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Max Ophüls : Alles ist so gut wie richtig?

Max Ophüls hat in Deutschland vor seiner Flucht fünf Filme gedreht. Einer ist verschollen, nur einer der anderen auf DVD greifbar. Die Zeit ist reif für eine vollständige Edition.

          12 Min.

          Es ist fast zehn Jahre her, dass Max Ophüls hundert Jahre alt geworden wäre. Was einen schönen Anlass abgegeben hätte, sein Werk, das nur zwanzig Filme umfasst, nach den nötigen umfangreichen Restaurierungsarbeiten, dem Wiederherstellen verstümmelter Versionen und einer vollständigen Retrospektive in allen deutschen, französischen und amerikanischen Filmmuseen in eine DVD-Box zu packen.

          Verena Lueken
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Das ist damals nicht geschehen. Und seitdem auch nicht. Und so gibt es heute zwar eine wunderbar restaurierte und kommentierte „Lola Montez“ und den einen oder anderen Film aus Ophüls’ Zeit in Frankreich und den Vereinigten Staaten in unterschiedlichem Zustand und in unterschiedlicher Ausstattung auf DVD. Aber die deutschen nicht.

          Fritz Lang war nicht der einzige

          Der Konjunktiv scheint der passende Modus, um sich diesen frühen Filmen zu nähern, die zwischen 1931 und 1933 in Berlin entstanden, bevor Ophüls auf der Flucht vor den Nazis nach Paris und von dort im Zickzackkurs nach Hollywood emigrierte. Denn man könnte, es sind ja nur vier (der fünfte, sein erster, ist verschollen), wenn sie besser erhalten wären, möglicherweise Fluchtlinien von ihnen zu seinem späteren Werk ziehen - Fluchtlinien, die mehr wären als eine Ahnung. Und man könnte, wenn diese vier Filme von der Filmwissenschaft im Kontext der deutschen Filmproduktion jener Jahre plaziert würden, etwas darüber erfahren, was aus dem deutschen Kino hätte werden können, wenn nicht die Nazis das Land und die Unterhaltungsindustrie und die Kunstproduktion überhaupt sich einverleibt hätten. Und müsste dabei nicht immer nur von Fritz Lang e tutti quanti reden.

          Man könnte eine Vorstellung davon entwickeln, was aus dem deutschen Kino später hätte werden können, wenn die deutschen Regisseure in Oberhausen sich auf eine weitgefächerte Tradition vor der nationalsozialistischen Machtübernahme besonnen hätten und wenn Fassbinder nach Douglas Sirk, einem weiteren Emigranten aus Nazi-Deutschland, auch auf Ophüls gestoßen wäre, was nur sein früher Tod verhinderte. Lauter „wäre“, „könnte“, „hätte“ also im Fall Ophüls. Vor allem bei den frühen Filmen.

          Erstes Treffen mit Billy Wilder

          Wer sie sehen will, ist auf VHS-Kassetten im besten Fall oder auf Mitschnitte von lange zurückliegenden Fernsehausstrahlungen angewiesen, bei denen der Ton knattert, das Bild wackelt und über die Szenen, auch jene, in denen die Sonne scheint, ein graues Schneetreiben niedergeht. Der erste Film, den Ophüls nach einigen Jahren als Schauspieler und schließlich als Regisseur an verschiedenen Theatern zwischen Aachen und Wien (wo er gekündigt wird, weil er Jude ist) dreht, ist ganz verschollen. „Dann schon lieber Lebertran“ entstand bei der Ufa im Jahr 1931. Es war die Verfilmung einer kurzen Skizze von Erich Kästner, und Ophüls erinnert sich in seinen autobiographischen Aufzeichnungen („Spiel im Dasein“. Eine Rückblende. 1959), wie er sie aus einem Stapel von Manuskripten gezogen hatte, die bei der Ufa in der Berliner Krausestraße in einem vollgepfropften riesigen Bücherregal auf einen wie ihn warteten. „Man hatte mir erlaubt, eine Geschichte nach meinem Geschmack herauszusuchen.“ Er traf Billy Wilder dort, der auf ihn wirkte wie „ein Steptänzer“, sehr gut gelaunt war und ihn ansprach. „Ich fand auf zwei Seiten ein Dichtwerk“, schreibt Ophüls.

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