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Matthias Matussek im F.A.S.-Gespräch : Wir haben den besseren Weihrauch

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Die Liturgie verschludert, doch der Papst kämpft an vorderster theologischer Front - Benedigt XVI. bei einer Messe in Spanien Bild: picture alliance / dpa

Steht das katholische Ritual unter Denkmalschutz? Darf die Kirche sich der Gegenwart zuwenden? Matthias Matussek, Autor des Buchs „Das katholische Abenteuer“, kämpft für die reine Lehre. Ein Streitgespräch zum Pfingstfest.

          Herr Matussek, Sie nennen Ihr Buch im Untertitel „Eine Provokation“. Wen wollen Sie provozieren?

          Alle, die Schwierigkeiten mit Festlegungen haben, mit heftigen Bekenntnissen. Man hält das für uncool und naiv. Die Verkehrsform in unseren Breitengraden ist das tänzelnde Wechseln der Standpunkte, die ironische Volte . . .

          Wer ist dieser „man“?

          Es sind schon auch Sie, in Ihrem Feuilleton.

          Matthias Matussek


          Im sogenannten Feuilleton wird doch ein strenger katholischer Denker wie Robert Spaemann viel ernster genommen als zum Beispiel Hans Küng. Katholische Positionen sind schon deshalb so beliebt, weil sie eben oft kompromisslos und unverwechselbar sind.

          So oft schreibt Spaemann nicht. Und salonfähig ist der kritische Katholizismus, der nicht vom Glauben redet, sondern von Demokratie, Gleichberechtigung, Sexualmoral. Es gibt eine merkwürdige Scheu, über die Sakramente zu reden, über das Credo. Geißlers Papstkritik, das ist die Meterware der Kirchenkritik.

          Geißler? Wird der wirklich von irgendjemandem ernst genommen, als Papstkritiker jedenfalls?

          Der war in jeder zweiten Talkshow. Wie hieß das Buch? Was würde Jesus heute sagen?. Was für eine Anmaßung. Aber das liebt das Publikum, das sind die großen Bestsellererfolge. Kirchenkritik von innen. Es gibt nur eine Ausnahme . . .

          . . . die Bücher, die der Papst selber schreibt.

          Benedikt kämpft an vorderster theologischer Front. Aber nirgendwo stößt er auf so großes Zögern, so viele Zweifel, nirgendwo wird die Kritik des Papstes so beißend betrieben, nirgendwo spricht man, wenn man über die Kirche spricht, nur über den Zölibat, nirgendwo als in Deutschland, unter den deutschen Reformkatholiken.

          Reformkatholiken: Die können Sie nicht ausstehen. Das sind für Sie die Leute, die die Kirche profanieren wollen. Ich habe da meine Mutter vor Augen, Pfarrgemeinderätin, sozial extrem engagiert: Das sind die Leute, die die Arbeit tun. Der Leib der Kirche sozusagen. Und diese Leute hadern mit der katholischen Obrigkeit: Frauen, die dem Regime der alten Männer vorwerfen, dass es von der Praxis keine Ahnung habe.

          Ihre Mutter in allen Ehren, aber ich bekomme sehr viel Post von älteren Menschen, die sagen: Endlich spricht einer über die Kirche, wie sie sein sollte. Endlich sagt einer, was Katholizismus wirklich ist: in die Messe und zur Beichte gehen, die Zehn Gebote, das Ritual. Neulich, bei einer Lesung, hat ein älterer Herr zu mir gesagt, er wisse nicht mehr, wo die Wandlung anfängt. Die Liturgie verschludert.

          Sind Sie sicher, dass wir hier von der katholischen Messe reden? Es sind doch eher manche Protestanten, die das Ritual bis zur Unkenntlichkeit profaniert haben.

          Ich will die Veränderungen, die das Zweite Vatikanische Konzil gebracht hat, nicht zurückdrehen. Aber ich stelle fest, dass es ein Bedürfnis nach lateinischer Sakralität gibt, nach dem Tridentinischen Ritus, bei dem das Mysterium spürbarer wird. Es ist zu viel Gewöhnlichkeit, zu viel gewöhnliches Tageslicht in den Kirchen. Und ich glaube nicht, dass es so entscheidend ist, dass an der Spitze der Kirche ein Mann steht.

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