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Mattscheibe : Schwarzer gegen Feldbusch: Ein Hauch von Ramsch-TV

  • -Aktualisiert am

Das Bild täuscht: So einträchtig waren Feldbusch und Schwarzer die meiste Zeit nicht Bild: dpa

Fruchtloses Zwiegespräch im ZDF: Verona Feldbusch und Alice Schwarzer knallten aufeinander

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          Auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen kann sich Gespräche zwischen zwei Personen wohl nur noch als Streitgespräche vorstellen.

          Dass zwei Menschen, die wesensverschieden sind, sich dennoch schätzen oder bewundern können oder sogar Gemeinsamkeiten entdecken, damit darf man nur im wirklichen Leben rechnen. Im Fernsehen müssen heute fast erbarmungslos die Unterschiede, die Konflikte herausgearbeitet werden. So geschah es auch bei dem Streitgespräch zwischen der Show-Moderatorin Verona Feldbusch und der Feministin Alice Schwarzer am Donnerstag abend im ZDF.

          Dass Verona Feldbusch, nach Ansicht der „Bild“-Zeitung mehr „Body“ als „Brain“, gewiss nicht das Frauenideal Alice Schwarzers darstellt (nach Meinung von „Bild“ mehr „Brain“ als „Body“), war klar. Der Moderator und die Beteiligten sorgten dafür, dass die Unterschiede den Abend über kaum überbrückt wurden. Nur so wäre aber ein Gespräch möglich gewesen, dass über einen verbalen Ringkampf hinausgegangen wäre.

          Der erste Schlagabtausch wurde bereits im Vorfeld mit freundlicher Unterstützung der Medien geführt. Schwarzer nannte Feldbusch „eine Ohrfeige für alle Frauen“, Feldbusch wiederum attackierte Schwarzer. Für Kampfesstimmung war also gesorgt.

          Schwarzer warf Feldbusch denn auch sogleich vor, „öffentlich das Dummchen zu mimen“ und mit der Haltung der „verfügbaren Frau“ ein völlig unemanzipiertes Frauenbid zu verkörpern. Feldbusch bezichtigte Schwarzer, die Frauen zu bevormunden.

          Beide Statements lassen durchaus ein Kofpnicken zu und hätten auch eine gute Grundlage für ein ernsthaftes Gespräch geboten. Etwa: Wie steht es um die Emanzipation von Frauen heute?

          Doch an die Stelle ernsthafter Auseinandersetzung traten Schläge unter die Gürtellinie. Alice Schwarzer bewies nicht eben Niveau, als sie die Feldbusch anherrschte: „Ich habe die Schnauze voll von Barbiepuppen.“

          Vergeblich versuchte der Moderator Johannes B. Kerner zu vermitteln: „Was bewundern Sie aneinander?“ Auf diese Weise für kurze Zeit zur Vernunft angehalten, tauschten beide Frauen Komplimente aus. Verona fand es gut, dass sich Alice so kräftig für die Frauenbewegung eingesetzt hat - wenn auch in grauer Vorzeit. Schwarzer wiederum bewunderte an Verona, dass sie sich in ihrer Ehe nicht weiter prügeln liess und wie eine Geschäftsfrau denke.

          Doch damit hatte es sich. Der Zuschauer erlebte einen ruppigen unfruchtbaren Schlagabtausch, der zur Erhellung eines interessanten Themas - ob Frauen vielleicht auf ganz verschiedene Art emanzipiert sein können - nichts beitrug.

          Statt dessen wehte durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen ein Hauch von Ramsch-TV.

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