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Maya-Astronomie : Da hört sich doch alles auf

„Die westliche, euro-amerikanische Zivilisation beherrscht den Globus mittels Zwang und der Verfügung über Rohstoffe. Diese Zivilisation begegnet heute ihrem eigenen Schatten in Gestalt globaler Verschmutzung, staatlich gedeckter Gier großer Konzerne und politischer Instabilität. Der bevorstehende Sprung wird vielleicht eine Verschiebung in unserer grundsätzlichen Orientierung aufeinander und die Welt sein, stimuliert durch unsere erneute Verpflichtung auf lebensbejahende Werte. Um zur kollektiven Ganzheit voranzuschreiten, müssen wir unsere Illusionen aufgeben und ins Zentrum zurückkehren - unsere hingebungsvolle und willige Teilnahme im galaktischen Prozeß der Maya-Kosmogenese wird uns helfen, unseren Ort in der großen Kette der Schöpfung anzuerkennen, unsere Seelen veredeln und unseren Geist reinigen.“

Eine Verschwörungstheorie? Das ist nicht ganz richtig

Die Zeit ist nämlich für Jenkins weniger eine Welle, die ein Ende hat, als vielmehr ein Kreislauf, der von naturverbundenen über unnatürliche wieder zurück zu spirituell-kosmischen Kulturformen führt. Gemeinsam ist McKenna und Jenkins wie allen ihren Gläubigen, daß die säkulare Geschichte für sie wie für den Helden Stephen Dedalus des Dichters James Joyce „ein Alptraum“ ist, „aus dem ich zu erwachen wünsche“. Deshalb schwingt im Maya-Wende-Krempel auch ein Echo der zyklischen Geschichtsphilosophie des Giambattista Vico mit, der neben Hamann und Herder nicht nur für Isaiah Berlin zu den gegenaufklärerischen Begründern einer anderen, im besten wie im dubiosesten Sinne reaktionären Moderne gehört.

Man hat den ganzen Maya-Olmeken-Kosmogenesis-Komplex von kritischer Seite mitunter mißbilligend zu den „Verschwörungstheorien“ geschlagen. Das ist nicht ganz richtig: Jene sind Zersetzungsprodukte aufsehenerregender Entlarvungslehren wie Kapitalismuskritik und Psychoanalyse, die „2012“-Prophetie dagegen leuchtet dem funzelnd verdämmernden Bewußtsein trüber Mediensüchtiger eher als Abfallvariante naturwissenschaftlichen Wissens heim.

Noch sechs Jahre, ist das zu schaffen?

Der Begriff von Gesetzmäßigkeit, den sie voraussetzt, ist wie der von okzidentalen Feng-Shui-Gläubigen längst von jener westlich-positivistischen Weltsicht angekränkelt und durchsetzt, gegen den sich diese Ideologien angeblich wenden - sie sind afternewtonianisch und naiv-szientistisch, nicht paranoid und projektiv wie bei altmodischeren Regressiven. Gemeinsam ist beiden Lagern freilich, daß sie an etwas glauben, von dem man nicht weiß, wie man es bis zum Eintreffen des Stichtags - der Übernahme der Weltherrschaft durch Außerirdische etwa oder der Kosmogenesis wegen galaktischer Zentrumsfinsternis - beweisen oder widerlegen soll.

Daß die Endzeiterwartung der 2012er danebenliegt, kann man nicht auf dem Niveau begründen, auf dem sie formuliert ist - aber mal ehrlich: Wer, der sich umschaut und besinnt, glaubt denn, diese Welt, die wir bewohnen, hielte wirklich noch volle sechs Jahre durch, bevor sie aus der Bahn fliegt?

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