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Mattscheibe : „Und plötzlich küsst du jemanden, der kratzt“

  • -Aktualisiert am

Arte hat junge Leute nach ihren sexuellen Erfahrungen gefragt - und bekam überraschende Antworten.

          2 Min.

          Kann es in der Glotze noch ein Gespräch über Sex geben, das den Zuschauer überrascht? Ein Themenabend auf ARTE am Donnerstag Abend zeigt, dass das Fernsehen anders kann - wenn es will.

          Der Abend liefert die erwartbare Erkenntnis, dass Sex und Liebe doch nicht so öde nicht, wie sie uns das Fernsehen in Porno-Shows mit Reeperbahn-Ästhetik vorführt. Man muss nur einmal junge Menschen über ihre Erfahrungen reden lassen, und schon ist alles wieder da: der Zauber des ersten Blickkontakts, das Geheimnis des fremden Willens, die Sehnsucht nach Zuwendung.

          „Sich wirklich verlieben, heißt, sich in eine schöne Seele verlieben, das geht über alles Körperliche hinaus“, sagt der 22jährige Matthieu aus Paris. „Eine schöne Seele lässt den Körper unwichtig werden. Sie verstehen, spüren, was sie gerade macht, ihre Art zu lächeln, all das kann man nicht erklären.“ Treffender kann man über Liebe kaum sprechen.

          Auf den Spuren des G-Punkts

          „Das erste Mal“ ist das Thema des Themenabends. Doch die dargebotenen Bekenntnisse gehen weit darüber hinaus. So wird daraus ein Abend über die Liebe schlechthin.

          Nicolas Pascariello hat junge Männer in Paris und Berlin zu ihren sexuellen Erfahrungen befragt. „Coole Aufreißer“ sind genauso darunter wie schüchterne Zeitgenossen. Ihre Aussagen sind so vielfältig und unberechenbar wie die Liebe selbst.

          Damien, 21, erzählt nicht ohne Stolz, wie er mit seiner Freundin nach Anleitung einer Fitness-Zeitschrift den „G-Punkt“ suchte. Noch erstaunt über seine Leistung, verkündet er: Wir fanden ihn? Seine Freundin habe das Laken zerrissen. Doch schon im nächsten Moment gesteht der strahlende Held, dass er Angst vor Mädchen habe. Desillusioniert klagt er: „Sobald man einem Mädchen zeigt, dass man sich verliebt hat, interessiert sie sich nicht mehr für einen.“ All seine Freunde meinten, er sei zu nett. Man müsse gemein sein zu den Frauen, redeten sie ihm ein. Resigniert gesteht er: „Ich kann das nicht.“

          Zum Erstaunen aller Besucher von Swinger-Clubs findet Matthieu, dass es in der Liebe nichts Intimeres gebe als den Kuss. Und obwohl er weiß, was ein „Cunilingus“ ist, sind ihm Mädchen ein Rätsel. „Sie sind so flüchtig. Du weißt nie, woran du bist, nie bekommst du sie richtig in den Griff“.

          Cheik hat - fast - alles im Griff

          Einer der alles im Griff hat, ist der Tänzer Cheik. Cheik hat, wie er sagt, alles unter Kontrolle: „Ich entscheide.“ Nur beim ersten Mal war alles ganz anders, sagt er. „Sie hat mich geführt“. Von bestechender Klugheit ist womöglich sein Satz: „Wir Männer haben ein falsches Bild von den Frauen. Die Frauen haben das richtige Bild von uns.“

          Der 19jährige Charlely, der mit glänzenden Augen berichtet, wie toll es ist, sich „kraulen zu lassen“, ist der große Casanova. Er berichtet, dass er als Kind die Mädchen ohrfeigte, um sie anschließend in den Arm zu nehmen und trösten zu können. „Ich hab' mich benommen wie ein Psychopat“, sagt er. Nur so kurz flammt das Thema Gewalt, die schwarze Seite der Sexualität, in dem Film auf. Aber es prägt sich dem Zuschauer ein.

          Meiho, 23, aus Berlin verrät, dass seine Freundin mehr Sex brauche als er. Das führe gelegentlich zu Konflikten.

          Zu den interessantesten Stellungnahmen gehört die des 23jährigen Laurent. Er erzählt, wie er feststellte, dass er homosexuell ist. „Irgendwann wird dir klar, du küsst jemanden, der kratzt“.

          Der Film lebt davon, dass die Interview-Partner über die Liebe staunen wie Kinder. Und Nicolas Pascariello hat richtig entschieden, ihnen ganz das Feld. Er tritt als Frager nicht in Erscheinung. Aber seine Fragen müssen klug und einfühlsam gewesen sein. Das verraten die Antworten.

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