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Mattscheibe : Ray Cokes präsentiert Cheb Mami und Susheela Raman

Macht den Anfang: Rai-Star Cheb Mami Bild: Arte

An diesem Dienstag Abend führt MTV-Veteran Ray Cokes auf Arte durch ein Doppelkonzert mit hybrider Popmusik: Cheb Mami und Susheela Raman.

          2 Min.

          Was macht eigentlich Ray Cokes? Urgestein aus alten MTV-Tagen, als Jugendmarketing noch den Beigschmack von Individualität und Insidertum hatte. Bis Mitte '96 hatte er "MTV's Most Wanted" moderiert, vor einer ihn umkreisenden Handkamera Grimassen geschnitten - und die Kids überrascht: Ein durchgeknallter Thirtysomething, der sich auskennt.

          Mittlerweile ist Ray Cokes in den Vierzigern und fünf Jahre nach seinem Ausstieg bei MTV bei Arte angekommen. Er schneidet keine Grimassen mehr vor der Kamera. Die hat sich auch beruhigt. Musik ist sein Thema geblieben. Im Wechsel mit Patrice Bouédibéla moderiert Cokes die "Music Planet"-Reihe "2Nite". Im Zeichen der Zwei wird im Wechsel in Clubs in Paris und Hamburg ein bekannter Act vorgestellt, der seinerseits einen weniger bekannten einladen darf. Das Club-Konzert wird von zwei, drei Interviewpassagen unterbrochen. Diesen Dienstag Abend geht es los. Um 23 Uhr präsentiert Ray Cokes den Rai-Sänger Cheb Mami und die indisch-stämmige Sängerin Susheela Raman.

          Intimität des Clubs

          Ort des Geschehens ist der Pariser Club "Le Réservoir", und das Filmteam tut viel dafür, die Stimmung eines Live-Konzertes auf die Bildschirme zu bringen. Die Kamera fährt die am Eingang wartenden Konzertbesucher entlang, zeigt Cheb Mami, wie er sich später einen Weg durch den Club auf die Bühne bahnt.

          Wieder da: MTV-Urgestein Ray Cokes
          Wieder da: MTV-Urgestein Ray Cokes : Bild: Arte

          Cheb Mami ist neben Khaled in Europa prominentester Star jener algerischen Musik, die seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Lebensgefühl, Mitteilungsdrang und Tanzlust der Jugend ausdrückt. Cheb Mamis Pop-Variante der Rai-Musik stößt, wie der Sänger im Interview sagt, nicht immer auf das Einverständnis der orthodoxeren Vertreter dieser unorthodoxen Musik. Im „Réservoir“ erweist sie sich als ungemein tanzbar. Der nach Art des Funk geslappte Bass und die bläserhaften Synthesizer-Einwürfe halten schnell niemanden mehr auf den Stühlen. Jetzt kommt die Intimität dieses Clubs zum Tragen: Die Bühne ist kaum zwei Stufen erhöht, der Sänger steht fast in seinen Fans, die ihn zu umtanzen scheinen.

          Charme der Interviews

          Der Gast Cheb Mamis kommt dazu, und nach einer Duo-Ballade gehört die Bühne Susheela Raman. Die junge indisch-stämmige Londonerin, die sich in ihrer Kindheit vor allem mit klassischer südindischer Musik beschäftigte, verbindet indisch-tamilische Klänge mit Souleinflüssen, Rai und Reggae, so dass ein ähnlich hybrider Cocktail mit anderer, weniger druckvoller Grundfarbe entsteht.

          Der Film zeigt viel: Wie Cheb Mami zu drucksen anfängt, als ihn Ray Cokes im Interview auf die weitere Zusammenarbeit mit Susheela Raman anspricht. Aber auch viele charmante Momente der Interviews. Wie es der Sängerin schwerfällt, das nach den schnellen Rai-Stücken tanzlustige Publikum für sich und ihre deutlich ruhigere Musik zu gewinnen. Aber auch, wie es ihr schließlich gelingt, bevor sie nach einer zweiten Interview-Passage die Bühne wieder Cheb Mami überlässt.

          Gelungene Porträts

          Die „2Nite“-Rechnung geht auf. Das liegt vor allem an der Balance von Konzert- und Interviewanteilen in der 50-minütigen Sendung, die Ray Cokes mit wenigen Fragen zu skizzenhaften Porträts der beiden Künstler macht. Musikfernsehen der anderen Art. Keine Werbeclips mit schnellen Schnitten. Der „Music Planet“ auf Arte, mit seinen erfolgreichen Reihen „HipHop“, „Jazz Collection“ und der „Popgalerie“ gerade frisch auf diesen Sendeplatz umgezogen, hat mit diesem Format starken Zuwachs bekommen.

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