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Matura-Posse : Eh wurscht

  • -Aktualisiert am

Wurschtigkeit, die: in Österreich verbreitete Egalheit als Lebenshaltung. Bild: Picture-Alliance

Halb Zeugnisnote, halb Prüfung, und die Mündlichen dann freiwillig: Nie war die Erlangung der Matura so einfach wie in diesem Jahr. Nur einer bekommt keine guten Noten: der österreichische Bildungsminister.

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          Da haben doch ein paar Knaben und Mädchen beinahe leere Prüfungsbögen bei ihrer Reifeprüfung abgegeben. Die heißt in Österreich „Matura“, ist seit ein paar Jahren bundesweit zentral geregelt und war früher einmal der direkte Persilschein für ein Studium. Einige der boykottierenden Maturantinnen und Maturanten sollen sogar den Vermerk: „Weil’s eh wurscht is’!“ auf die Zettel gekritzelt haben. Und in der Tat, aufgrund der Pandemie-Maßnahmen war ein geregelter Unterricht nicht mehr möglich. Besonders kam man dadurch in den Abschlussklassen zum Handkuss – an eine Vorbereitung auf die Matura war nicht mehr zu denken.

          Bildungsminister Heinz Faßmann, bereits seit seiner ersten Amtszeit, als er während einer Fernsehdokumentation vor laufender Kamera gut sichtbar den Geheimcode seiner Bürotür im Ministerium eintippte, eher durch Kauzigkeit als für einen besonnenen Umgang mit den Agenden seines Amtes bekannt, regelte das Prüfungsverfahren für dieses Jahr auf den ersten Blick schülerfreundlich. Mündliche Prüfungen fallen aus, können aber im Herbst, zur Verbesserung der Note, freiwillig abgelegt werden. Die Reifeprüfungsbenotung setzt sich nun zur Hälfte aus der Note des Halbjahreszeugnisses und der Prüfungsnote zusammen. Wer also das Wintersemester nicht schlechter als mit einem Dreier – Österreichs Notensystem reicht vom „Einser = sehr gut“ bis zum „Fünfer = nicht genügend“ – in einem Maturafach beendet hat, besteht die Reifeprüfung auch bei völligem Versagen in der Abschlussprüfung.

          Was zweifellos mit besten Absichten, allerdings auch mit dem Hintergedanken einer Präzedenzfallregelung erlassen wurde, entwertet in Wahrheit die ohnehin seit Einführung diverser Aufnahmetests an Universitäten und Fachhochschulen immer weniger anerkannte Reifeprüfung noch weiter. Ob sich in der Verweigerungshaltung der Maturanten Bauernschläue, Faulheit oder Bequemlichkeit (wie von Faßmann angedeutet) oder eine echte, tiefergehende Besorgnis um das Bildungssystem allgemein widerspiegelt, bedarf der Klärung. Was von Beobachtern bereits jetzt gefordert wird, scheint schneller durchführbar. In Faßmanns Lebenslauf liest man als eine seiner vorherigen universitären Positionen „Professor für Angewandte Geographie“. Wem dieses Fach nichts sagen sollte: Das hat sich Faßmann nicht selbst ausgedacht, es bezeichnet eine „ergebnisorientierte Arbeitsweise“. Die Forderung lautet nun also, er möge diese nun auch in der Praxis anwenden. Auf gut Wienerisch – Faßmann möge sich schleichen.

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