militärischen Sicherheitsanlage des Mount Weather Complex von Bluemont im Staate Virginia auf einer Computerfestplatte Daten, die eine alle Menschen auf der Erde betreffende Ungeheuerlichkeit vorhersagen, welche sich laut File-Headline am 22. Dezember 2012 ereignen soll. Im Anschluß an diese Entdeckung setzt es wie gewohnt Mord und Totschlag, ein geheimes Gerichtsverfahren gegen Mulder, viele Rückblicke auf Höhepunkte der Serie und eine gelungene Befreiungsaktion.

          Hybride Blüten im Sumpfklima des Internet

          Am Ende kommt man noch einmal auf das Omen zurück - der fiese Kettenraucher Spender (William B. Davies), eine der beliebtesten Strippenzieher- und Massenmördergestalten der Show, erklärt in seinem endgültig letzten Versteck mit süffisanter Freude am Greulichen gegenüber Mulders Partnerin Scully (Gillian Anderson): „Meine Geschichte hat jedem Präsidenten seit Truman Angst eingejagt. Vor zehntausend Jahren machten die Mayas sich Sorgen, ihr Kalender würde an dem Tag enden, an dem meine Geschichte anfängt - am 22. Dezember des Jahres 2012.“ Wie bitte? Scully glaubt ihm nicht? „Mulder kann Ihnen das Datum bestätigen. Er hat es in Mount Weather gesehen, wo sich unsere Schattenregierung verstecken wird, wenn alles den Bach runtergeht.“

          Das Fakten-, Glaubens- und Wahnsystem, auf das der Mann da anspielt, hat mehrere Ursprünge, eine verwickelte Geschichte, treibt im Sumpfklima des Internet die hybridesten Blüten und hat mindestens zwei Männern einen zweifelhaften Ruhm als Entdecker atemberaubender Abgründe im abendländischen Zeitverständnis eingebracht: dem im Jahr 2000 verstorbenen Drogenpropheten und Ethnologen Terence McKenna sowie dem Schriftsteller und Hobby-Archäologen John Major Jenkins.

          Hier schrillen die Alarmglocken der Esoteriker

          McKenna hat 1975, also vor einem runden Menschenalter, in seinem Werk „The Invisible Landscape“ erstmals auf die astronomische Kuriosität hingewiesen, daß „in unserer Zeit die Wintersonnenwende in der Sternkonstellation Schütze steht, nur 3 Grad entfernt vom Zentrum der Galaxis, das sich, ebenfalls zufälligerweise, ca. 2 Grad entfernt von der Ekliptik (das heißt der aufs Himmelsgewölbe projizierten scheinbaren Sonnenbahn) befindet. Die Wintersonnnenwende bewegt sich im Laufe der Zeit näher und näher auf den Punkt der Ekliptik zu, an dem sie das galaktische Zentrum verdecken wird“ - selbst wenn: ein Umstand dieser Art trägt für seriöse Astronomen und Astrophysiker nicht mehr Bedeutung, als daß der Schütze eben Schütze heißt und nicht „Tintenstrahldrucker“.

          Bei Esoterikern wie McKenna und Jenkins aber schrillen hier alle Alarmglocken, weil der Zeitpunkt, an dem die Konjunktion der Sonne mit dem Schnittpunkt zwischen Ekliptik und Milchstraße stattfindet, jener 21. (manchmal auch: 22.) Dezember 2012 ist, an dem der alte Kalender der mesoamerikanischen Maya-Zivilisation seinen dreizehn „Baktun“-Einheiten umfassenden großen Zyklus vollenden, also das Datum 13.0.0.0.0 erreichen und damit seinen Vorrat an abzuzählenden Tagen erschöpft haben wird - wenn denn die Umrechnung der Maya-Daten auf gregorianische stimmt, die McKenna und Jenkins zugrundelegen.

          Weitere Themen

          Daniel Craig hat Unfall bei Bond-Dreharbeiten Video-Seite öffnen

          007 am Knöchel verletzt : Daniel Craig hat Unfall bei Bond-Dreharbeiten

          Auch bei Superagenten geht mal ein Stunt daneben. Der britische Schauspieler Daniel Craig musste das am eigenen Leib erfahren. Der Brite wird nun nach einem Unfall bei den Dreharbeiten zum neuesten James Bond-Film am Fuß operiert.

          Ist Banksy in Venedig? Video-Seite öffnen

          Rätselhaftes Video : Ist Banksy in Venedig?

          Auf Instagram kündigte der Streetart-Künstler, dessen Identität geheim bleibt, an, mit einem eigenen Stand auf der Biennale in Venedig vertreten zu sein. Die Kunstschau in Venedig zählt zu den größten Weltweit

          Manipuliere die Kurden!

          Brief aus Istanbul : Manipuliere die Kurden!

          Bis zum Neuwahltermin am 23. Juni kann Erdogan weder die Wirtschaftskrise meistern noch das Herz der Kurden gewinnen. Also setzt der türkische Präsident auf Manipulation.

          Kinderbuchautorin Judith Kerr gestorben

          Tiger, Kater, rosa Kaninchen : Kinderbuchautorin Judith Kerr gestorben

          Einige ihrer Bilderbücher sind Klassiker geworden, doch ihr größter Erfolg war eine Geschichte, aufgeschrieben allein, weil sie sie selbst erlebt hatte: „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“. Im Alter von 95 Jahren ist Judith Kerr gestorben.

          Topmeldungen

          „Die Zerstörung der CDU“ : Das Rezo-Video im Faktencheck

          Klima, Wohlstand, Krieg und Protestkultur: Eine zornige Abrechnung wird zum Internethit. Was hält einer genaueren Betrachtung stand? Eine kritische Perspektive auf die vier zentralen Themen.

          Vor der Europawahl : Wie die polnische Jugend Frühlingsgefühle entwickelt

          Die neue linksliberale Partei „Wiosna“ (Frühling) des populären Politikers Robert Biedron mischt die politische Landschaft in Polen auf. Die Anhänger sind jung, nennen ihren Parteivorsitzenden „Robert“ und drängen auf einen Wandel in Polen – und Europa.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.